Im Flug- und Schiffsverkehr stellen diese Kraftstoffe aus heutiger Sicht die einzige klimaneutrale Option dar. Im Schienen- und Straßenverkehr sind synthetische Kraft- und Brennstoffe eine Alternative zur Direktelektrifizierung, insbesondere dann, wenn der direkte Zugang zum Stromnetz erschwert ist. In vielen Weltregionen wird auf mittlere Sicht weiterhin der Verbrennungsmotor zum Einsatz kommen. Dies lässt sich durch die Mobilitätsanforderungen beispielsweise in ländlichen Regionen, durch unzureichend ausgebaute Stromnetze, aber auch durch mangelnde Kaufkraft für den Erwerb neuer und in der Regel teurerer Elektrofahrzeuge erklären. Zu beachten ist auch die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Fahrzeugbaus in vielen Ländern Mittel- und Osteuropas.

Ein wesentlicher Vorteil synthetischer Kraftstoffe besteht darin, dass sie über bestehende Liefer- und Transportinfrastrukturen den aktuell vorhandenen Fahrzeugbestand versorgen und damit einen umgehend wirksamen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors leisten können, der nicht vom Nutzerverhalten abhängt. Gerade in diesem Sektor liegen die Ziele der europäischen Klimapolitik, die durch den jüngst beschlossenen Green Deal der europäischen Kommission noch verschärft werden sollen, noch in weiter Ferne.

Das Ziel der Klimaneutralität ist ohne den Einsatz größerer Mengen von synthetischen Kraftstoffen aus heutiger Sicht nicht erreichbar.

Für die Produktion synthetischer Kraftstoffe sind umfangreiche Investitionen in Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarem Strom und dessen Umwandlung in flüssige Energieträger notwendig. Als wirtschaftlich besonders wettbewerbsfähige Produktionsstandorte bieten sich sonnen- und windreiche Standorte an, die zumeist außerhalb Europas liegen. Angesichts des enormen Bedarfs an erneuerbarer Energie für die Defossilisierung nicht nur der aktuellen Stromversorgung, sondern auch der Sektoren Industrie, Gebäude und Verkehr, wo bislang überwiegend andere Energieträger eingesetzt werden, werden die Mitgliedstaaten der Europäischen Union über den eigenen Ausbau der Kapazitäten zur Erzeugung erneuerbaren Stroms hinaus auch auf Importe angewiesen sein.

Denkbare Produktionsstandorte liegen beispielsweise in Nordafrika und im Nahen Osten, Australien oder Patagonien. Durch die Investitionen in Elektrolyseure und Umwandlungsanlagen zur Erzeugung von synthetischen Energieträgern aus erneuerbarem Strom können sowohl europäische Anlagenhersteller als auch die Wirtschaftsstandorte vor Ort profitieren.