Der Bildungsmonitor 2018, den das Institut der deutschen Wirtschaft für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt, misst seit dem Jahr 2004 bereits zum fünfzehnten Mal, in welchen Handlungsfeldern der Bildungspolitik Fortschritte erzielt werden konnten. In dieser Studie wird explizit eine bildungsökonomische Sichtweise eingenommen. Die Ergebnisse der Studie sind vor diesem Hintergrund zu interpretieren und einzuordnen. Es steht folglich im Fokus, welchen Beitrag das Bildungssystem leistet, um den Wohlstand zu sichern, Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen und Teilhabe zu gewährleisten.

Um Teilhabe zu sichern, ist die Bildungsarmut in Deutschland zu reduzieren. Bildungsarmut wirkt sich stark negativ auf die Erwerbsperspektiven von erwachsenen Personen aus. Gelingt es, Bildungsarmut zu vermeiden, wird daher sowohl die Bildungsgerechtigkeit verbessert und die Einkommensverteilung gleichmäßiger (Anger/Orth, 2016) als auch durch die entsprechenden positiven Effekte auf das Fachkräfteangebot das Wachstum gestärkt. Bildungsarmut betrifft aber auch erwerbstätige Personen, da viele Personen mit Lücken in der Grundbildung am Arbeitsmarkt aktiv sind. Geis/Vahlhaus (2018) zeigen auf Basis einer eigenen Auswertung der PIAAC-Erhebung zur Untersuchung von Alltagsfertigkeiten Erwachsener aus den Jahren 2011 und 2012 (OECD, 2018), dass 15,3 Prozent der Erwerbstätigen bei der Lesekompetenz nur Stufe 1 oder darunter erreichen. „Das bedeutet, dass sie maximal kurze Texte zu vertrauten Themen lesen und einzelne spezifische Informationen lokalisieren können, die der Form nach identisch mit der in der Frage oder Anweisung enthaltenen Information sind“ (Geis/Vahlhaus, 2018). Bei 15,0 Prozent liegen die alltagsmathematischen Kenntnissen auf Kompetenzstufe 1 oder darunter. Betrachtet man nur beschäftigte Personen in an und ungelernten Helfertätigkeit (ISCO88, Hauptgruppe 9), haben mit 48,8 Prozent etwa die Hälfte in mindestens einem und mit 33,9 Prozent rund ein Drittel in beiden Bereichen gravierende Lücken.


Die zunehmende Digitalisierung in der Arbeitswelt erhöht die Anforderungen an die Erwerbstätigen insgesamt und auch an die Beschäftigten im Helferbereich. Nach Befragungen von Hammermann/Stettes (2016) werden vor allem Kommunikationskompetenzen wichtiger. Geis/Vahlhaus (2018) zeigen auf Basis einer Auswertung des Soziooekonomischen Panels, dass 15,9 Prozent der ausländischen Erwerbstätigen im Jahr 2015 nach Selbsteinschätzung substanzielle Sprachdefizite in den Bereichen Lesen, Schreiben oder Sprechen aufweisen. Unter den Erwerbstätigen in den Helferberufen beträgt die entsprechende Quote sogar 28,0 Prozent. Zusammengenommen zeigen die Auswertungen von PIAAC und SOEP, dass bei der Grundbildung von Erwerbstätigen und insbesondere bei den Sprachkompetenzen noch substanzieller Handlungsbedarf besteht. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung bietet daher die Alpha-Dekade 2016-2026 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung wichtige Impulse zur Sicherung der Teilhabe am Arbeitsmarkt und des Wachstums der Volkswirtschaft.


Die Digitalisierung erhöht nicht nur den Bedarf an Grundbildung und verstärkt die Bedeutung der Bekämpfung von Bildungsarmut. Die Digitalisierung bedeutet selbst eine Herausforderung für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Unternehmen im globalen Wettbewerb. Innovationen sind für die Stärkung des Wirtschaftswachstums und der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes maßgeblich. Als aussagefähige Messgröße für die Innovationskraft dienen Patente, da sie die oft notwendige – wenngleich nicht hinreichende – Bedingung für erfolgreiche technologiebasierte Innovationen darstellen (Koppel, 2011).

Für die Messung der Patentleistung im Bereich Digitalisierung werden in Anger et al. (2017) Patentanmeldungen am Europäischen Patentamt (EPO) aus dem Jahr 2015 herangezogen. Da Patentinformationen erst mit einer Frist von 18 Monaten offengelegt werden, bildet das Jahr 2015 den aktuellsten verfügbaren Datenstand eines vollen Jahres. Um die Patentleistung zwischen den einzelnen Ländern besser vergleichbar zu machen, werden die angemeldeten Digitalisierungspatente ins Verhältnis zu der jeweiligen Anzahl der Erwerbspersonen gesetzt.