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Christian Rusche IW-Kurzbericht Nr. 9 28. Januar 2018 Chinesische Investoren in Deutschland in 2017 sehr aktiv

Trotz strengerer Regeln der chinesischen Regierung bei Auslandsinvestitionen und einer Verschärfung der Außenwirtschaftsverordnung in der Bundesrepublik waren die Aktivitäten chinesischer Investoren in Deutschland auch 2017 weiter auf einem hohen Niveau.

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Chinesische Investoren in Deutschland in 2017 sehr aktiv
Christian Rusche IW-Kurzbericht Nr. 9 28. Januar 2018

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Trotz strengerer Regeln der chinesischen Regierung bei Auslandsinvestitionen und einer Verschärfung der Außenwirtschaftsverordnung in der Bundesrepublik waren die Aktivitäten chinesischer Investoren in Deutschland auch 2017 weiter auf einem hohen Niveau.

Ende 2016 verschärfte die chinesische Regierung die Regeln für die Freigabe von Investitionen chinesischer Unternehmen im Ausland. Zum einen wollten die Behörden in China so vermeiden, dass Direktinvestitionen zur Umgehung von Kapitalkontrollen genutzt werden (EIU, 2017,5 ff.). Zum anderen sollten Investitionen in Einklang mit den strategischen Zielen der Regierung gebracht und unproduktive Investments vermieden werden.

Insbesondere gibt China derzeit diejenigen Investitionen frei und unterstützt sie zum Teil massiv, die helfen, die „neue Seidenstraße“ (Belt and Road Initiative) und „Made in China 2025“ zu verwirklichen (EIU, 2017, 6). Die neue Seidenstraße dient mit bis zu 900 Milliarden Euro für Infrastrukturprojekte dazu, den chinesischen Unternehmen neue Märkte zu erschließen, den Handel anzukurbeln und die Position der Volksrepublik in der Welt zu stärken (Zand, 2017). Made in China 2025 zielt auf die Modernisierung der chinesischen Industrie ab. Auch mittels Übernahmen und Beteiligungen soll ausländische durch chinesische Technologie ersetzt und die Industrie der Volksrepublik im globalen Wettbewerb unterstützt werden (Conrad et al., 2016).

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Einen Hinweis, dass solche strategischen Überlegungen auch für chinesische Investitionen in Deutschland eine Rolle spielen, liefert die hohe Korrelation von Aktivitäten chinesischer Investoren mit den Patentanmeldungs- sowie Forschungs- und Entwicklungsintensitäten in den Bundesländern (Rusche, 2017). So konnte für die Übernahmen seit 2010 gezeigt werden, dass gerade dort viele Übernahmen und Beteiligungen stattfanden, wo viele Patentanmeldungen sowie Investitionen in Forschung und Entwicklung getätigt wurden.

Auch vor diesem Hintergrund ist die Anpassung der deutschen Außenwirtschaftsverordnung im Juli 2017 zu sehen, mit der dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bessere Eingriffsmöglichkeiten beim Erwerb inländischer Unternehmen eröffnet werden (BMWi, 2017).

Trotz der verschärften Rahmenbedingungen für Unternehmenszusammenschlüsse in China und Deutschland ist 2017 kaum ein Rückgang an chinesischen Beteiligungen und Übernahmen in Deutschland feststellbar, wie eine Recherche des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt (siehe Abbildung). Während für das Jahr 2016 insgesamt 44 Transaktionen ermittelt werden konnten, wurden im vergangenen Jahr 39 angekündigt. In diesen Beteiligungen und Übernahmen sind diejenigen erfasst, die als Direktinvestition gelten, weil diese eher langfristige und strategische Beteiligungen und Übernahmen beinhalten. Einzige Ausnahmen in diesem Zusammenhang sind 2017 die Unternehmen Deutsche Bank AG und Dialog Semiconductor PLC, die einbezogen wurden, weil es sich um DAX- beziehungsweise TechDAX-Unternehmen handelt und die chinesischen Beteiligungen nur knapp den Schwellenwert von 10 Prozent der stimmberechtigten Anteile unterschreiten (9,9 Prozent beziehungsweise mindestens 8,1 Prozent).

Bereits 2016 war in Bezug auf chinesische Investitionen in deutsche Unternehmen ein absolutes Ausnahmejahr. Zuvor wurden seit 2011 nur ungefähr 25 Transaktionen pro Jahr getätigt. Der geringe Rückgang im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr verdeutlicht jedoch, dass 2016 möglicherweise kein Ausreißer ist und chinesische Aktivitäten in Deutschland generell zugenommen haben.

Zudem lag die Summe der veröffentlichten Transaktionswerte 2017 sogar noch über denen des Jahres 2016. Die 25 Transaktionen im Jahr 2016 mit veröffentlichten Summen standen für ein Volumen von rund 11 Milliarden Euro. Für 2017 ist für 15 Übernahmen und Beteiligungen der Wert bekannt, welcher sich auf rund 12,1 Milliarden Euro summiert. Dabei werden diese Gesamtwerte durch hohe einzelne Transaktionen getrieben: 4,6 Milliarden Euro entfielen 2016 auf die Übernahme des Robotik-Spezialisten Kuka. Im Jahr 2017 hatte die Übernahme des Ablesedienstes ista einen Gesamtwert von rund 5,8 Milliarden Euro (Gaetzner, 2017). Rund 3,9 Milliarden Euro entfielen dabei auf die Anteile an dem Unternehmen, während der Rest des Betrages auf übernommene Verbindlichkeiten zurückzuführen ist.

Meist wird bei weniger als 50 Prozent der Transaktionen chinesischer Investoren in Deutschland die Summe tatsächlich publik. Aussagen zu den Transaktionsvolumina zeigen daher nicht das gesamte Bild. Für Direktinvestitionen gilt zudem, wie zuvor erläutert, ein Schwellenwert von zehn Prozent der Stimmrechte eines Unternehmens, so dass auch die Gesamtzahl an Übernahmen und Beteiligungen nur einen Ausschnitt der gesamten chinesischen Investitionstätigkeit in Deutschland zeigt.

Im Vergleich zu anderen ausländischen Beteiligungen und Übernahmen in Deutschland sind die chinesischen Aktivitäten eher gering. So wird der chinesische Anteil für das Jahr 2017 auf nur rund 6,6 Prozent geschätzt (eigene Berechnung auf Basis von PwC, 2017). Der größte Anteil an Investoren kam aus den USA (22,3 Prozent), der Schweiz (11,3 Prozent) und Großbritannien (10,2 Prozent).

Durch die stärkere Fokussierung der Aktivitäten staatlicher und nicht staatlicher chinesischer Investoren treten die strategischen Interessen der Volksrepublik mit den damit verbundenen Gefahren, wie die Durchsetzung geopolitischer Ziele und einem Transfer von Know-how zu Höchstpreisen, weiter in den Vordergrund. So entfielen beispielsweise von den 39 Transaktionen im Jahr 2017 25 auf die Bereiche Informations- und Kommunikationstechnik sowie das Verarbeitende Gewerbe (Maschinenbau, Automobil und Zulieferer). Auf diese Entwicklung haben bisher vor allem die Behörden in den USA reagiert. Die Tätigkeit deutscher Unternehmen in den Vereinigten Staaten ermöglicht ihnen ein Eingreifen: So stoppten sie 2016 aufgrund von Sicherheitsbedenken die Aixtron-Übernahme und die Biotest-Übernahme 2017 wird zurzeit noch geprüft. Doch auch das BMWi nutzt bereits die Möglichkeiten der verschärften Außenwirtschaftsverordnung. Aktuell prüft es beispielsweise die Übernahme von Cotesa aus Sachsen durch chinesische Investoren. Das Unternehmen liefert unter anderem Teile für US-Militärhubschrauber (Mitteldeutscher Rundfunk, 2017).

Allgemein gilt es in Bezug auf chinesische Investitionsaktivitäten weiterhin, einseitige protektionistische Maßnahmen zu vermeiden und eine weitere Liberalisierung Chinas anzustreben. Dennoch sollten die grundlegenden strategischen Interessen und Ziele der Volksrepublik im Blick behalten und gegebenenfalls darauf reagiert werden.

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