Die seit 2023 anhaltende sehr schwierige wirtschaftliche Lage wirkt sich inzwischen auch am Arbeitsmarkt in den Ingenieur- und Informatikberufen deutlich aus.
Ingenieurmonitor 2025/IV: Der regionale Arbeitsmarkt in den Ingenieurberufen. Sonderteil: Ausblick bis 2040
Gutachten für den Verein Deutscher Ingenieure e.V.
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die seit 2023 anhaltende sehr schwierige wirtschaftliche Lage wirkt sich inzwischen auch am Arbeitsmarkt in den Ingenieur- und Informatikberufen deutlich aus.
Im vierten Quartal 2025 reduzierte sich die Gesamtzahl der offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr der konjunkturellen Situation deutlich um 18,2 Prozent auf 96.760. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsfeldern: Während die Zahl der offenen Stellen in den Bauingenieurberufen im Vergleich zum Vorjahr nur um 3,8 Prozent zurückging, verzeichneten die Informatikberufe einen Rückgang von 33,0 Prozent. Besonders stark nahmen die offenen Stellen in Bayern und Baden-Württemberg ab, in denen die besonders wirtschaftlichen belastete Branche des Fahrzeugbaus eine hohe Bedeutung hat.
Im vierten Quartal 2025 waren im Durchschnitt 58.392 Personen auf der Suche nach einer Anstellung in Ingenieur- oder Informatikberufen. Dies entspricht einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 16,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und stellt den höchsten Wert seit Beginn der Erhebungen des Ingenieurmonitors im Jahr 2011 dar. Auch hier zeigt sich ein unterschiedlicher Trend je nach Berufsfeld: Während die Arbeitslosigkeit in den Bauingenieurberufen im Vergleich zum Vorjahr nur um 5,8 Prozent anstieg, erhöhte sie sich in den Ingenieurberufen Technische Forschung und Produktionssteuerung um 32,9 Prozent und in den Ingenieurberufen Maschinen- und Fahrzeugtechnik um 34,0 Prozent. Auch die Arbeitslosigkeit stieg am stärksten in Bayern und Baden-Württemberg.
Die Engpasskennziffer für Ingenieur- und Informatikberufe lag im vierten Quartal 2025 bei 166 offenen Stellen pro 100 Arbeitslosen, was weiterhin auf einen leichten Fachkräfteengpass hinweist. Im Vorjahr lag die Kennziffer um 29,9 Prozent höher. Die größten Engpässe bestehen in den Bauingenieurberufen (314 offene Stellen je 100 Arbeitslose), gefolgt von den Ingenieurberufen Energie- und Elektrotechnik (246) sowie den Ingenieurberufen Maschinen- und Fahrzeugtechnik (173). Die höchsten Engpässe bestehen in Sachsen-Anhalt/Thüringen (246), Sachsen (208) und trotz starker Rückgänge weiterhin in Bayern (193). Die niedrigste Engpasskennziffer weist Berlin/Brandenburg auf.
Die aktuell vergleichsweise geringen Engpässe sind vor allem auf die schwierige wirtschaftliche Lage zurückzuführen. Von 2012 bis 2025 nahm die reale Bruttowertschöpfung nur um 13 Prozent zu, im Verarbeiteten Gewerbe, in dem der Anteil der Ingenieurberufe an allen Beschäftigten besonders hoch ist, liegt die reale Wertschöpfung im Jahr 2025 sogar nur auf dem Niveau aus dem Jahr 2012. Dennoch ist die Beschäftigung in den Ingenieur- und Informatikberufen von 2012 bis 2024 von knapp 1,0 Millionen auf gut 1,5 Millionen um 59 Prozent gestiegen. Unter den Beschäftigten der Industrie und anderer Branchen nahm der Anteil der Ingenieur- und Informatikberufe zu. Für den Zeitraum bis 2035 ist jedoch aufgrund der demografischen Entwicklung im Basisszenario nur noch mit einer Zunahme der Beschäftigung um 11 Prozent auf knapp 1,7 Millionen und bis 2040 um 15,4 Prozent auf 1,74 Millionen zu rechnen. Hierbei ist schon eine Zuwanderung eingerechnet – insgesamt nimmt der Frauenanteil, der Anteil der Ausländer und der Anteil der Beschäftigten im Alter ab 55 Jahren deutlich zu. Der Wachstumspfad der Beschäftigung aus der Vergangenheit bricht folglich deutlich ab, was auch die Entwicklung der Wachstumsdynamik bis Ende 2040 deutlich belastet. Die aktuell sinkenden Engpässe sollten folglich nicht zu falschen Schlüssen führen. Um mehr Beschäftigte in den Ingenieur- und Informatikberufen zu gewinnen, müssen Beschäftigungspotenziale von Älteren, Frauen und Migranten gehoben werden. Die Szenariorechnungen zeigen, dass gegenüber dem Basisszenario im Jahr 2035 rund 127.150 und im Jahr 2040 rund 194.100 zusätzliche Beschäftigte in den Ingenieur- und Informatikberufen gewonnen werden können (Best Case). Hierdurch nimmt die Wertschöpfung im Jahr 2035 um 15,8 Milliarden Euro und im Jahr 2040 um 24,1 Milliarden Euro zu. Um diese positiven Effekte zu erzielen, müssen entsprechende Maßnahmen zur Aktivierung von Älteren, Frauen und Migranten umgesetzt werden.
Ingenieurmonitor 2025/IV: Der regionale Arbeitsmarkt in den Ingenieurberufen. Sonderteil: Ausblick bis 2040
Gutachten für den Verein Deutscher Ingenieure e.V.
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IW
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iwd