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Dirk Werner / Paula Risius / Anika Jansen IW-Policy Paper Nr. 21 23. September 2021 Neue Wege oder Irrwege für den Ausbildungsmarkt?

Die duale Berufsausbildung erfüllt in Deutschland eine zentrale Funktion: Sie sorgt für Fachkräftenachwuchs in Unternehmen und schafft Perspektiven für junge Menschen. Der Politik kommt die Aufgabe zu, passende Rahmenbedingungen und Anreize für alle Beteiligten zu setzen.

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Dirk Werner / Paula Risius / Anika Jansen IW-Policy Paper Nr. 21 23. September 2021

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Die duale Berufsausbildung erfüllt in Deutschland eine zentrale Funktion: Sie sorgt für Fachkräftenachwuchs in Unternehmen und schafft Perspektiven für junge Menschen. Der Politik kommt die Aufgabe zu, passende Rahmenbedingungen und Anreize für alle Beteiligten zu setzen.

Im diesjährigen Wahlkampf stehen zwar zahlreiche andere Themen im Vordergrund, dennoch adressieren alle Parteien auch die berufliche Bildung. Die vorliegende Analyse bewertet die Vorschläge zur Erhöhung von Angebot und Nachfrage auf Basis empirischer Daten und vorliegender Forschungsergebnisse ökonomisch.

Der Ausbildungsmarkt hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewandelt. Stand lange die Versorgung Jugendlicher mit genügend Ausbildungsplätzen im Vordergrund, fehlen nun bedingt durch den demografischen Wandel und die gute wirtschaftliche Entwicklung der letzten zehn Jahre Bewerber, um die angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen. Die Maßnahmen zur Erhöhung des Ausbildungsplatzangebots, die sich in den Parteiprogrammen finden, zögen große Veränderungen nach sich. Die Vorschläge einiger Parteien – Umlagefinanzierung und Ausbildungsgarantie – könnten Ausbildungsplätze in Berufen begünstigen, in denen später nicht genügend unternehmensseitiger Fachkräftebedarf gegenübersteht. Es besteht die Gefahr, dass in der Folge die Jugendarbeitslosigkeit steigt. Zur Erhöhung des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots fehlen in den Programmen Vorschläge zur Unterstützung und Beratung für Unternehmen. Auch beim Zusammenbringen von Angebot und Nachfrage fehlen innovative Konzepte, obgleich derlei Angebote insbesondere Nichtausbildungsbetriebe dabei unterstützen könnten, (wieder) auszubilden.

Aus IW-Sicht drängt die Erhöhung der bewerberseitigen Nachfrage besonders. Hierzu schlagen die Parteien zahlreiche kleinere Maßnahmen vor. Dabei erscheinen einige dieser Fördermaßnahmen sinnvoll und könnten zugleich einen Anstieg des Ausbildungsplatzangebots nach sich ziehen. Insbesondere die Behandlung regionaler Passungsprobleme sprechen jedoch nur wenige Parteien an, und auch im Bereich der Berufsorientierung sind nicht alle vorgeschlagenen Maßnahmen zielführend. Insgesamt ist fraglich, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen die Situation am Ausbildungsmarkt ausreichend verändern und nachhaltig verbessern können. Denn viele Vorschläge der Parteien sind entweder nicht konkret genug gefasst, um eine Bewertung vornehmen zu können, nicht geeignet, um die Lage am Ausbildungsmarkt zu verbessern oder könnten sogar kontraproduktiv wirken. Bereits jetzt existiert eine Vielzahl an Programmen zur Förderung von Jugendlichen beim Übergang in eine Ausbildung und zur Unterstützung von Betrieben bei der Rekrutierung von Auszubildenden.

Die Herausforderungen am Ausbildungsmarkt und die daraus resultierenden Handlungsfelder sind bekannt, der Handlungsdruck durch Corona-Pandemie und digitalen Wandel nochmals gestiegen. Erfolgversprechende Lösungsansätze benötigen daher zum einen mehr politisches und ökonomisches Gewicht mit langem Atem und zum anderen konkrete und innovative Konzepte mit praktischem Mehrwert für Jugendliche und Unternehmen. Die fast durchgängig zu vage formulierten Vorschläge der Parteien sind angesichts der großen Herausforderungen nicht ausreichend.

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