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Vera Demary im Kölner Stadt-Anzeiger Interview 24. März 2018

Sharing Economy: „Der Profit-Gedanke steht an erster Stelle”

Die Sharing Economy hebelt den Kapitalismus nicht aus. Letztlich gab es so etwas ähnliches schon immer: Bibliotheken etwa, in denen Bücher ausgeliehen wurden. Das Neue ist nun, dass diese Geschäftsmodelle durch digitale Plattformen sehr gut organisiert sind. Ein Interview mit IW-Digitalisierungsökonomin Vera Demary im Kölner Stadt-Anzeiger.

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Widerspricht der Grundgedanke der Sharing Economy nicht im Kern der Idee der Gewinnmaximierung?

Das würde ich nicht sagen. Bei den meisten Sharing-Economy-Plattformen steht der Profit-Gedanke an allererster Stelle. Insofern sind sie typische kapitalistische Unternehmen. Auch für den einzelnen Anbieter spielen Zuverdienstmöglichkeiten eine entscheidende Rolle, wenn sie etwa ihre eigene Wohnung untervermieten. Es geht auch hier um Geld. Kapitalismus und Sharing Economy widersprechen sich nicht.

Trotz digitaler Konsumtempel wie Amazon oder Zalando liegt das Teilen von Gütern im Trend. Wie passt das zusammen?

Wir reden hier von unterschiedlichen Sektoren. Die Waren, die man bei diesen Online-Händlern kauft, wie Kleidung oder Elektrogeräte, sind im Sharing-Bereich kaum verbreitet. Hier sind Angebote stark, die sich mit langlebigen, teuren Gütern befassen, wie die Wohnung oder ein Auto.

Ist der Boom des Teilens Ausdruck einer Konsummüdigkeit?

Nein, auch eine Wohnung für ein paar Tage anzumieten, ist ja Konsum. Die Sharing Economy spricht aber eine andere Zielgruppe an als die traditionellen Verkaufsplattformen, schon aufgrund des Preises. Die meisten Sharer sind jüngere Menschen, während Verkaufsplattformen auch von vielen Älteren genutzt werden.

Woran liegt das? Hat sich unter jungen Menschen eine andere Konsummentalität entwickelt als bei deren Eltern?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen liegt das daran, dass junge Menschen immer noch häufiger im Internet unterwegs sind als ältere. Zum anderen müssen Junge oft auf den Preis schauen und Airbnb ist nun mal meist deutlich günstiger als ein Hotel.

Früher war es ein Statussymbol, ein eigenes Auto zu besitzen. Ist das in der jungen Generation anders?

Das ist eine Glaubensfrage. Einerseits gibt es einen Unterschied zwischen Städten, wo es oft sogar hinderlich ist, ein Auto zu haben und dem Land, wo das Auto oft immer noch ein Statussymbol ist. Andererseits unterscheiden sich auch die Lebensabschnitte stark. So wird es kaum Familien mit mehreren Kindern geben, die Carsharing-Angebote nutzen, weil es für sie kaum Sinn ergibt.

Warum vermieten Menschen ihr Auto oder ihre Wohnung an Fremde? Ist das reiner Altruismus?

Für Einige ist das sicherlich ein Motiv. Auch Themen wie Nachhaltigkeit oder Solidarität spielen für viele eine Rolle. Hier gibt es auch Plattformen wie Couchsurfing, auf der Schlafmöglichkeiten angeboten werden, die nichts kosten. Aber diese Angebote spielen im Gegensatz zu denen, für die Geld genommen wird, kaum eine Rolle. Der Hauptgrund ist für die meisten eher ein zusätzliches Einkommen.

Der US-Ökonom Jeremy Rifkin glaubt, dass die digitale Wirtschaft des Teilens zu einer sozialeren Weltordnung führen wird. Sehen Sie das auch so?

Ehrlich gesagt, nein. Ich glaube, das ist kein Zeichen dafür, dass wir jetzt alle sozialer werden.

Warum nicht?

Unter Nachbarn hat man sich schon immer geholfen, indem man sich Dinge wie eine Bohrmaschine geliehen hat. Die digitalen Plattformen erleichtern das Teilen zwar, aber es ist nicht so, dass uns das alle verändert. Sharing Economy ist vielmehr eine Möglichkeit, ökonomisches Bewusstsein bei Menschen zu entwickeln.

Die größten Plattformen auf dem Gebiet, Airbnb und Uber, sind amerikanische Firmen. Hinkt Europa hinterher?

Es gibt in Europa etwa den französischen Mitfahr-Anbieter Blablacar. Der wird zwar mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet. Im Vergleich zu den beiden genannten US-Firmen ist das aber sehr wenig.

Uber wird mit mehr als 50 Milliarden US-Dollar bewertet. Sind diese Summen gerechtfertigt oder ist das nicht mehr als eine Blase?

Das ist schwer zu beurteilen. Wer Geld in diese Startups investiert, erhofft sich eines Tages natürlich einen Cashflow. Wann der aber kommen wird und in welcher Höhe, kann ich nicht sagen.

Das Interview auf ksta.de

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