1. Home
  2. Studien
  3. KOFA Kompakt 9/2026: Fachkräftereport Juni 2026 – M+E-Berufe zwischen schwacher Automobil- und starker Rüstungsindustrie
Gutachten 19. Oktober 2026 Gero Kunath / Katja Pöttker KOFA Kompakt 9/2026: Fachkräftereport Juni 2026 – M+E-Berufe zwischen schwacher Automobil- und starker Rüstungsindustrie

Die deutsche Wirtschaft wächst nur langsam, zugleich bleiben qualifizierte Arbeitskräfte gerade in vielen technischen Berufen knapp.

PDF herunterladen
Kompakt
Gutachten 19. Oktober 2026 Gero Kunath / Katja Pöttker

KOFA Kompakt 9/2026: Fachkräftereport Juni 2026 – M+E-Berufe zwischen schwacher Automobil- und starker Rüstungsindustrie

Gero Kunath / Katja Pöttker Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die deutsche Wirtschaft wächst nur langsam, zugleich bleiben qualifizierte Arbeitskräfte gerade in vielen technischen Berufen knapp.

Besonders deutlich zeigt sich dies in Metall- und Elektroberufen: Während die Automobilindustrie vor strukturellen Herausforderungen steht, wächst die Rüstungsindustrie derzeit stark. Der Fachkräftereport Juni 2026 „M+E-Berufe zwischen schwacher Automobil- und starker Rüstungsindustrie“ untersucht diese Entwicklung und zeigt, welche Bedeutung Branchenwechsel und Quereinstiege für die Fachkräftesicherung in Zeiten strukturellen Wandels haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Fachkräftelücke lag im Juni 2026 bundesweit bei rund 383.000 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen. Damit konnte zuletzt mehr als jede dritte offene Stelle für qualifizierte Arbeitskräfte rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden. Dennoch prägt weiterhin vor allem die schwache Konjunktur den Arbeitsmarkt.
  • Eine schwache Konjunktur führt nicht automatisch zu einer Entspannung bei Fachkräfteengpässen. Arbeitslosigkeit und nicht besetzbare Stellen können gleichzeitig bestehen.
  • In mehreren M+E-Berufen verschärften sich die Engpässe trotz der insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Lage. Grund dafür ist das starke Wachstum der Rüstungsindustrie infolge der Zeitenwende.
  • Die stark wachsende Rüstungsindustrie kann das Potenzial freiwerdender Fachkräfte aus der derzeit schwächelnden Automobilindustrie nutzen.
  • Um Branchenwechsel und Quereinstiege erfolgreich zu gestalten, sollten Unternehmen übertragbare Kompetenzen erkennen und gegebenenfalls notwendige Anpassungsqualifizierungen organisieren.

Einen vollständigen Überblick über die Entwicklung der Fachkräftesituation im zweiten Quartal 2026 sowie eine Einordnung des Fachkräftebedarfs in M+E-Berufen finden sich in der Studie „M+E-Berufe zwischen schwacher Automobil- und starker Rüstungsindustrie“.

Fachkräftesituation bleibt trotz schwacher Konjunktur angespannt

Die Fachkräftelücke lag im Juni 2026 bei bundesweit rund 383.000 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen. Damit konnte zuletzt mehr als jede dritte offene Stelle für qualifizierte Arbeitskräfte rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden. Die konjunkturelle Schwäche prägt trotz der großen Engpässe weiterhin den Arbeitsmarkt. Zuletzt standen 1,1 Millionen offene Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte 1,3 Millionen qualifizierten Arbeitslosen gegenüber. Entscheidend ist, welche Qualifikationen, beruflichen Erfahrungen und regionalen Voraussetzungen für eine konkrete Stelle erforderlich sind.

Fachkräfte aus der Automobilindustrie werden in Rüstungsunternehmen dringend gesucht

Die Metall- und Elektroberufe machen sichtbar, wie sich strukturelle und wirtschaftliche Veränderungen auf den Fachkräftebedarf auswirken. In Teilen der Automobilwirtschaft sinkt die Beschäftigung oder der Fachkräftebedarf geht zurück, während die Verteidigungsindustrie zusätzliche Produktionskapazitäten aufbaut und dringend Personal sucht. Für qualifizierte Arbeitskräfte aus der Automobilindustrie kann ein Branchenwechsel eine neue berufliche Perspektive darstellen. Auch für Unternehmen können Branchenwechsler:innen oder Quereinsteiger:innen ein Gewinn für die eigene Fachkräftesicherung sein.

„Während in Teilen der Automobilindustrie Beschäftigung und Fachkräftebedarf zurückgehen, baut die Rüstungsindustrie Produktionskapazitäten auf und sucht qualifizierte Arbeitskräfte. Branchenwechsel können deshalb für beide Seiten eine Chance sein“ – Gero Kunath

Fachkräftesicherung im Strukturwandel gestalten

Der Strukturwandel verlagert Fachkräftebedarfe. Für Unternehmen wird es wichtiger, Personalplanung und Qualifizierung zusammenzudenken. Wer ausschließlich nach exakt passenden Berufsbezeichnungen sucht, übersieht mögliche Bewerber:innen aus verwandten Tätigkeitsfeldern. Das gilt für den Wechsel zwischen Branchen ebenso wie für den Quereinstieg aus einem anderen Beruf.

Zugleich sollten Unternehmen die Anforderungen von Branchen- und Berufswechseln realistisch einschätzen. Fehlende Kenntnisse lassen sich häufig schrittweise aufbauen, bestimmte Anforderungen müssen jedoch vor einer Beschäftigungsaufnahme geklärt werden. Eine systematische Kompetenzanalyse hilft, geeignete Übergänge zu identifizieren und Weiterbildungsbedarfe zu ermitteln.

Empfehlungen für KMU

KMU können Branchenwechsler:innen und Quereinsteiger:innen für die Fachkräftesicherung nutzen, wenn sie Rekrutierung, Kompetenzentwicklung und Bindung miteinander verbinden:

  • Kompetenzen erfassen: Stellenprofile um konkrete Tätigkeiten und Fähigkeiten ergänzen, statt ausschließlich nach Berufsbezeichnungen zu suchen.
  • Qualifizierungsbedarf früh prüfen: Festlegen, welche Kenntnisse bereits vorhanden sind und welche durch Anpassungsqualifizierungen erworben werden können.
  • Quereinstiege begleiten: Einarbeitung, Mentoring und schrittweise Verantwortungsübernahme verbindlich organisieren.
  • Branchenkontakte ausbauen: Kooperationen mit regionalen Netzwerken, Bildungsträgern und Unternehmen aus verwandten Branchen für die Fachkräftesicherung nutzen.
  • Regionale Mobilität unterstützen: Bei einem Wohnortwechsel bei der Suche nach Wohnraum sowie Betreuungs- und Bildungsangeboten helfen.

DOI: 10.67087/2.21651

PDF herunterladen
Kompakt
Gutachten 19. Oktober 2026 Gero Kunath / Katja Pöttker

KOFA Kompakt 9/2026: Fachkräftereport Juni 2026 – M+E-Berufe zwischen schwacher Automobil- und starker Rüstungsindustrie

Gero Kunath / Katja Pöttker Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Wer baut die Zukunft? Fachkräftemangel als Bremse für Wachstum und Investitionen in Deutschland
Gutachten 19. Oktober 2026 Valeria Quispe et al.

Wer baut die Zukunft? Fachkräftemangel als Bremse für Wachstum und Investitionen in Deutschland

Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) bietet eine vielversprechende Chance für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Gelingen Infrastruktur-Modernisierung und Klima-Transformation, profitieren Unternehmen, Beschäftigte und die Gesellschaft insgesamt.

Valeria Quispe / Alexander Burstedde / Paula Risius / Dirk Werner IW

Artikel lesen
Gutachten 14. Oktober 2026 Paula Risius et al.

Fortbildung als überzeugende Erwerbs -, Verdienst - und Karriereperspektive

Die Höhere Berufsbildung ist ein eigenständiger Bildungsweg, der auf einer anerkannten Berufsausbildung aufsetzt und in Analogie zu Bachelor- und Masterabschlüssen an Hochschulen eigenständige berufliche Karriereperspektiven eröffnet.

Paula Risius / Dirk Werner / Regina Flake / Helen Hickmann / Sabine Köhne-Finster / Lydia Malin / Fritz Orange / Jurek Tiedemann IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880