MINT-Lücke sinkt stark auf 108.700 – weiterhin hohe Lücke in den Bereichen Bau und IT

So ist die MINT-Lücke entgegen der typischen saisonalen Erhöhung von 193.500 im Februar 2020 auf 108.700 im Oktober 2020 deutlich gesunken. Im Oktober 2019 betrug die Lücke noch 263.000 und somit muss im Jahresvergleich ein Rückgang von 58,7 Prozent verzeichnet werden. Die Lücken in den Elektro- und Energieberufen mit 44.400, den Bau-Berufen mit 27.100 und den IT-Berufen mit 26.000 bleiben auf einem hohen Niveau.

MINT-Lücke in den Bau-Berufen bleibt hoch

Vergleicht man zur Einordnung der Corona-Krise die aktuellen Engpässe mit einem Durchschnittswert der Vorjahre, so werden starke Unterschiede in den einzelnen MINT-Bereichen deutlich. Noch im Februar 2020 erreichte die MINT-Lücke genau den Durchschnittswert aus den Jahren 2014 bis 2019. Im Oktober 2020 ist dies nicht länger der Fall. Die Lücke liegt nun 54 Prozent unter dem Durchschnittswert der Oktober-Werte aus den Jahren 2014 bis 2019.

Der Produktionsstopp in vielen Industrieunternehmen hat dazu geführt, dass die besonders stark mit der Produktion verknüpften MINT-Fachkräfte einen deutlichen Rückgang der Fachkräftelücke zu verzeichnen hatten. Bei MINT-Experten, die eher auch in den Forschungs- und Entwicklungsbereichen tätig sind, fiel der Rückgang der Lücke geringer aus.

Strukturelle Verschiebung in der MINT-Lücke: IT-Anteil steigt

In einzelnen MINT-Berufsaggregaten weist die Corona-Krise besonders starke Effekte auf. In den Berufen aus dem Bereich Maschinen/Fahrzeugbau und den Berufen der Metallverarbeitung ist die aktuelle Lücke gegenüber dem mehrjährigen Durchschnittswert für den Monat Oktober um 89 bzw. 95 Prozent zurückgegangen. Dagegen nahm die Lücke in den Bauberufen mit plus 17 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnittswert sogar zu. In den IT-Berufen gab es im Vergleich zum langjährigen Durchschnittswert nur einen relativ geringen Rückgang von 33 Prozent. Bezogen auf die IT-Berufe setzt sich ein langfristiger Trend fort. Der Anteil der IT-Berufe an der gesamten MINT-Lücke ist von 15 Prozent im Oktober 2014 auf 24 Prozent im Oktober 2020 gestiegen.

Abwärtstrend im Juli gestoppt

Vergleicht man die Entwicklung der MINT-Lücke im Jahr 2020 mit dem mehrjährigen Durchschnitt, so ist die MINT-Lücke von März (97,3 Prozent des langjährigen Durchschnitts) bis Juli 2020 sehr stark gesunken (48,0 Prozent). Ab Juli 2020 ist eine Seitwärtsbewegung zu erkennen. Im Oktober 2020 betrug die MINT-Lücke 46,1 Prozent des Durchschnitts der Vorjahre und liegt minimal höher als im September mit 45,9 Prozent. Insgesamt kann damit festgestellt werden, dass noch kein Wiederanstieg der MINT-Lücke beobachtet werden kann.