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Christian Rusche IW-Kurzbericht Nr. 92 3. November 2022 Chinesische Beteiligungen und Übernahmen 2021 in Deutschland

Die geplante Beteiligung am neuen Terminal des Hamburger Hafens sowie Übernahme eines Halbleiterwerks in Dortmund durch chinesische Investoren hat das Thema des chinesischen Einflusses auf deutsche Unternehmen erneut auf die Agenda der Politik gesetzt. Eine Analyse der Trends des vergangenen Jahres zeigt jedoch keine dynamische Entwicklung. In absehbarer Zeit kann sich dies jedoch ändern.

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Chinesische Beteiligungen und Übernahmen 2021 in Deutschland
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Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die geplante Beteiligung am neuen Terminal des Hamburger Hafens sowie Übernahme eines Halbleiterwerks in Dortmund durch chinesische Investoren hat das Thema des chinesischen Einflusses auf deutsche Unternehmen erneut auf die Agenda der Politik gesetzt. Eine Analyse der Trends des vergangenen Jahres zeigt jedoch keine dynamische Entwicklung. In absehbarer Zeit kann sich dies jedoch ändern.

Die Europäische Union (EU) und damit auch der Standort Deutschland stehen im harten globalen Wettbewerb. Dabei ist die EU bereits vor dem Ukraine-Krieg, von dem sie wirtschaftlich viel stärker betroffen ist als beispielsweise die USA oder China, im Wettbewerb zurückgefallen (Bardt et al., 2022). Der Überfall Russlands auf die Ukraine und die daraus resultierenden Sanktionen und Gegensanktionen haben die gegenseitigen Abhängigkeiten mit Russland deutlich gemacht und zu einer Neubewertung von internationalen Verflechtungen geführt. In einer Anhörung im Deutschen Bundestag ließ sich der Präsident des Bundesnachrichtendienstes wie folgt zitieren: „Russland ist der Sturm, China ist der Klimawandel“ (Deutscher Bundestag, 2022). In der Tat bestehen ökonomisch viel stärkere Beziehungen zwischen Deutschland sowie der EU mit China als mit Russland (Bardt et al., 2022).

Vor diesem Hintergrund mag es verständlich erscheinen, dass die Beteiligung der China Ocean Shipping Company (COSCO) am fünften Terminal des Hamburger Hafens aktuell viel vehementer diskutiert wird als bei ihrer Ankündigung im September 2021 (NDR, 2021). Dabei geht es in der Diskussion aktuell vor allem darum, ob der Verkauf von Infrastruktur nach den Erfahrungen mit Gasspeichern in russischer Hand noch opportun ist.

Vor diesem Hintergrund wird in diesem Papier der aktuelle Stand der Beteiligungen und Übernahmen chinesischer Investoren in Deutschland 2021 analog zu den Vorjahren analysiert. Dabei muss erneut festgehalten werden, dass der Stellenwert chinesischer Investoren hierzulande eher zu vernachlässigen ist. Basierend auf den Zahlen von PWC (2021) betrug der Anteil Chinas und Hongkongs an allen Transaktionen (Beteiligungen an und Übernahmen von Unternehmen) in Deutschland vom 1. Januar bis zum 15. November 2021 lediglich 2,6 Prozent. Wird der Wert der Deals betrachtet betrug der Anteil 2,7 Prozent beziehungsweise 2,9 Milliarden Euro. Im Verhältnis zur wirtschaftlichen Bedeutung – die Wirtschaftsleistung Chinas entspricht in etwa der der gesamten Europäischen Union (Bardt et al., 2022) – ist China als Investor demzufolge eher zu vernachlässigen. Die meisten Transaktionen in diesem Zeitraum in Deutschland entfielen auf die USA (22 Prozent aller Transaktionen mit einem Wert von rund 28 Milliarden Euro), das Vereinigte Königreich (10,9 Prozent und 3,3 Milliarden Euro) und Frankreich (10 Prozent und 14,4 Milliarden Euro).

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Wird die Entwicklung der Transaktionen auf Basis eigener Recherchen mit den Entwicklungen der vergangenen Jahre verglichen (Abbildung), wird deutlich, dass nach dem Tiefpunkt 2020 ein leichter Anstieg verzeichnet werden kann. Bezogen auf die Anzahl an Transaktionen konnte der stetige Rückgang seit 2017 somit gestoppt werden.

Im Vergleich zu 2020 gab es 2021 eine Zunahme um einen Fall. Mit 23 Transaktionen konnten somit ungefähr so viele Transaktionen verzeichnet werden wie in den Jahren vor 2016. Beim Wert der veröffentlichten Transaktionen konnte eine deutlichere Steigerung von rund 700 Millionen auf nahezu 1,2 Milliarden Euro verzeichnet werden. Die Anzahl an Transaktionen und der entsprechende Wert liegen jedoch noch unterhalb des Vor-Pandemie-Wertes von 2019.

Es muss jedoch erwähnt werden, dass die Mercedes-Benz Group (2021) Ende 2021 bekanntgegeben hat, dass der Anteil des chinesischen Investors BAIC seit 2019 höher als angenommen ist und 9,98 Prozent beträgt. Damit halten einerseits chinesische Investoren nahezu 20 Prozent am Unternehmen. Andererseits liegt der Wert dieser Transaktion so nah an der relevanten Schwelle von zehn Prozent, dass eine Aufnahme in die hier präsentierte Statistik gerechtfertigt wäre.

Darauf wurde nachträglich verzichtet. An diesem Fall wird jedoch deutlich, dass es bei der Aktivität chinesischer Investoren eine Dunkelziffer gibt, die es zu beachten gilt, weil nicht alle Transaktionen veröffentlicht werden, beziehungsweise genehmigungspflichtig sind.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass sich die Bundesregierung der potenziellen Gefahren durch chinesische Investoren in Deutschland durchaus bewusst ist. Zunächst wurde 2021 analog zu den Vorjahren die Außenwirtschaftsverordnung erneut verschärft (BMWK, 2021). Mit Hilfe dieser Anpassung sollen Investitionen in Zukunftstechnologien wie beispielsweise Künstlicher Intelligenz besser reguliert werden, sobald die Beteiligung mindestens 20 Prozent am Unternehmen umfasst. Bei kritischer Infrastruktur und der Produktion von Rüstungsgütern liegt der Schwellenwert bei zehn Prozent. Zudem kann die Bundesregierung bereits auf eine beachtliche Liste an verhinderten Transaktionen zurückblicken: 50Hertz, Leifeld Metal Spinning und IMST. Zusätzlich wurden die Übernahme der Siltronic AG durch ein taiwanesisches Unternehmen verhindert, der Anteil von COSCO am neuen Hamburger-Terminal auf 24,9 Prozent reduziert und die Übernahme der Aixtron AG wurde durch die USA geblockt.  

Fazit  

Auch wenn die Bedeutung chinesischer Investoren zuletzt zugenommen hat, ist deren relative Bedeutung weiterhin gering. Die Behörden sind sich der Gefahr zudem bewusst und bereit, im Zweifelsfall einzugreifen.

Dennoch kann der Einfluss Chinas in Zukunft zunehmen. Einerseits investieren deutsche Unternehmen vermehrt in China. Gemäß Matthes (2022) verzeichnete die Volksrepublik im ersten Halbjahr 2022 Zuflüsse an Direktinvestitionen aus Deutschland von zehn Milliarden Euro, was weit über dem Vor-Pandemie-Niveau liegt. Zusätzlich war der Anteil Chinas an den deutschen Importen im ersten Halbjahr 2022 mit 12,4 Prozent so hoch wie nie zuvor. Insgesamt war die Volksrepublik 2021 dabei zum sechsten Mal in Folge Deutschlands wichtigster Handelspartner (Statistisches Bundesamt, 2022). Auch ohne Übernahmen und Beteiligungen verfügt China somit über weitreichende Einflussmöglichkeiten auf deutsche Unternehmen und baut diese weiter aus.

Gleichzeitig wird in Folge der gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise sowie der gesunkenen Rücklagen in Folge der Pandemie vermehrt mit Insolvenzen sowie Geschäftseinstellungen gerechnet (Augsburger Allgemeine, 2022). Analog zu den Vorjahren konnten auch 2021 Transaktionen aus Insolvenzen verzeichnet werden. Vermehrte Firmenpleiten könnten somit auch für chinesische Investoren als Gelegenheit dafür dienen, sich günstig Technologie und Know-how zu sichern.  

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