1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Trumps verzerrte Sicht
Zeige Bild in Lightbox Trumps verzerrte Sicht
(© Foto: robertmandel/iStock)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Transatlantischer Handel IW-Nachricht 16. März 2017

Trumps verzerrte Sicht

Wenn Angela Merkel am Freitag auf Donald Trump trifft, wird es insbesondere um den transatlantischen Handel gehen. Deutschland steht mit seinem Exportüberschuss im Fokus der Kritik des US-Präsidenten. Dabei ist der Überschuss in der Handelsbilanz anderer EU-Staaten relativ betrachtet deutlich größer.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

In der Handelsbilanz mit den USA verbuchte die EU für das Jahr 2015 einen Überschuss von etwa 154 Milliarden Euro. Deutschland weist mit 54 Milliarden Euro – absolut betrachtet – den höchsten Überschuss aus, so dass US-Präsident Donald Trump insbesondere deutschen Exportunternehmen mit protektionistischen Maßnahmen wie Zöllen droht. Doch auch andere EU-Mitgliedstaaten wären davon stark betroffen. So übersteigen beispielsweise die Warenexporte Irlands in die USA die irischen Importe aus den USA um 24 Milliarden Euro. Da das irische Bruttoinlandsprodukt nur ein Zwölftel des deutschen beträgt, ist der irische Exportüberschuss also relativ gesehen um ein Vielfaches größer.

Wird der Exportüberschuss mit den USA in Relation zur wirtschaftlichen Größe gesetzt, so liegt Deutschland mit einem Überschuss von 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf einem Niveau mit Schweden, Österreich und Litauen (siehe Kurzbericht). In Irland beträgt der Überschuss im Warenhandel mit den USA dagegen mehr als 9,5 Prozent, in Dänemark ist er mit 2,6 Prozent ebenfalls wesentlich höher als in Deutschland. Diese Länder würden Trumps neue protektionistische Maßnahmen also mindestens ebenso hart zu spüren bekommen wie Deutschland.

Doch auch die US-Wirtschaft würde unter dem Protektionismus leiden. So würden unter anderem die Produktionskosten in den Vereinigten Staaten erheblich steigen – 81 Prozent der deutschen Warenexporte in die USA entfallen auf Investitionsgüter und Vorleistungen, werden vor Ort also zur Produktion eingesetzt oder weiterverarbeitet. Diese Investitionsgüter und Vorleistungen durch günstigere inländische zu ersetzen, ist kurzfristig kaum möglich, weil es sich oft um hochspezialisierte Produkte handelt, die nicht ohne entsprechendes Know-how und den damit verbundenen Forschungsaufwand hergestellt werden können. Die Kosten in Form von Preisaufschlägen für die neu eingeführten Zölle werden dann die US-Verbraucher zahlen müssen.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
„Wir müssen Finanzpolitik gemeinsam denken”
Michael Hüther im Handelsblatt-Podcast Audio 25. November 2022

Europäische Union: „Wir müssen Finanzpolitik gemeinsam denken”

Die deutsche Wirtschaft lebe von der Integration in die europäischen Märkte. Insofern müsse sich Deutschland innerhalb der Europäischen Union besser abstimmen und auch investieren – intellektuell, mit Kapazitäten und der Frage nach der richtigen ...

IW

Artikel lesen
Jürgen Matthes im Handelsblatt Gastbeitrag 25. November 2022

Reform der Welthandelsregeln nötig

China stellt mit Staatskapitalismus, Autarkiestreben und Wettbewerbsverzerrungen Grundprinzipien der Marktwirtschaft infrage. Wir sollten darauf antworten, schreibt IW-Außenhandelsexperte Jürgen Matthes in einem Gastkommentar für das Handelsblatt.

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880