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Organisationsgrad und Tarifbindung in Europa (II) Gewerkschaftsspiegel Nr. 2 31. Mai 2009 Gewerkschaftslandschaft im Post- und Kurierwesen

In dieser Serie wird eine Untersuchung von EIRO* über Organisationsgrade und Tarifbindung in Europa vorgestellt. Diesmal sind die Beschäftigten im Post- und Kurierwesen an der Reihe.

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Organisationsgrad und Tarifbindung in Europa (II) Gewerkschaftsspiegel Nr. 2 31. Mai 2009

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Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

In dieser Serie wird eine Untersuchung von EIRO* über Organisationsgrade und Tarifbindung in Europa vorgestellt. Diesmal sind die Beschäftigten im Post- und Kurierwesen an der Reihe.

Die Beschäftigten im Post- und Kuriersektor sind gegenüber anderen Branchen in Europa vergleichsweise stark gewerkschaftlich organisiert. Gleichwohl ist die Gewerkschaftslandschaft je nach Land sehr uneinheitlich.

In acht der untersuchten 25 untersuchten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union vertritt eine einzige Gewerkschaft die Interessen der Beschäftigten in Tarifverhandlungen oder anderen Angelegenheiten. Der Organisationsgrad ist in diesen Fällen naturgemäß besonders hoch. So liegt er in Polen, Slowenien, Tschechien und in den drei baltischen Staaten zwischen 40 und 53 Prozent der im Post- und Kurierwesen beschäftigten Arbeitnehmer. In Rumänien sind es 70 Prozent, in Österreich sogar um die 80 Prozent.

In acht weiteren Ländern, darunter auch in Deutschland, gibt es zwei bis vier Gewerkschaften mit zum Teil erheblichen Unterschieden bei den Mitgliederanteilen. In Irland, Spanien, Frankreich, Italien, Portugal und Schweden ist der Gewerkschaftspluralismus mit sechs und mehr Arbeitnehmervereinigungen besonders stark ausgeprägt. In diesen sechs Ländern scheinen die Unterschiede im Organisationsgrad deutlich größer auszufallen als in den Ländern, in denen sich nur wenige Gewerkschaften um ihre Klientel bemühen.

Allgemein lässt sich in den meisten europäischen Ländern feststellen, dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad besonders in den Unternehmen hoch ist, die vor der Liberalisierung des Marktes für Post- und Kurierdienstleistungen ein staatlich geschütztes Monopol innehatten. Dagegen ist er in den meist jüngeren Unternehmen, die erst im Zuge der Liberalisierung entstanden sind, relativ gering.

Dies hat erhebliche Auswirkungen auf das Tarif-system: Mit Ausnahme von Deutschland, Dänemark, Finnland, Schweden und Slowenien werden Tarifverhand-lungen vorwiegend auf Firmenebene geführt. Gleichwohl ist der Deckungsgrad von Tarifverträgen in allen Ländern im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen hoch. Dies ist jedoch darauf zurückzuführen, dass die ehemaligen Monopolisten weiterhin einen wesentlichen Teil der geschäftlichen Aktivitäten und der Beschäftigen auf sich vereinigen können.

Einzig in Polen werden die Arbeitsbedingungen im Post- und Kuriersektor allein auf Basis von individuellen Arbeitsverträgen bestimmt. Der Staat kann hier bei Tarifverhandlungen nicht als Verhandlungspartner im Namen seines eigenen Postunternehmens auftreten.

LInk: www.eurofound.europa.eu/eiro/studies/tn0712017s/tn0712017s.htm

Dr. Oliver Stettes

* EIRO = European Industrial Relations Observatory: Die Initiative untersucht Arbeitsbeziehungen in Europa.

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