1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Tagesstreiks der IG-Metall: Eine teure Angelegenheit
Zeige Bild in Lightbox
(© Foto: Getty Images)
IW-Nachricht 29. Januar 2018 Hagen Lesch

Tagesstreiks der IG-Metall: Eine teure Angelegenheit

Der IG-Metall-Vorstand hat beschlossen, zunächst 250 Betriebe der Metall- und Elektro-Industrie tageweise zu bestreiken. Aufgrund der guten Auftragslage trifft das die Branche mit voller Wucht. Kurzfristig kommt es in den bestreikten Betrieben zu Umsatzausfällen in Millionenhöhe.

Die Tagesstreiks sollen den Druck auf die Arbeitgeber in den festgefahren Tarifverhandlungen erhöhen. Die dadurch verursachten Streikkosten sind allerdings enorm. Treten pro bestreiktem Betrieb im Schnitt 200 Beschäftigte – also insgesamt 50.000 Beschäftigte – in den Tagesstreik, verlieren die betroffenen Betriebe insgesamt 62 Millionen Euro pro Tag, ausgehend von einer Fünf-Tage-Woche. Die höchsten Umsatzausfälle sind im Fahrzeugbau zu befürchten.

Bestreikt die Gewerkschaft gezielt größere Betriebe, steigt der Umsatzausfall stark an. Treten die Beschäftigten in Betrieben mit 1.000 Mitarbeitern in den Ausstand, liegen die Umsatzausfälle in der Metall- und Elektro-Industrie bei 90 Millionen Euro. Dazu kommen potenzielle Fernwirkungen, wenn es auch in anderen Branchen zu Produktionsausfällen kommt: beispielsweise in der Textilindustrie, weil von den Autobauern keine Sitzbezüge mehr abgenommen werden.

Am zehntägigen Lohnstreik in der Metall- und Elektro-Industrie im Frühjahr 2002 waren gut 200.000 Arbeitnehmer beteiligt. Sollte es im Lauf der aktuellen Tarifverhandlungen noch einmal zu solch einem Extrem-Szenario kommen, lägen die Umsatzausfälle – ohne Berücksichtigung möglicher Fernwirkungen – bei insgesamt 2,5 Milliarden Euro.

Zwar werden die vom Streik betroffenen Betriebe versuchen, die Produktion wieder aufzuholen. Doch die hierfür nötigen Überstunden belasten nicht nur die Beschäftigten – auch für die Betriebe wird es teuer, weil Mehrarbeitszuschläge anfallen. Schon jetzt arbeiten viele Betriebe und Beschäftigte an ihren Belastungsgrenzen. Dass die Kunden auf ihren Neuwagen ein paar Tage länger warten müssen, ist dabei noch das geringste Problem.

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Eine Analyse auf Grundlage des European Social Survey 2023
IW-Trends Nr. 3 13. Oktober 2025 Lennart Eckle

Gewerkschaftlicher Organisationsgrad im europäischen Vergleich: Eine Analyse auf Grundlage des European Social Survey 2023

Eine Analyse mit Daten des European Social Survey aus 14 europäischen Ländern zeigt, dass der gewerkschaftliche Netto-Organisationsgrad – also der Anteil der abhängig Beschäftigten, die Mitglied einer Gewerkschaft sind – im Jahr 2023 zwischen 5,6 Prozent (Ungarn) und 72,3 Prozent (Schweden) lag.

Lennart Eckle IW

Artikel lesen
Interview 3. September 2025 Hagen Lesch für B4B Schwaben

Oettinger-Konflikt: „Gewerkschaft kann Unternehmen in den Konkurs streiken“

Die Brauerei Oettinger und die Gewerkschaft NGG wollen ihren Tarifstreit durch eine Schlichtung lösen. IW-Tarifexperte Hagen Lesch erklärt im Interview mit B4B Schwaben, wie das gelingen kann, und ordnet den Tarifstreit bei Oettinger ein.

Hagen Lesch für B4B Schwaben IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880