Im vergangenen Jahr haben chinesische Investoren so viele Unternehmen in Europa übernommen wie nie zuvor. Jetzt steht der Roboterhersteller Kuka im Fokus. Droht der Ausverkauf der deutschen Wirtschaft? Nein – die Chinesen haben ganz andere Pläne.
Kein Grund zur Sorge
Die Angst vor einer chinesischen Übernahme ist oft groß. Welche Ziele verfolgen die neuen Eigentümer? Wollen sie die Unternehmen fortführen oder sind sie nur am Know How interessiert? Um diese Fragen zu beantworten, ist es sinnvoll, die Perspektive der Chinesen einzunehmen:
In den vergangenen Jahrzehnten haben chinesische Unternehmen ihr Geschäft zu sehr auf das Reich der Mitte ausgerichtet. Nun macht sich die Sorge breit, Chinas Wachstumsmaschine könnte bald die Puste ausgehen. Eine Diversifizierung des Geschäfts und der Zugang zu ausländischen Märkten werden immer wichtiger. Deswegen schauen sich die Chinesen nun auch in Europa um.
Zudem hat sich die Produktions- und Angebotsstruktur Chinas verändert. Der Stempel „Made in China“ findet sich immer häufiger auf Hochtechnologieprodukten. Doch um die Kunden bei entsprechenden Produkten zu betreuen, zu beraten sowie ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen, ist Präsenz auf dem Markt unerlässlich. Allein aus diesem Grund wollen die chinesischen Investoren ihre Präsenz in Europa stärken. Dabei lässt sich Markenbindung viel leichter mit einer übernommenen etablierten europäischen Marke herstellen als mit einer neu eingeführten chinesischen.
Zahlreiche Beispiele haben bisher gezeigt, dass es keinen Grund zur Sorge für deutsche Belegschaften gibt: Der Betonpumpenhersteller Putzmeister oder der Automobilzulieferer Kiekert wurden beispielsweise ebenfalls aus Fernost übernommen. Die Chinesen haben bis heute an den Standorten festgehalten und schufen im Fall Putzmeister sogar neue Stellen. Auch beim Roboterhersteller Kuka spricht für den Fall einer chinesischen Übernahme viel dafür, dass die Käufer den Standort halten. Das Ziel der Chinesen ist es in der Regel nämlich, den Betrieb fortzuführen, ja sogar zu expandieren.
Die Transaktionskosten der Geopolitik bleiben hoch
IW-Direktor Michael Hüther analysiert im SZ Dossier Geoökonomie, wie Trumps Zollpolitik, Chinas Machtstreben und Russlands imperialer Anspruch die Weltordnung verändern. Europa müsse seine Verteidigungsfähigkeit stärken und sich auf hohe Transaktionskosten einstellen.
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Rekord-Handelsbilanzdefizit mit China – Kernbranchen betroffen
Im Jahr 2026 dürfte das deutsche Handelsbilanzdefizit mit China über 100 Milliarden Euro betragen. Seit 2019 wäre das ein Anstieg von rund 90 Milliarden Euro.
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