1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Deutschland sollte sich nicht auf dem Erfolg ausruhen
Zeige Bild in Lightbox Deutschland sollte sich nicht auf dem Erfolg ausruhen
(© Foto: Photographer: William Perugini - Fotolia)
IW-Nachricht 19. Februar 2015 Steigende Zuwanderung

Deutschland sollte sich nicht auf dem Erfolg ausruhen

Deutschland verzeichnet derzeit neue Rekordwerte bei der Zuwanderung: Im ersten Halbjahr 2014 kamen rund 240.000 Personen mehr in das Land als es im Gegenzug verließen. Das sind positive Nachrichten für den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme. Allerdings ist eine gute Integration nötig.

Große Zuwanderungsströme helfen, den demografischen Wandel abzufedern. Durch die steigende Zuwanderung konnte im vergangenen Jahr das Geburtendefizit von rund 200.000 ausgeglichen werden. Auch wirkt die Zuwanderung Fachkräfteengpässen entgegen und verringert Finanzierungslücken im Sozial- und Rentenversicherungssystem.

Hierfür ist allerdings entscheidend, dass die Zuwanderer gut in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden, sodass sie ihre Qualifikationen und Fähigkeiten optimal einsetzen können. Ein zentraler Punkt ist der Spracherwerb: Den Zuwanderern stehen zwar in der Regel genügend Anfängersprachkurse zur Verfügung, Deutschkurse auf fortgeschrittenem Niveau werden jedoch zu selten angeboten. Auch der Umgang mit im Ausland erworbenen Qualifikationen ist von Bedeutung. Zwar haben Zuwanderer seit dem Jahr 2012 das Recht auf Prüfung und Anerkennung ihrer ausländischen Abschlüsse, doch gibt es für Personen, bei denen keine vollständige Gleichwertigkeit des Abschlusses festgestellt wird, nicht immer passende (Nach-) Qualifizierungsangebote.

Auch mit Blick auf die künftige Entwicklung der Zuwanderung ist die Integration entscheidend. Gelingt es Fachkräften aus dem Ausland, sich am deutschen Arbeitsmarkt zu etablieren, ist eine Rückwanderung weniger wahrscheinlich, obwohl zunächst viele, die nach Deutschland kommen, wieder in ihre Heimatländer zurückkehren wollen. Ein Großteil der Zuwanderer kommt wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise in Südeuropa, der neu gewonnenen Freizügigkeit für Rumänen und Bulgaren und dem Syrienkonflikt nach Deutschland. Allein Personen aus Rumänien machten mit 48.000 über ein Fünftel der Zuwanderung im ersten Halbjahr 2014 aus; aus Syrien kamen 21.000.

Um auch in Zukunft genügend Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, muss Deutschland verstärkt auf Personen aus demografiestarken Drittstaaten setzen. Hierfür ist nicht nur eine gelungene Integrationspolitik notwendig. Auch sollten das deutsche Aufenthaltsrecht zu einem modernen Einwanderungsrecht weiterentwickelt und erfolgreiche Informationsangebote für Personen aus dem Ausland gestärkt werden – etwa die Online-Plattform Make-it-in-Germany. Insgesamt ist es wichtig, dass Deutschland sich selbst als Einwanderungsland sieht und eine Willkommenskultur lebt.

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Wer baut die Zukunft? Fachkräftemangel als Bremse für Wachstum und Investitionen in Deutschland
Gutachten 19. Oktober 2026 Valeria Quispe et al.

Wer baut die Zukunft? Fachkräftemangel als Bremse für Wachstum und Investitionen in Deutschland

Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) bietet eine vielversprechende Chance für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Gelingen Infrastruktur-Modernisierung und Klima-Transformation, profitieren Unternehmen, Beschäftigte und die Gesellschaft insgesamt.

Valeria Quispe / Alexander Burstedde / Paula Risius / Dirk Werner IW

Artikel lesen
Gutachten 19. Oktober 2026 Gero Kunath / Katja Pöttker

M+E-Berufe zwischen schwacher Automobil- und starker Rüstungsindustrie

Die deutsche Wirtschaft wächst nur langsam, zugleich bleiben qualifizierte Arbeitskräfte gerade in vielen technischen Berufen knapp.

Gero Kunath / Katja Pöttker IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880