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Christiane Flüter-Hoffmann in der Stuttgarter Zeitung Interview 12. Juli 2022

„Mit Kind auf dem Schoß ist niemand produktiver“

Im Interview mit der Stuttgarter Zeitung verweist IW-Arbeitsmarktexpertin Christiane Flüter-Hoffmann auf eklatante Widersprüche in den Studien zur mobilen Arbeit – und rät Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, genau hinzuschauen.

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Frau Flüter-Hoffmann, an Studien zum Homeoffice mangelt es nicht. Sind die Ergebnisse deckungsgleich oder widersprüchlich?

Da werden häufig nicht alle Rahmenbedingungen mit bedacht. Wer nur Fragen nach dem sozial Erwünschten stellt, kriegt einen hohen Anteil von Homeoffice-Willigen. Wer aber auch nach der Kinderbetreuung fragt, erhält eine geringere Zustimmung. Es gibt viele unterschiedliche Parameter, die da eine Rolle spielen. Der eine Teil der Beschäftigen braucht den Austausch mit Vorgesetzten sowie Kollegen und ist froh, wieder ins Büro gehen zu können andere sehen sich zu Hause gut aufgehoben, etwa weil sie sich dort besser konzentrieren können. Es hängt auch davon ab, von welchen Aufgaben und Branchen die Rede ist.

Wie wird Homeoffice nach Corona genutzt?

Schon aus Vorsichtsgründen wird Homeoffice in den meisten Unternehmen weiter genutzt, wo es schon erfolgreich praktiziert wird. Wenn es nicht mehr um den Infektionsschutz geht, sondern um die Arbeitssituation, hängt es davon ab, wie gut die Leute ihre Aufgaben zu Hause erledigen können und wie die Zusammenarbeit im Team klappt. Wenn das alles gegeben ist, wird niemand etwas gegen Homeoffice haben. Wo es aber keine Vertrauenskultur gibt oder der Beschäftigte nicht zugeben will, dass er sich selbst nicht gut organisieren kann, funktioniert es nicht. Vielleicht erfordern es die Arbeitsprozesse, dass die Leute ein- oder zweimal in der Woche zusammenkommen, um neue Ideen oder gemeinsame Projekte zu entwickeln – je nachdem, woran gearbeitet wird. Der differenzierte Blick, bei dem die Arbeitgeber- und die Beschäftigtensicht berücksichtigt werden, ist auch unsere Empfehlung an die Bundesregierung, wenn im Herbst tatsächlich ein Gesetz zur mobilen Arbeit kommen sollte.

Was plant Bundesarbeitsminister Heil denn da?

Wir rechnen damit, dass es einen Erörterungsanspruch für die Beschäftigten geben wird und dass es stärker in Richtung Arbeitsschutz gehen wird.  Umgekehrt wollen die Arbeitgeber mehr Flexibilität beim Arbeitszeitgesetz. Da könnte man einen Wochenrahmen mit einer maximalen Arbeitszeit von 48 Stunden schaffen. Ich bin gespannt, ob Heil zu mehr Flexibilität bereit ist.

Inwieweit ist Homeoffice mit einem Verlust an Produktivität verbunden?

Da gibt es unterschiedliche, teilweise widersprüchliche Studien. Nach einer OECD-Studie steigt die Produktivität sogar, wenn es um kreative, komplexe Aufgaben geht, die die Leute gerne alleine erledigen. Sinken tut sie hingegen, wenn die Leute zu Hause nicht die richtigen Bedingungen vorfinden. So muss die Kinderbetreuung geregelt sein, damit sich die Leute auf ihre Aufgaben konzentrieren können – mit dem Kind auf dem Schoß arbeitet niemand produktiver als im Büro.

Müssen sich die Firmen anders organisieren?

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen haben anfangs gedacht: Das wird schon irgendwie klappen. Doch es klappt nicht irgendwie. Da habe ich mit vielen Geschäftsführern und Personalleitern gesprochen, die sagten: Das mussten wir mit unseren Führungskräften noch mal erläutern, wie solche Arbeitsprozesse neu organisiert werden. Auch die Kommunikation muss verstärkt angepasst werden – die Beschäftigten brauchen die Information, um sich im Homeoffice weiter mit dem Unternehmen zu identifizieren.

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