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IW-Kurzbericht Nr. 48 23. Juli 2026 Wido Geis-Thöne / Samina Sultan Bedeutung von Hochschulpartnerschaften mit dem globalen Süden

Von internationalen Hochschulkooperationen profitiert Deutschland nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht.

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IW-Kurzbericht 48/2026
IW-Kurzbericht Nr. 48 23. Juli 2026 Wido Geis-Thöne / Samina Sultan

Bedeutung von Hochschulpartnerschaften mit dem globalen Süden

Wido Geis-Thöne / Samina Sultan Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Von internationalen Hochschulkooperationen profitiert Deutschland nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht.

Denn Hochschulpartnerschaften können auch zur Stärkung der Fachkräftezuwanderung, Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit, Stabilisierung der Institutionen in den Partnerländern sowie zum Ausbau des Handels einen wichtigen Beitrag leisten. 
 
Kooperationen zwischen Hochschulen im In- und Ausland können Forschung und Lehre in vielfältiger Weise stärken. Ein wesentlicher Punkt ist der Austausch von Ideen. Dieser geht über den fachlichen Diskurs zwischen Forschenden, Lehrenden und Studierenden in den verschiedenen Ländern weit hinaus. Relevant ist etwa auch der Zugang zu neuartigen technischen Einrichtungen an den Partnerhochschulen oder deren gemeinsamer Finanzierung und Einrichtung. Befinden sich die Partnerhochschulen, insbesondere mit Blick auf ihre technische Ausstattung, auf einem sehr unterschiedlichen Entwicklungsstand, stehen auch andere wichtige Effekte im Fokus, die positive Wirkungen entfalten können. Der Zugang zur internationalen Spitzenforschung wird verbreitert und Entwicklung vor Ort unterstützt. So sind für (Nachwuchs-)Wissenschaftler aus dem globalen Süden Kooperationen mit Forschern aus den entwickelten Ländern von zentraler Bedeutung dafür, in angesehenen Fachjournals publizieren zu können, wie eine Studie Mahdjoub et al. (2023) zeigt. Dies verbreitert die Forschungsbasis, denn auch im globalen Süden bestehen eine Reihe von Hochschulen, die insgesamt oder zumindest in einzelnen Fachbereichen einen hohen Entwicklungsstand erreicht haben.

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Deutschland kann von Partnerschaften mit Hochschulen aus dem globalen Süden profitieren, wobei folgende Wirkmechanismen entscheidend sind:

  • Stärkung der Fachkräftezuwanderung: Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist Deutschland in zunehmenden Maß auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen, um Wachstum und Wohlstand zu erhalten. Dabei spielt die Ausbildung internationaler Studierenden an den deutschen Hochschulen eine wesentliche Rolle (Geis-Thöne et al., 2025). Hochschulkooperationen können Wege dafür eröffnen, dass junge Menschen in den Heimatländern eine zu ihrem qualifikatorischen Hintergrund gut passende hochschulische Grundausbildung erhalten und diese in Deutschland um den Erwerb von Kenntnissen zum neuesten Stand der Technik erweitern, etwa auch in Form von Doppelabschlussprogrammen. Dies macht ihnen die Zuwanderung über die Hochschule nach Deutschland wesentlich einfacher. Zunächst stellt diese für die Arbeitsmärkte der Herkunftsländer einen Verlust dar. Längerfristig können sie jedoch sogar profitieren, da viele dieser hochqualifizierten Fachkräfte im Lauf ihres Lebens wieder zurückkommen und Qualifikationen mitbringen, die sie vor Ort kaum hätten erwerben können.
  • Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit: Viele Absolventinnen und Absolventen von Ausbildungsprogrammen im Kontext internationaler Hochschulkooperationen nehmen später wichtige Positionen in der Wirtschaft, der Regierung oder der Wissenschaft in ihrem Heimatland ein. Die während des Studiums entstandenen persönlichen Beziehungen zu Deutschland können die diplomatische oder wirtschaftliche Zusammenarbeit erleichtern. Gerade in der heutigen geopolitisch angespannten Weltlage sind solche tiefergehenden Verbindungen besonders wertvoll. Deutschland machen sie es einfacher, sich als verlässlicher Partner zu positionieren. Dies bietet auch das Potenzial sich von China abzusetzen, dass solche Beziehungen eher transaktional gestaltet. Einige der chinesischen Hochschulkooperationen mit dem globalen Süden betten sich etwa in die „Neue Seidenstraße“-Initiative des Landes ein. Ähnlich wie im Infrastrukturbau, dürften solche Verbindungen eher asymmetrisch zum Vorteil von China gestaltet sein und auch die Wissenschaftsfreiheit ist nicht garantiert.
  • Beitrag zur Stabilisierung von Institutionen in den Herkunftsländern:  Gut ausgebildete akademische Fachkräfte können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, in weniger entwickelten Ländern gut funktionierende Institutionen zu etablieren und zu erhalten. Für Deutschland ist dies in mehrerlei Hinsicht bedeutsam. Zunächst kann es helfen, Kriege und Krisen zu vermeiden, die wirtschaftliche Beziehungen erschweren und Fluchtbewegungen auslösen können. Auch ist ein stabiler institutioneller Rahmen notwendig, um längerfristige Verträge durchsetzen zu können, was wiederum unter anderem für deutsche (Direkt-)Investitionen in den Ländern wichtig ist. Die USA verabschieden sich – zumindest unter der derzeitigen Regierung – weitgehend aus dem entwicklungspolitischen Diskurs. So hat Präsident Trump Anfang 2025 die US-Entwicklungsbehörde USAID aufgelöst, die bei Hochschulpartnerschaften zwischen den USA und Afrika eine zentrale Rolle gespielt hat. Zusammen mit dem Rückzug der USA aus mehreren UN-Organisationen hat die „Soft Power“ des Landes dadurch deutlich an Strahlkraft eingebüßt. Diese Lücken können und sollten Deutschland und Europa zumindest teils füllen.
  • Ausbau von Handelsbeziehungen:  Viele Länder des globalen Südens weisen ein starkes Bevölkerungswachstum und eine größer werdende Mittelschicht auf. Damit sind sie für die exportorientierte Wirtschaft Deutschlands auch als Absatzmärkte von großem Interesse. Persönliche Beziehungen zwischen den Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik in Deutschland und den Herkunftsländern, können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, diese zu erschließen. Gleichzeitig können tiefere Handelsbeziehungen mit dem globalen Süden uns auch dabei helfen, unsere eigenen Abhängigkeiten zu reduzieren und zu diversifizieren. Gerade bei der Absicherung unseres Zugangs zu globalen Lieferketten, etwa bei kritischen Rohstoffen, kann das institutionelle Vertrauen und das wissenschaftliche Netzwerk, das über Hochschul- und Wissenschaftskooperationen entsteht, einen relevanten Mehrwert bieten. Über solch robusteren Lieferketten stärken wir letztlich auch unsere eigene Resilienz.

Derzeit existieren rund 4.500 Kooperationen zwischen deutschen Hochschulen und Hochschulen in Ländern mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von weniger als 10.000 US-Dollar, von denen 2.500 auf Länder mit einem Bruttoinlandsprodukt unter 5.000 US-Dollar entfallen (Internationale Hochschulkooperationen, 2026, Statistisches Bundesamt, 2026; eigene Berechnungen). Zu letzteren zählt mit einem Bruttoninlandsprodukt pro Kopf von rund 2.700 Dollar auch Indien, das inzwischen über eine Reihe forschungsstarker wissenschaftlicher Einrichtungen verfügt, sodass die Kooperationen auch bedeutende wissenschaftliche Impulse für die Partnereinrichtungen in Deutschland liefern können.

Der Bund fördert die internationalen Hochschulkooperationen mit Entwicklungsländern unter anderem über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Alexander von Humboldt-Stiftung und die Hochschulrektorenkonferenz. Der DAAD betreibt dabei  eine Reihe unterschiedlicher, vom Bundesministerium für Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderter Programme, die einen Beitrag zum Erreichen der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen leisten sollen. Rund 25 Prozent von ihnen wirken im Bereich Gesundheit und Wohlergehen, 21 Prozent im Bereich bezahlbare und saubere Energie, 19 Prozent im Bereich Geschlechtergerechtigkeit und 18 Prozent im Bereich Industrie Innovation und Infrastruktur (DAAD, 2026).

Auch wenn sich die zuvor dargestellten Wirkmechanismen nicht verlässlich quantifizieren lassen, ist davon auszugehen, dass die Förderung von Hochschulkooperationen in einer von globalen Unsicherheiten geprägten Zeit mittelbar einen spürbaren Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und damit auch zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte in Deutschland leisten kann. Daher dürfte es auch nicht nur aus entwicklungspolitischer Sicht problematisch sein, diese vom BMZ finanzierten Programme fast vollständig einzustellen, wie das die Bundesregierung vor dem Hintergrund des Spardrucks angedacht hat.
 

DOI: 10.67087/19.21416

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