Im Vergleich zum Vorjahr gibt es weniger Stellen und mehr Arbeitslose

Am Arbeitsmarkt zeigt sich auch im Juli 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat Juli 2019 ein Rückgang der von Unternehmen gemeldeten offenen Stellen bei gleichzeitiger Zunahme der Arbeitslosen. Seit 2010 war die Arbeitskräftenachfrage jedes Jahr gestiegen, während die Zahl der Arbeitslosen rückläufig war. Diese Entwicklung hatte in immer mehr Berufen zu Fachkräfteengpässen geführt (vgl. KOFA-Studie 2/2019). Auch im aktuellen Berichtsmonat fällt der Anstieg der Arbeitslosenzahl durch die Corona-Krise größer aus als der Rückgang der gemeldeten offenen Stellen. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Arbeitslosigkeit haben sich jedoch abgeschwächt. Denn im Juli 2020 stieg die Arbeitslosigkeit in etwa so stark an wie im Vorjahr durch saisonbedingte Schwankungen. Das bedeutet, es gab im Aggregat, bei bundesweiter und gesamtwirtschaftlicher Betrachtung, keine zusätzlichen Arbeitslosen durch die Corona-Pandemie.

Durch den Vergleich mit den jeweiligen Vorjahreswerten sind die Absolutwerte nicht durch saisonale Schwankungen verzerrt. Auch wenn im Juli 2020 deutlich mehr Arbeitslose und weniger Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) registriert waren, ist die Lücke zwischen Arbeitslosen und gemeldeten Stellen (noch) nicht so groß wie zu Beginn des Beobachtungszeitraumes im Juli 2010. Insbesondere die Zahl der gemeldeten offenen Stellen liegt mit 573.159 noch deutlich über dem Wert aus dem Juli 2010 (391.102). Die Veränderungen am Arbeitsmarkt betreffen alle Qualifikationsniveaus. Betrachtet man die Veränderungen seit Beginn der Corona-Krise im März dieses Jahres, so sind die Stellen für Helferinnen und Helfer am stärksten zurückgegangen. Hier ist auch mit minus 3,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat (Juni 2020) der größte Stellenrückgang zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (Juli 2019) ist der größte prozentuale Stellenrückgang jedoch bei Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung zu beobachten (29,4 Prozent). Am geringsten ist im Vergleich zum Vorjahr die Nachfrage nach Expertinnen und Experten mit (Fach-)Hochschulstudium gesunken (24,1 Prozent).

Während sich die Arbeitskräftenachfrage in einigen Berufsbereichen langsam erholt, sinkt sie in anderen weiter 

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist der Bereich „Kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus“ mit einem Stellenrückgang um 43,1 Prozent wie in den Vormonaten am stärksten von einem Nachfragerückgang betroffen. Auch im Vergleich zum Krisenbeginn im März 2020 ist die Arbeitskräftenachfrage in diesem Bereich am stärksten zurückgegangen. Wird jedoch die Veränderung zum Vormonat Juni 2020 betrachtet, ist die Arbeitskräftenachfrage in den Bereichen „Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung“ sowie „Naturwissenschaft, Geografie und Informatik“ prozentual noch etwas stärker gesunken. Es sei jedoch darauf verwiesen, dass innerhalb der Berufsbereiche deutliche Unterschiede auf Berufsebene bestehen. Während beispielsweise bei Experten der Chemie- und Pharmatechnik ein deutlicher Stellenrückgang zu verzeichnen ist, nimmt die Nachfrage nach Chemie-Experten weiter zu.