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Dominik Enste IW-Kurzbericht Nr. 54 13. August 2019 Korruption, Kartelle und Schwarzarbeit: 18 Prozent Umsatzverluste

Korruption, Kartelle und Schwarzarbeit bewirken Umsatzeinbußen zwischen 4,6 und 7,1 Prozent jährlich, wie eine aktuelle Unternehmensbefragung offenbart. Die befürchteten Verluste summieren sich auf 18 Prozent.

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18 Prozent Umsatzverluste
Dominik Enste IW-Kurzbericht Nr. 54 13. August 2019

Korruption, Kartelle und Schwarzarbeit: 18 Prozent Umsatzverluste

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Korruption, Kartelle und Schwarzarbeit bewirken Umsatzeinbußen zwischen 4,6 und 7,1 Prozent jährlich, wie eine aktuelle Unternehmensbefragung offenbart. Die befürchteten Verluste summieren sich auf 18 Prozent.

Immer wieder sorgen Bestechungsvorwürfe, illegale Beschäftigung und Preisabsprachen für Empörung. Denn Schwarzarbeit, Bestechung und Preisabsprachen schädigen langfristig das Grundvertrauen der Bürger in die Unabhängigkeit, Unbestechlichkeit und Handlungsfähigkeit des Staates bzw. die Integrität der Wirtschaft. Neben diesen gesellschaftlichen Auswirkungen sorgen diese Wirtschaftsdelikte aber auch für unmittelbare monetäre Verluste, die im Mittelpunkt dieser Studie stehen.

Korruption, Kartelle, Schwarzarbeit

Die kriminologische Forschung definiert Korruption als Missbrauch eines öffentlichen Amtes, einer Funktion in der Wirtschaft oder eines politischen Mandats zugunsten eines Anderen; auf dessen Veranlassung oder in Eigeninitiative. Dabei soll ein Vorteil für sich oder einen Dritten zulasten der Allgemeinheit (bei einem Täter in amtlicher oder politischer Funktion) oder für ein Unternehmen (bei einem Täter als Funktionsträger in der Wirtschaft) erzielt werden (BKA, 2018, 2). Den Schaden der aufgedeckten Fälle beziffert das Bundeskriminalamt für das Jahr 2017 auf rund 290 Millionen Euro, wobei nur bei rund einem Drittel der Fälle ein monetärer Schaden ermittelt werden konnte. Das Dunkelfeld ist basierend auf unserer Unternehmensbefragung sehr viel größer, auch wenn sich die Korruptionsbekämpfung in den letzten Jahren verbessert hat. Auch Kartell-Absprachen zwischen Unternehmen, durch die der Wettbewerb eingeschränkt, verhindert oder verfälscht wird, sind in Deutschland grundsätzlich verboten. Beispiele hierfür sind Absprachen über Preise, Mengen, Gebiete oder Kundengruppen (Kartellabsprachen). Das Bundeskartellamt hat 2017 in sieben Verfahren rund 66,4 Millionen Euro Bußgelder gegen insgesamt 18 Unternehmen und 11 Privatpersonen verhängt. In den letzten 10 Jahren lagen die Bußgelder deutlich höher – durchschnittlich bei 225 Millionen pro Jahr (Bundeskartellamt, 2018, 20). Auch hier fürchten die befragten Unternehmen, das durch nicht aufgedeckte Absprachen drastische Umsatzeinbußen entstehen.

Nach dem deutschen Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz liegt Schwarzarbeit u.a. dann vor, wenn Arbeitgeber Arbeitnehmer unter Missachtung steuerlicher und/oder sozialversicherungsrechtlicher Pflichten beschäftigen (illegale Beschäftigung). Dazu zählt auch, wenn ein Gewerbe ohne Gewerbeanmeldung oder ein Handwerk ohne Eintrag in die Handwerksrolle ausgeübt wird. Der Zoll, als zuständige Behörde, berichtet für das Jahr 2018 von einer Schadenssumme in Höhe von 835 Millionen durch Schwarzarbeit (Zoll, 2019). Schwarzarbeit und Korruption sind dabei in Deutschland seltener als in vielen anderen Ländern (vgl. Enste 2018; Enste/Heldman, 2018). Bei der Schattenwirtschaft liegt Deutschland von 2003 – 2018 mit einem durchschnittlichen Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt von rund 14 Prozent auf Platz 12 der Industriestaaten. Beim Korruptionswahrnehmungsindex belegt Deutschland im weltweiten Vergleich Platz 11 (Transparency International, 2019). Dennoch verursachen nach Schätzungen der repräsentativ befragten Unternehmen (n=853) diese wirtschaftskriminellen Aktivitäten Umsatzeinbußen je nach Branche und Unternehmen von jeweils bis zu 30 Prozent (Grafik).

 

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Schwarzarbeit
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Einschätzung der Bedrohung

Die Umsatzeinbußen verteilen sich sehr unterschiedlich auf die Unternehmen und Delikte (Grafik). Die Hälfte leidet gar nicht unter Schwarzarbeit der Konkurrenten. Vor allem Unternehmen der Baubranche klagen über die illegale Konkurrenz (Enste, 2019). Keine Probleme mit Preisabsprachen oder Bestechung der Konkurrenten haben nach eigenen Angaben rund ein Drittel. Umsatzverluste im Umfang von ein bis zehn Prozent durch Korruption befürchtet knapp die Hälfte der Unternehmen; durch verbotene Kartellbildung knapp 40 Prozent. Weitere jeweils 15 Prozent der Betriebe beziffern ihre Umsatzverluste durch unerlaubte Geschenke oder Absprachen sogar auf bis zu 30 Prozent. Dabei leiden Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern deutlich mehr unter der illegalen Kartellbildung und Korruption als kleinere. Drei von vier Großunternehmen gehen von Erlöseinbußen zwischen 1 und 30 Prozent durch Bestechung und/ oder Preis- und Mengenabsprachen aus. Wie auch andere Studien immer wieder gezeigt haben (Enste, 2019), ist die Baubranche am meisten von Schwarzarbeit (Durchschnitt: 9,1 Prozent Umsatzverlust), aber auch Korruption (8,7 Prozent) und Kartellabsprachen (7,7 Prozent) betroffen. Die Industrie ist überdurchschnittlich stark nur von Bestechung betroffen. Exporte, internationale Vernetzung, Nettoumsatzrendite oder Forschungsorientierung der Unternehmen leisten keinen systematischen, zusätzlichen Erklärungsbeitrag für die Betroffenheit der Unternehmen von diesen Wirtschaftsdelikten. Allerdings beziffern Unternehmen mit einer negativen Nettoumsatzrendite ihre Umsatzeinbußen um 10 bis 25 Prozent höher als alle Unternehmen.

Auswirkungen auf den Umsatz

Alle 3,3 Millionen Unternehmen in Deutschland erzielten im Jahr 2017 einen Umsatz von 6,65 Billionen Euro (Statistisches Bundesamt, 2018). In der Unternehmensbefragung sind nicht alle Branchen enthalten; u.a. fehlt der Einzelhandel und Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Die erfassten Branchen erwirtschafteten 2017 einen Umsatz von 5,4 Billionen Euro. Der Umsatzverlust durch Korruption in diesen Branchen beträgt 6,2 Prozent . Dies entspricht Umsatzeinbußen von rund 335 Milliarden Euro jährlich. Geht man davon aus, dass die nicht erfassten Branchen in ähnlicher Weise von diesen Formen der Wirtschaftskriminalität betroffen sind, ergibt sich eine Summe von rund 412 Milliarden Euro. Der Umsatzverlust durch Schwarzarbeit liegt schätzungsweise bei rund 4,7 Prozent (254 Mrd. Euro) im Jahr 2017 für die untersuchten Branchen und bei 313 Mrd. Euro für alle Branchen. Am gravierendsten werden die Schäden durch Kartelle eingeschätzt. Es werden Umsatzeinbußen in Höhe von durchschnittlich 7,1 Prozent befürchtet und damit insgesamt von 383 Mrd. Euro jährlich für die befragten Branchen und bei 472 Mrd. Euro für alle Branchen. Zusammengenommen werden basierend auf diesen unternehmenseigenen Schätzungen durch die Delikte durchschnittlich 18 Prozent weniger Umsätze legal erzielt. Diese Einbußen sind nicht gleichbedeutend mit Verlusten für die gesamte deutsche Wirtschaft, da die Erlöse teilweise dennoch erzielt werden – nur eben mit verbotenen Mitteln oder unter Umgehung von z.B. steuerrechtlichen Vorgaben. Diese Zahlen verdeutlichen aber, dass Korruption und Co. selbst in gut entwickelten, erfolgreichen Volkswirtschaften eine Gefahr sind. Die Schäden in Ländern mit deutlich mehr derartiger Delikte sind entsprechend höher.

Einordnung der Ergebnisse

Bisherige Schätzungen und Analyse zur Korruption basieren u.a. auf den Befragungen von Experten oder der Bevölkerung (Enste/Heldmann, 2018; Transparency International, 2019). Auch dort wird ersichtlich, dass Korruption eine Gefahr für wirtschaftliche Prosperität und gesellschaftlichen Zusammenhalt sind. Für Deutschland berichten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften grundsätzlich, u.a. aufgrund der verschärften Compliance Regelungen, von einem positiven Trend zur Verringerung der Korruptionsbetroffenheit. Jedes fünfte Unternehmen hat demnach 2015 noch Geschäfte aufgrund von Korruption verloren. 2017 war dies nur noch jedes 10. Aber hier wurden nur Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeiter befragt (pwc/Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Hrsg.) 2018). Diese Studie kommt ansonsten zu ähnlichen Größenordnungen hinsichtlich der Bedeutung von Kartellen. Die dort befragten Unternehmen (n=500) gehen von rund 8 Prozent Umsatzanteilen aus, die auf wettbewerbswidrigen Absprachen basieren. Die Plausibilitätsprüfung der Schwarzarbeitszahlen erfolgte in Enste (2019).

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Dominik Enste IW-Kurzbericht Nr. 54 13. August 2019

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