1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Ausgereizt
Zeige Bild in Lightbox Ausgereizt
(© Foto: www.gg24.de - Fotolia)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Pilotenstreik IW-Nachricht 3. September 2015

Ausgereizt

Vordergründig verhandeln die Piloten und Lufthansa über eine Neuregelung der Übergangsversorgung und über höhere Löhne. Tatsächlich geht es der Spartengewerkschaft Cockpit aber darum, eine unternehmerische Entscheidung zu blockieren. Die Parallele zum jüngsten Tarifkonflikt bei der Deutschen Post liegt auf der Hand – dort hat Verdi viel Lehrgeld gezahlt.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Der Konflikt zwischen Piloten und Lufthansa zieht sich inzwischen über mindestens 20 offizielle Verhandlungsrunden hin. Alles begann im April 2012 mit einer Forderung nach 5,2 Prozent mehr Gehalt. Ein Jahr später ist nicht nur eine weitere Lohnforderung von 4,6 Prozent hinzugekommen: Verhandelt wird seit Herbst 2013 auch über die Übergangsversorgung. Zwischenzeitlich ist der Tarifkonflikt mehrfach bis zum Streik eskaliert. Summiert man alle in Tarifverhandlungen üblichen Eskalationsstufen auf – neben Urabstimmung und Streik gab es allein acht Verhandlungsabbrüche und zwei juristische Auseinandersetzungen -, erreicht die Konfrontation in der Konfliktmessung des IW Kölns einen Wert von 95 Punkten. Zum Vergleich: Die GDL sammelte in ihrem letzten Konflikt mit der Deutschen Bahn lediglich 73 Punkte. Und die durchschnittliche Konfliktintensität eines Konfliktes in den zwölf vom IW analysierten Branchen liegt im Jahr 2015 bislang bei knapp 17 Punkten.

Dass die Verhandlungen zwischen Cockpit und Lufthansa nicht vom Fleck kommen, liegt allerdings keineswegs an der Komplexität der Materie. Nein, die Pilotengewerkschaft ist nicht bereit, der Gründung einer neuen Fluggesellschaft zuzustimmen, in der schlechter gezahlt wird als im Mutterkonzern. Entsprechende unternehmerische Bestrebungen zu verhindern, ist eine Herkulesaufgabe, an der zuletzt die große Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bei der Deutschen Post gescheitert ist – der vierwöchige Streik traf das Unternehmen zwar, verfehlte aber seine Wirkung: Wie geplant wird die Paketzustellung in eine neue Gesellschaft mit überwiegend geringeren Tarifniveaus ausgegliedert.

Letztlich wird sich auch die Pilotengewerkschaft der Entscheidung des Lufthansa-Managements beugen müssen. Denn so schmerzlich die Einkommenseinbußen auch sein mögen: Das Lufthansa-Management sieht sich in der unternehmerischen Verantwortung. Daran kann eine Gewerkschaft nicht rütteln. Dass diese Einsicht bei einer Spartengewerkschaft länger als bei einer Branchengewerkschaft dauert, hat allerdings einen einfachen Grund: Weil eine Branchengewerkschaft alle Beschäftigten im Blick hat, berücksichtigt sie eher die wirtschaftlichen Folgen ihres Tarifabschlusses. Eine Spartengewerkschaft spekuliert hingegen darauf, dass sich die wirtschaftlichen Folgen auf andere Berufsgruppen abwälzen lassen.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Bleiben wie an vielen anderen Tagen im Stau stecken: LKW auf der A3 bei Köln.
Thomas Puls / Edgar Schmitz Pressemitteilung 22. November 2022

Infrastrukturmängel: Marode Straßen bremsen Unternehmen aus

Bröckelnde Straßen, kaputte Brücken und überlastete Zugtrassen sind nicht nur im Alltag ein Ärgernis, sondern haben auch ökonomische Folgen. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt jetzt: Vier von fünf Unternehmen in Deutschland ...

IW

Artikel lesen
Thomas Puls / Edgar Schmitz IW-Trends Nr. 4 22. November 2022

Wie stark beeinträchtigen Infrastrukturprobleme die Unternehmen in Deutschland? Ergebnisse von IW-Befragungen

Gesperrte Autobahnen, überlastete Seehäfen und Ausfälle im Schienengüterverkehr sorgten in den letzten Monaten neben den hohen Energiepreisen und Materialengpässen für Verdruss bei Unternehmen in Deutschland.

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880