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IW-Nachricht 26. Mai 2017 Galina Kolev

G7: Treffen: Unberechenbar wie US

Die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Wirtschaftsnationen der Welt treffen sich momentan auf Sizilien. Beim G7-Gipfel dürfte es vor allem um die Themen Freihandel, Klimaschutz und Migrationspolitik gehen. Die Positionen der anwesenden Politiker unterscheiden sich erheblich, ein Fortschritt ist kaum möglich – ein Rückschritt nicht ausgeschlossen. Auch, weil US-Präsident Donald Trump Fakten verkennt.

Beim G7-Gipfel in Taormina steht viel auf dem Spiel: Die Einigkeit der führenden Industrienationen ist Geschichte, Ziele wie Klimaschutz und Freihandel sind nicht mehr selbstverständlich. Das Ergebnis des Treffens ist schwer zu prognostizieren. Entscheidend ist der Kurs von US-Präsident Trump – und der könnte gefährlich sein.

Trump ist insbesondere der Freihandel ein Dorn im Auge. Bei einem Treffen mit der EU-Spitze hatte er am Donnerstag erneut die deutsche Autoindustrie angegriffen. Dabei verkennt er die Bedeutung der deutschen Hersteller für die amerikanische Wirtschaft: Sie sichern in den Vereinigten Staaten hunderttausende Arbeitsplätze und exportieren deutsche Marken „Made in USA“ in die ganze Welt. So produzierten deutsche Autohersteller im vergangenen Jahr etwa 850.000 Fahrzeuge in den USA, die dann teilweise auch auf dem europäischen Markt verkauft wurden. Der größte Autoexporteur aus den USA ist nicht General Motors oder Ford, sondern BMW mit Konzernsitz in Deutschland.

Dass der Welthandel heute anders funktioniert als im Lehrbuch, berücksichtigt Trump bei seinem wirtschaftspolitischen Kurs kaum. Länder spezialisieren sich heutzutage nicht mehr auf einzelne Branchen, sondern auf einzelne Produktionsstufen. Wenn ein Produkt den Aufdruck „Assembled in China“ trägt – wie etwa bei einem bekannten Smartphone – heißt das noch lange nicht, dass seine Produktion allein in China Arbeitsplätze schafft. Die Bauteile kommen aus der ganzen Welt, der Entwicklungsprozess findet in den USA statt. Statt sich also auf die Stärke der US-Wirtschaft zu besinnen, nämlich die Entwicklung von Hochtechnologien, will Trump die Uhren zurückdrehen und traditionelle Branchen wie die Stahl- und Kohleindustrie wiederbeleben.

Protektionistische Maßnahmen würden also dem Welthandel insgesamt schaden – aber auch den USA selbst. Den Handelspartnern, darunter Deutschland, bleibt nur, notfalls auch ohne die USA, weiter auf den Freihandel zu setzen, wie beispielsweise die EU-Kommission im Rahmen der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen etwa mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay.

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