Auch wenn der vierstündige Warnstreik bei Ryanair eher kleinere Nadelstiche als massive Flugausfälle verursachte, droht der Streit über die Aufnahme von Tarifverhandlungen bei Ryanair zu einer Dauerbaustelle zu werden, wie wir sie von Amazon und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kennen.

Eine bilaterale Lösung wird schwierig sein, weil zunächst einmal beide Seiten testen wollen, wie stark die Gegenseite überhaupt ist. Die Fluggesellschaft wartet erst einmal ab, wie viele Piloten überhaupt für einen Arbeitskampf mobilisiert werden können. Die VC muss beweisen, dass sie dem Unternehmen einen wirtschaftlichen Schaden zufügen kann. Dabei ist nicht so sehr entscheidend, wie viele Flüge tatsächlich ausfallen. Allein die durch latente Streikdrohungen bestehende Unsicherheit kann Kunden zum Umbuchen auf andere Gesellschaften bewegen. Allerdings ist dies durch die AirBerlin-Pleite schwieriger geworden.

Die Erfahrungen mit ähnlich gelagerten Tarifauseinandersetzungen bei der Deutschen Lufthansa – dort haben die Piloten über mehr als 5 Jahre lang mit dem Unternehmen über neue Tarifverträge gestritten – und bei der Deutschen Bahn – Stichwort: Lokführer – zeigent: Bilateral lässt sich eine solche Machtprobe nicht so einfach auflösen. Hinzukommt, dass sich die Pressemitteilungen von Ryanair und VC widersprechen. Das Unternehmen spricht von einem guten Verhandlungsauftakt, die Gewerkschaft hat erklärt, dass erst gar keine Gespräche aufgenommen wurden. Solche Kommunikations- und Interpretationsprobleme kann ein Mediator überbrücken. Er hat die Aufgabe, zwischen den Parteien zu vermitteln und den Verhandlungsprozess in Gang zu setzen. Diese Option sollten beide Seiten nutzen – auch zum Wohle der Kunden.