1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Mehr Geld in Bildung stecken
IW-Nachricht 31. Mai 2016 Armut

Mehr Geld in Bildung stecken

Laut einer Meldung zum Internationalen Kindertag ist in Berlin jedes dritte Kind von Hartz-IV-Leistungen abhängig, im Bundesdurchschnitt ist es jedes siebte. Die Linke fordert deshalb höhere Regelsätze, doch eigentlich müsste die Politik woanders ansetzen: bei der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der frühkindlichen Bildung.

Die Daten aus dem Mikrozensus zeigen, dass Kinder etwas häufiger in Armut leben als der Durchschnitt der Bevölkerung. Allerdings hat sich die Kinderarmutsquote seit dem Jahr 2005 nicht erhöht. Ein näherer Blick auf die Zahlen zeigt, dass rund jedes zehnte Kind aus Familien mit zwei Erwachsenen und maximal einem Bruder oder einer Schwester als einkommensarm gilt – das ist deutlich weniger als im Durchschnitt der Bevölkerung (15 Prozent) und kaum mehr als bei kinderlosen Paaren (9,3 Prozent). Besonders hoch ist die Einkommensarmutsquote aber bei Alleinerziehenden (42 Prozent) und bei großen Familien mit mindestens drei Kindern (25 Prozent).

Hier ist die Politik gefordert – aber anders als es die Linksfraktion vorschlägt. Nicht die Hartz-IV-Sätze müssen erhöht werden, sondern die Ganztagsbetreuung muss ausgebaut werden. Damit wäre Alleinerziehenden geholfen, weil sie dann besser in Vollzeit oder zumindest länger Teilzeit arbeiten können.

Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist hierzulande zwar schwächer geworden, wie die letzte Pisa-Studie zeigt, aber noch immer lassen sich Unterschiede etwa bei der Lesekompetenz teilweise auf die soziale Herkunft zurückführen. Daher sollte es nicht nur um den quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung gehen, auch die Qualität der frühkindlichen Bildung sollte steigen. Wichtig sind hier die Fortbildung und eine höhere Akademikerquote der Betreuer: Sie sollen in den Kitas immer mehr Bildungsinhalte vermitteln. Zugleich kommen neue Aufgaben durch die Integration der Flüchtlingskinder auf sie zu. Denn erst wenn die frühkindliche Bildung zunimmt, haben auch Kinder aus bildungsfernen Schichten und mit fremdsprachigen Elternhaus bessere Startchancen in der Schule.

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Im Durchschnitt haben Altersrentner ein Nettvermögen von rund 313.000 Euro.
Pressemitteilung 19. Mai 2026 Jochen Pimpertz / Maximilian Stockhausen

Mit Vermögen sinkt das Armutsrisiko im Alter um 38 Prozent

Das Armutsgefährdungsrisiko fällt in Deutschland erheblich geringer aus, wenn neben den Einkommen der Haushalte auch ihre Vermögen berücksichtigt werden. Dieser Effekt fällt im Alter besonders groß aus, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Jochen Pimpertz / Maximilian Stockhausen IW

Artikel lesen
IW-Trends Nr. 2 19. Mai 2026 Jochen Pimpertz / Maximilian Stockhausen

Weiterentwicklung der Alterssicherungssysteme in Deutschland

Die Sorge vor Armutsgefährdungsrisiken im Alter motiviert eine Vielzahl von Reformvorschlägen, die vor allem die gesetzliche Rentenversicherung um zusätzliche Umverteilungselemente ergänzen wollen.

Jochen Pimpertz / Maximilian Stockhausen IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880