Die Bundesagentur für Arbeit förderte Weiterbildungen im Jahr 2018 mit knapp 1,8 Milliarden Euro. Das ist etwa doppelt so viel wie zwölf Jahre zuvor, als die Hartz IV-Reformen umgesetzt wurden. Vor allem Arbeitslose, die ihre Förderung nach dem Sozialgesetzbuch III bekommen, profitieren von den hohen Ausgaben. Im Schnitt förderte die Bundesagentur jeden Arbeitslosen mit 1.605 Euro – etwa fünf Mal mehr als noch im Jahr 2006. Besonders Weiterbildungen, nach denen die Teilnehmer einen Berufsabschluss haben, treiben die Fördermittel in die Höhe. Mittlerweile nehmen von je 1.000 Arbeitslosen durchschnittlich 114 dieses Angebot wahr. Vor zwölf Jahren waren es lediglich 42.

Hartz IV-Empfänger profitieren nicht

Die Gruppe, die Förderung am dringendsten nötig hat, wird allerdings vernachlässigt. Ein Blick auf die Ausgaben für Hartz IV-Empfänger macht deutlich: Von den 1,8 Milliarden Euro kommt bei ihnen nur wenig an. Seit 2012 stagnieren die Ausgaben für berufliche Weiterbildung, in den vergangenen zwei Jahren gingen sie sogar leicht zurück. Die Jobcenter unterstützen jeden Arbeitslosen, der ALG II erhält, im Schnitt mit nur 331 Euro – nur 29 von 1.000 Arbeitslosen nehmen an Weiterbildungen teil. Gerade Langzeitarbeitslose würden von einer besseren Qualifizierung aber profitieren. Häufig haben sie keinen Berufsabschluss und dadurch wenig Chancen auf einen neuen Berufseinstieg. „Es stellt sich die Frage, ob dieser Bereich strukturell unterfinanziert ist“, sagt Studienautorin Susanne Seyda. 

Am Ziel vorbei gefördert

Anfang des Jahres hat die Regierung die Fördermöglichkeiten ausgeweitet. Mit dem Qualifizierungschancengesetz können nun auch Beschäftigte und Unternehmen gefördert werden. So sollen Arbeitnehmer besser auf den digitalen Wandel vorbereitet werden, um nicht ihren Job zu verlieren. „Das eigentliche Ziel, Menschen ohne Berufsabschluss stärker zu unterstützen, sollte jedoch mehr im Fokus stehen“, so Seyda. „Hier wird am Ziel vorbei gefördert.“