1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. CO2-Reduktion: Gute Strategien statt Klimaziel-Aktionismus
Zeige Bild in Lightbox
(© Foto: GettyImages)
IW-Nachricht 5. Mai 2021 Thilo Schaefer

CO2-Reduktion: Gute Strategien statt Klimaziel-Aktionismus

Die Karlsruher Richter haben den Gesetzgeber verpflichtet, bis Ende kommenden Jahres die Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen für die Zeit nach 2030 genauer zu regeln. Das sorgt in Berlin für Unruhe: Die Bundesregierung reagiert aufgeschreckt und flüchtet sich in neue Zielvorgaben, anstatt ruhig und besonnen realistische Strategien zu erarbeiten.

Aufgeschreckt durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfällt die Bundesregierung nun in Klimaziel-Aktionismus: Deutschland soll zehn Prozentpunkte mehr CO2 reduzieren bis 2030 als geplant. Dabei ist längst klar, dass die Emissionen schneller sinken müssen als bisher: Die Tempoverschärfung beim Klimaschutz gibt der europäische Green Deal vor. Der CO2-Ausstoß der Industrie und Energiewirtschaft wird ohnehin durch den europäischen Emissionshandel begrenzt. Die Mitgliedstaaten sind für den Rest zuständig: Deshalb gibt es in Deutschland seit Jahresbeginn einen CO2-Preis auf Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas.  

Die CO2-Preise werden durch die neue europäische Klimaregulierung sicher steigen müssen: Die Unternehmen im Emissionshandel werden weniger Zertifikate bekommen, der deutsche CO2-Preis auf Brennstoffe wird ebenfalls noch einmal erhöht werden müssen. Die Preise für den Ausstoß der klimaschädlichen Gase sorgen dafür, dass diejenigen bezahlen, die die Treibhausgase verursachen. Das gibt gleichzeitig einen Anreiz, den Ausstoß zu vermeiden. Doch dafür braucht es auch attraktive Alternativen und hier kommt die Bundesregierung ins Spiel. Sie muss zum Beispiel dafür sorgen,  

  • dass es Ladesäulen für Elektroautos gibt,  
  • dass Gebäude mit klimafreundlicher Energie beheizt werden können, 
  • dass die Industrie ihre Produktion auf den Einsatz regenerativer Energie umstellen kann, 
  • dass dafür ausreichend erneuerbare Energie erzeugt wird und kostengünstig zur Verfügung steht und 
  • dass grüner Wasserstoff importiert werden kann. 

Dazu kann die Regierung Geld in den Ausbau der Erneuerbaren stecken, Investitionen in klimafreundliche Technologie fördern, die öffentliche Beschaffung nach Klima-Kriterien ausrichten, Infrastruktur aufbauen und regulatorische Hemmnisse abbauen. Nur so können deutsche Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben. Ein reiner Klima-Aktionismus ist dagegen Unsinn: In der Klimapolitik überzeugt nicht derjenige mit den ambitioniertesten Zielen, sondern derjenige mit den besten Handlungsansätzen. 

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
„Öl und Gas werden nicht viel billiger“
Interview 16. September 2026 Thilo Schaefer bei phoenix

„Öl und Gas werden nicht viel billiger“

Trotz niedriger Gasspeicher und hoher Ölpreise wirken Politik und Verbraucher gelassen. Im Interview mit phoenix erklärt IW-Ökonom Thilo Schaefer, warum die Preise absehbar hoch bleiben und wie gezielte Entlastungen statt Pauschalrabatte helfen könnten.

Thilo Schaefer bei phoenix IW

Artikel lesen
ntv 15. September 2026 Samina Sultan bei ntv

Energiepreise: „Ein Spritpreisdeckel ist nicht sinnvoll”

Vor allem Pendler ächzen unter der Last der Spritpreise. Rufe nach der Rückkehr des Tankrabatts werden laut. IW-Ökonomin Samina Sultan sieht andere Instrumente jedoch als besser geeignet um die Bürger zu entlasten.

Samina Sultan bei ntv IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880