1. Home
  2. Presse
  3. Pressemitteilungen
  4. Grenzabgabenbelastung: Arbeit muss sich lohnen
Zeige Bild in Lightbox
(© Foto: iStock)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Martin Beznoska / Tobias Hentze Pressemitteilung 7. Juni 2019

Grenzabgabenbelastung: Arbeit muss sich lohnen

Die letzte große Steuerreform ist knapp 20 Jahre her, damals entlasteten SPD und Grüne die Bürger. Seitdem hat sich nicht viel getan: Inflation und Lohnwachstum haben dazu geführt, dass heute auch kleine Einkommen schon stark belastet werden. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in einer aktuellen Studie untersucht, wen die Grenzabgabenbelastung besonders hart trifft.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Die Tarifbeschäftigten der IG Metall können seit Anfang des Jahres wählen: mehr Geld oder mehr freie Tage. Ihr Votum ist klar: Die Mehrheit der Arbeitnehmer möchte lieber weniger arbeiten. Das kann am gesellschaftlichen Wandel liegen – allerdings dürfte auch die sogenannte Grenzabgabenbelastung die Entscheidung beeinflusst haben. Die Grenzabgabenbelastung sagt aus, wie viel ein Arbeitnehmer von einer Lohnerhöhung abgeben muss. Das kann über die Hälfte des zusätzlichen Gehaltes sein. 

Ein Mindestlohn-Empfänger mit einem monatlichen Bruttogehalt von 1.600 Euro hat nach allen Abgaben noch rund 1.200 Euro übrig – gut ein Viertel seines Gehaltes muss er abgeben. Erhöht der Arbeitgeber den Lohn um 100 Euro, muss der Mitarbeiter nun von dieser Erhöhung prozentual deutlich mehr abgeben als von seinem bisherigen Gehalt, ihm bleiben nämlich gerade einmal 53 Euro. Ein Spitzenverdiener mit einem monatlichen Gehalt von 7.000 Euro hätte von zusätzlichen 100 Euro dagegen 56 Euro netto übrig. „Sogar Menschen im unteren Einkommensbereich haben von Lohnerhöhungen kaum etwas, vor allem im Bereich des Mindestlohns und im Übergang von Mini- zu Midi-Jobs“, sagt Studienkoautor und IW-Steuerexperte Tobias Hentze. Inflation und Lohnwachstum haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass heute für Singles mit niedrigem Einkommen die Grenzsteuerbelastung relativ schnell und steil ansteigt. Hinzu kommen die Sozialbeiträge. Auch Arbeitnehmer, die die Mini- und Midi-Job-Zonen verlassen, müssen verhältnismäßig viel von ihrem erarbeiteten Geld an den Staat abgeben. 

„Viele glauben, dass die Belastung aus Steuern und Sozialabgaben mit dem Einkommen steigt“, sagt Hentze. „Das trifft nicht in jedem Fall zu.“ Es ist Aufgabe der Politik, Haushalten mit kleinem oder durchschnittlichem Einkommen bei Lohnerhöhungen nicht zu viel wegzunehmen. Vor allem Sprungstellen, die beispielsweise entstehen, wenn ein Arbeitnehmer von einem Mini- zu einem Midi-Job wechselt und dadurch mehr Sozialabgaben hat, müssen abgemildert werden. Mit Blick auf den Fachkräftemangel sollten Lohnerhöhungen in den unteren und mittleren Einkommen nicht zum Nachteil werden – Arbeit muss sich für die Arbeitnehmer lohnen. Senkt die Politik also die Grenzabgabenbelastung, steigert sie den Anreiz, zu arbeiten. 

Datei herunterladen

Martin Beznoska / Tobias Hentze: Die Grenzbelastung der Lohneinkommen im zeitlichen Vergleich – Berechnungen für verschiedene Einkommensgruppen

IW-Report

Datei herunterladen

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
IW-Ökonom Christoph Schröder
Christoph Schröder in den Ruhr-Nachrichten Ruhr-Nachrichten 21. September 2021

Mindestlohn von 12 Euro ist nicht für alle Betroffenen gut

Wenige Tage vor der Bundestagswahl wird hitzig über den Mindestlohn diskutiert. Dabei könnte eine Erhöhung auf 12 Euro auch für viele betroffene Arbeitnehmer eine schlechte Idee sein, sagt IW-Ökonom Christoph Schröder im Gespräch mit den Ruhr-Nachrichten.

IW

Artikel lesen
Holger Schäfer IW-Nachricht 30. September 2020

Arbeitsmarkt: Drei Maßnahmen für mehr Stabilität

Der Arbeitsmarkt hat sich von der Coronakrise noch nicht erholt, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Bundesagentur für Arbeit. Kurzarbeit war bisher zwar ein probates Instrument in der Krise, hilft aber nicht dauerhaft. Mit mehr Flexibilität ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880