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IW-Trends Nr. 4 20. Dezember 2017 Christoph Metzler / Dirk Werner Die Erwerbssituation von Menschen mit Behinderung

Der berufliche Alltag von Menschen mit Behinderung hängt stark mit dem Grad der Behinderung zusammen. Ein steigender Grad der Behinderung senkt unter sonst gleichen Bedingungen die Wahrscheinlichkeit, erwerbstätig zu sein. Die oft vorgenommene Trennung zwischen Menschen mit und ohne Schwerbehinderung greift daher zu kurz.

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Die Erwerbssituation von Menschen mit Behinderung
IW-Trends Nr. 4 20. Dezember 2017 Christoph Metzler / Dirk Werner

Die Erwerbssituation von Menschen mit Behinderung

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Christoph Metzler / Dirk Werner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Der berufliche Alltag von Menschen mit Behinderung hängt stark mit dem Grad der Behinderung zusammen. Ein steigender Grad der Behinderung senkt unter sonst gleichen Bedingungen die Wahrscheinlichkeit, erwerbstätig zu sein. Die oft vorgenommene Trennung zwischen Menschen mit und ohne Schwerbehinderung greift daher zu kurz.

Zugleich zeigen die Befunde den engen Spielraum sowohl der Arbeitsmarkt- als auch der betrieblichen Personalpolitik auf. Der hohe Anteil von Menschen mit mittlerem und insbesondere mit hohem Behinderungsgrad, der nicht erwerbstätig ist und auch keine Arbeitsaufnahme wünscht, kann nicht allein durch vermehrte Arbeitsplatzangebote gesenkt werden. Verschiedene Erklärungsansätze sind denkbar: So könnten Menschen mit hohen Behinderungsgraden verstärkt Angebote des Sozialsystems nutzen, um den Arbeitsmarkt zu verlassen. Auch kann es vorkommen, dass die Folgen der Behinderung, etwa eine ausgeprägte Fatigue bei chronischen Krankheiten oder eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten bei einer schweren Intelligenzminderung, dem Einzelnen eine Erwerbstätigkeit – besonders auf dem ersten Arbeitsmarkt – unmöglich machen. Dies sollte bei der Bewertung des Engagements von Unternehmen bei der Integration von Menschen mit Behinderung bedacht werden. Insgesamt besteht weiterer Forschungsbedarf, welche Gründe aus Sicht der Individuen einem Erwerbswunsch entgegenstehen.

Hieraus ließen sich Potenziale zur Steigerung der Erwerbstätigkeit und zur Verbesserung der Inklusion ableiten. Für die Beschäftigung in Unternehmen könnten zumindest potenziell jene Nichterwerbspersonen mit Behinderung gewonnen werden, die grundsätzlich eine Arbeit aufnehmen wollen, aber gegenwärtig nicht aktiv suchen. Dies sind immerhin 8,5 Prozent aller Menschen mit einem hohen Behinderungsgrad und 9,1 Prozent aller Menschen mit einem mittleren Behinderungsgrad. Hinzu kommen die Erwerbslosen, die aktiv nach einer Beschäftigung suchen. Deren Anteil ist unter den Menschen mit einer Schwerbehinderung allerdings geringer als unter den Menschen ohne Behinderung. Angesichts der wachsenden Fachkräfteengpässe, vor allem bei beruflich Qualifizierten, besteht in zunehmendem Maß Bedarf am Arbeitsmarkt. Dies setzt allerdings eine entsprechende fundierte Berufsausbildung voraus, die in Werkstätten für Menschen mit Behinderung häufig nicht erreicht werden kann, weil die Teilnehmer zu große Beeinträchtigungen aufweisen.

Wer als Mensch mit einer Schwerbehinderung einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden hat, verdient im Durchschnitt ähnlich viel wie ein Erwerbstätiger ohne Schwerbehinderung. Kompetenz und Qualifikation und die daraus resultierende Produktivität sind die entscheidenden Einflussfaktoren auf die individuelle Lohnhöhe. Über zwei Drittel der Erwerbstätigen mit Schwerbehinderung sind in Fachtätigkeiten beschäftigt, weitere 17 Prozent in Führungspositionen oder hochwertigen Fachtätigkeiten. Für solche gut qualifizierten Fachkräfte könnten Unternehmen durch Bereitstellung einer barrierefreien Arbeitsumgebung und mit Angeboten zur Gesundheitsförderung attraktiv sein. Diese Angebote bieten in Zeiten einer alternden Gesellschaft zudem die Möglichkeit zur Mitarbeiterbindung von Menschen mit geringen gesundheitlichen Einschränkungen. Bestehende Informationsangebote, wie REHADAT oder das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung sowie Initiativen wie das Unternehmensnetzwerk Inklusion, können Unternehmen bei der Rekrutierung neuer und der Bindung bestehender Fachkräfte mit Behinderung durch Informationen und Erfahrungsaustausch unterstützen.

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