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Dominik Enste / Mara Grunewald IW-Kurzbericht 21. Dezember 2017 Vertrauen in die Wirtschaft: Deutschland auf Platz 1

Im Alltag müssen Menschen anderen stets und ständig vertrauen. Sie glauben an die Einhaltung von Versprechen oder fahren bei grüner Ampel über die Kreuzung im Vertrauen darauf, dass die anderen bei Rot anhalten. Vertrauen ersetzt Kontrollen und vereinfacht so viele gesellschaftliche Interaktionen. Aber bringt Vertrauen auch im Wirtschaftsleben Vorteile und verhilft es zu größerem Erfolg? Oder ist der Vertrauenswürdige der Dumme?

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Deutschland auf Platz 1
Dominik Enste / Mara Grunewald IW-Kurzbericht 21. Dezember 2017

Vertrauen in die Wirtschaft: Deutschland auf Platz 1

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Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Im Alltag müssen Menschen anderen stets und ständig vertrauen. Sie glauben an die Einhaltung von Versprechen oder fahren bei grüner Ampel über die Kreuzung im Vertrauen darauf, dass die anderen bei Rot anhalten. Vertrauen ersetzt Kontrollen und vereinfacht so viele gesellschaftliche Interaktionen. Aber bringt Vertrauen auch im Wirtschaftsleben Vorteile und verhilft es zu größerem Erfolg? Oder ist der Vertrauenswürdige der Dumme?

Skandale wie die Enthüllung von Steuerhinterziehung im Rahmen der Paradiese Papers, Korruption oder systematischer Onlinebetrug erschüttern regelmäßig unser Vertrauen. Dabei ist Vertrauen eine wichtige Basis – nicht nur für soziale Beziehungen, sondern auch für den Erfolg von Unternehmen und Volkswirtschaften und nicht zuletzt von Parteien und möglichen Koalitionspartnern, wie die aktuelle politische Lage in Deutschland zeigt.

Grundlage für die Analysen ist hier der Vertrauensindex des IW Köln 2017, der das Vertrauen in das politische System, das Wirtschaftssystem und das Gesellschaftssystem in 20 europäischen Ländern misst (Enste/Grunewald, 2017). Insgesamt liegt Deutschland im neuesten Ranking auf dem fünften Platz und hat sich hier um zwei Plätze (im Vergleich zum Jahr 2014) verbessert. In südeuropäischen und einigen osteuropäischen Ländern herrscht hingegen ein geringeres Vertrauen. Vergleicht man wirtschaftlichen Erfolg anhand des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit dem Vertrauensniveau, weisen  Länder mit höherem Vertrauen auch ein höheres BIP pro Kopf auf (Abbildung) (vgl. auch Zak/Knack, 2001). Die Gründe für den positiven Zusammenhang von Vertrauen und wirtschaftlichem Erfolg können auf allen Ebenen der gesellschaftlichen Interaktion gefunden werden: in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Arbeitsalltag und auf institutioneller Ebene.

Effizientere Tauschgeschäfte

Jeden Tag führen Menschen zahlreiche Transaktionen durch. Das heißt, sie tauschen mit anderen Personen Leistungen und Gegenleistungen aus. Beide Parteien müssen sich darauf verlassen, dass das Gegenüber sich an den vereinbarten Tausch hält und sie die vereinbarte Qualität erhalten. Um das sicherzustellen, kann man detaillierte Verträge aufsetzen und Kontroll- oder Strafmechanismen einführen. Diese sind allerdings mit Kosten verbunden. Muss der Partner überwacht werden, die Produkte geprüft oder der Vertrag durchgesehen werden, kostet das Zeit und Geld – sogenannte Transaktionskosten. Vertrauen sich die Parteien gegenseitig, können einige dieser Kosten eingespart werden – die Transaktion wird also effizienter.

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Damit dieser Effizienzgewinn realisiert werden kann, müssen sich die Transaktionspartner selbst vertrauenswürdig verhalten. Nutzen die Akteure das ihnen entgegengebrachte Vertrauen nicht aus, bauen sie sich eine gute Reputation auf. Sowohl vergangene als auch zukünftige Interaktionspartner können diese als Informationsquelle nutzen. Nutzt eine Person das Vertrauen ihres Gegenübers aus, zerstört sie ihre Reputation nachhaltig. Ist der Ruf erst ruiniert, wird es aufwändig und kostenintensiv, sich zu rehabilitieren und wieder Vertrauenswürdigkeit aufzubauen.

Produktivere Arbeitsbeziehungen

Volkstümlich heißt es: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Das gilt aber nicht auf Unternehmensebene, wenn es um Leistungsbereitschaft und Produktivität der Mitarbeiter geht. Verhaltensökonomische Experimente zeigen, dass Mitarbeiter deutlich motivierter sind, wenn ihnen die Führungskräfte Vertrauen entgegenbringen (Falk/Kosfeld, 2007). Kontrollieren die Vorgesetzten ihre Mitarbeiter ausgiebig, kann das als Zeichen von Misstrauen wahrgenommen werden. Letztendlich sinkt dann auch die intrinsische Motivation der Mitarbeiter, sich für den Chef und das Unternehmen einzusetzen. Die übermäßige Kontrolle des Arbeitseinsatzes hat also neben den Kosten, die ohnehin dafür anfallen, zusätzliche versteckte Kosten. Bei vertrauensvollem Verhalten der Führungskräfte hingegen, verhalten sich in den meisten Fällen auch die Mitarbeiter vertrauensvoll und kooperativ. Ein kollektives Vertrauensgefühl im Unternehmen erhöht das Verantwortungsgefühl des Einzelnen und hat so einen positiven Effekt auf den Unternehmenserfolg. Dazu ist wechselseitiges Vertrauen – auch der Mitarbeiter in das Unternehmen und die Führungskräfte – notwendig. Studien zeigen: Vorbildliches und unterstützendes Verhalten von Vorgesetzten sowie Gerechtigkeit im Unternehmen erhöhen das Vertrauen der Mitarbeiter. Die Vorgesetzten selber können also durch ihr eigenes Verhalten auch das Vertrauen und das kooperative Verhalten der Mitarbeiter steigern (Grund/Harbring, 2013).

Stabile Institutionen und Systeme

Vertrauen kann man nicht nur anderen Menschen, Führungskräften und Unternehmen entgegenbringen, sondern auch Institutionen und Systemen. Man kann zum Beispiel dem demokratischen und politischem Prozess, dem Steuersystem oder auch dem Aktienmarkt vertrauen oder misstrauen. Das Verhalten der jeweiligen Akteure kann dadurch entsprechend beeinflusst werden. Ein hohes Vertrauen in Institutionen erhöht die Investitionsbereitschaft.

In Deutschland ist vor allem das Vertrauen in das Wirtschaftssystem hoch. In dieser Kategorie des IW-Vertrauensindex 2017 belegt Deutschland im aktuellen Ranking den ersten Platz. Nirgendwo vertrauen die Menschen stärker in die wirtschaftlichen Prozesse (Enste/Grunewald, 2017). Der positive Zusammenhang zwischen Vertrauen und Investitionen gilt auch in Bezug auf andere Institutionen wie das juristische System oder die Polizei. Vertraut beispielsweise ein Unternehmer in die Durchsetzung seiner Eigentumsrechte, hat er größere Anreize, in Maschinen und Eigentum zu investieren und damit zu arbeiten. In beiden Beispielen führt das Vertrauen zu Wirtschaftswachstum. Im Falle des Aktienmarktes steht den Unternehmen, die die Aktien herausgeben, mehr Kapital zur Verfügung, mit dem wiederum gewirtschaftet und investiert werden kann.

Vertrauensvolles Verhalten schafft Vertrauen

Auf allen drei Ebenen wird das Wirtschaften also effizienter durch Vertrauen. Statt auf Kontrollen und Sanktionen sollten Einzelpersonen, Unternehmen und Politik daher, wenn es geht, auf Vertrauen setzen. In einer zunehmend anonymen Gesellschaft kann dies allerdings schwierig sein. Dann können Reputationsmechanismen, wie die Möglichkeit von Bewertungen, helfen, Vertrauen aufzubauen. In den abgegebenen Bewertungen können sich Käufer und Verkäufer über die Vertrauenswürdigkeit des Gegenübers informieren. Damit dies funktioniert, liegt es an den einzelnen Nutzern, wahrheitsgemäße Bewertungen über den Transaktionspartner abzugeben, die anderen als Information dienen können. Auch für die Wahl eines geeigneten Arbeitgebers sind Informationen auf Bewertungsportalen hilfreich für Bewerber. Das Arbeitsklima in Unternehmen wird dadurch nach außen transparenter. Ein vertrauensvolles Arbeitsklima im Unternehmen können Führungskräfte durch eigenes faires Verhalten aufbauen. Dabei geht es nicht darum, blind zu vertrauen, sondern die eigene Vertrauenswürdigkeit zu erhöhen, um langfristig Kontrollkosten einzusparen.

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