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Axel Plünnecke Gutachten 30. Mai 2022 Ingenieurmonitor 2022/I: Der regionale Arbeitsmarkt in den Ingenieurberufen

Die Corona-Krise hat vom ersten Quartal 2020 bis zum vierten Quartal 2020 zu einem deutlichen Einbruch der Gesamtzahl an offenen Stellen in den Ingenieur- und Informatikerberufen auf 92.400 geführt. Im ersten Quartal 2021 betrug die Zahl der offenen Stellen 102.500 und stieg danach von Quartal zu Quartal deutlich an.

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Der regionale Arbeitsmarkt in den Ingenieurberufen
Axel Plünnecke Gutachten 30. Mai 2022

Ingenieurmonitor 2022/I: Der regionale Arbeitsmarkt in den Ingenieurberufen

Gutachten für den Verein Deutscher Ingenieure e.V.

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Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die Corona-Krise hat vom ersten Quartal 2020 bis zum vierten Quartal 2020 zu einem deutlichen Einbruch der Gesamtzahl an offenen Stellen in den Ingenieur- und Informatikerberufen auf 92.400 geführt. Im ersten Quartal 2021 betrug die Zahl der offenen Stellen 102.500 und stieg danach von Quartal zu Quartal deutlich an.

Rekordwert an offenen Stellen

Im ersten Quartal 2022 erreichte die Gesamtzahl an offenen Stellen in den Ingenieur- und Informatikerberufen einen Stand von 151.300 – Rekordwert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011. Rekordwerte zeigen sich dabei in den Ingenieurberufen Bau, den Ingenieurberufen Energie- und Elektrotechnik sowie in den Informatikerberufen. Klimaschutz und Energiewende führen bereits heute zu hohen Bedarfen in den Ingenieur- und Informatikerberufen. Etwas zeitverzögert zeigen sich die Effekte bei der Arbeitslosigkeit. Diese betrug im ersten Quartal 2022 insgesamt 36.151 – ein Rückgang zum Vorjahreswert um 21,8 Prozent. Der Rekordwert in einem ersten Quartal aus dem Jahr 2019 mit 30.557 wurde damit aber noch nicht wieder erreicht.

Setzt man die Zahl der offenen Stellen in Bezug zur Zahl der Arbeitslosen, ergibt sich die Engpasskennziffer in Ingenieur- und Informatikerberufen. Im ersten Quartal 2021 kamen rechnerisch auf 100 Arbeitslose noch 222 offene Stellen. Im ersten Quartal 2022 stieg diese Engpasskennziffer auf 418 offene Stellen je 100 Arbeitslose. Im März 2022 wurde damit fast der Rekord bei der Engpasskennziffer erreicht. Nur im März 2019 war der Engpass in den Ingenieur- und Informatikerberufen leicht höher. In einzelnen Berufen wurden dabei sogar Rekordwerte erreicht: so in den Ingenieurberufen Bau und in den Ingenieurberufen Energie- und Elektrotechnik. Auch hier zeigen sich bereits die Bedarfe von Klimaschutz und Energiewende.

In den kommenden Jahren wird durch Digitalisierung, aber vor allem auch durch Klimaschutz und Energiewende der Bedarf an Beschäftigten in Ingenieur- und Informatikerberufen deutlich zunehmen. So erwarten für die kommenden fünf Jahre 32 Prozent aller Unternehmen und sogar 63 Prozent aller Unternehmen ab 250 Beschäftigten einen steigenden Bedarf an IT-Experten speziell zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte. Auch bei Ingenieur*innen/Umweltingenieur*innen erwarten 19 Prozent aller Unternehmen und 43 Prozent aller Unternehmen ab 250 Beschäftigte steigende Bedarfe.

Auch erste Auswertungen zur EU-Taxonomie als Kompass der Dekarbonisierung zeigen, dass vor allem die Ingenieurberufe hohe Beschäftigungsanteile in Branchen haben, die über die dort zu findenden Aktivitäten zum Klimaschutz beitragen, indem stark klimaschädliche Aktivitäten gemindert oder indem emissionsneutrale Aktivitäten und dadurch Alternativen zur Substitution von klimaschädlichen durch klimafreundliche Technologien gefördert werden.

Für das letzte Jahrzehnt ergab sich ein Expansionspfad an erwerbstätigen Ingenieur*innen und Informatiker*innen von 74.500 pro Jahr. Aufgrund der genannten Zusatzbedarfe für Digitalisierung, Klimaschutz und Energiewende dürfte dieser jährliche Zusatzbedarf auch bis zum Jahr 2030 bestehen. Dazu dürfte sich in den kommenden Jahren ein jahresdurchschnittlicher demografischer Ersatzbedarf von 56.000 ergeben. Wird eine jährliche Zuwanderung von 34.000 Ingenieur*innen und Informatiker*innen erreicht, werden jährlich rund 96.500 Erstabsolvent*innen der deutschen Hochschulen in Ingenieurwissenschaften und Informatik benötigt. Aktuell beträgt die Anzahl der Erstabsolvent*innen in diesen Fächern jedoch nur 70.000.

Ausblick: zunehmende Engpässe erschweren Klimaschutz und Energiewende

Aktuell fehlen damit jährlich bereits etwa 26.500 Erstabsolvent*innen, um den für Digitalisierung, Klimaschutz und Energiewende benötigten Expansionsbedarf realisieren zu können. Der Ausblick ist sogar trübe: die Anzahl der Studienanfänger*innen in den Ingenieurwissenschaften und Informatik ist in den letzten 5 Jahren um rund 15 Prozent gesunken.

Um die Herausforderungen von Klimaschutz und Energiewende zu meistern, kommt damit der Fachkräftesicherung in den Ingenieur- und Informatikerberufen eine besondere Bedeutung bei. Denkbare Maßnahmen reichen beispielsweise von der Gewinnung von mehr jungen Menschen und insbesondere mehr Frauen für diese Berufe durch eine klischeefreie Berufs- und Studienorientierung, die Gewinnung weiterer Zuwanderer*innen und eine Stärkung der naturwissenschaftlichen und technischen Bildung und Informatikunterricht an Schulen. Dabei sollte stärker verdeutlicht und berücksichtigt werden, dass Kompetenzen in Ingenieurwissenschaften und Informatik besonders wichtig für Klimaschutz und Energiewende sind.

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Der regionale Arbeitsmarkt in den Ingenieurberufen
Axel Plünnecke Gutachten 30. Mai 2022

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Gutachten für den Verein Deutscher Ingenieure e.V.

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