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(© Foto: querbeet/iStock)
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Michael Hüther in der Rhein-Neckar-Zeitung Interview 20. Dezember 2016

"Deutschland muss nach innen zusammenhalten"

Deutschland sollte international stärker als bisher eine Führungsrolle übernehmen. Das fordert der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Professor Michael Hüther, in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, das die Rhein-Neckar-Zeitung aufgegriffen hat. Er erwartet, dass die Beschäftigung in Deutschland 2017 erneut wächst.

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Welche Entwicklung wird Deutschland 2017 besonders prägen?

Meiner Einschätzung nach ist die zentrale Herausforderung, außenpolitische Sicherheit herzustellen. Wir stehen vor dem Beginn eines Jahres, das mit vielen grundlegenden Veränderungen verbunden ist, deren Bewegungsrichtung noch offen ist. Das hat mit der amerikanischen Präsidentschaftswahl zu tun, mit einer möglicherweise veränderten globalen Sicherheitsarchitektur. Das schlägt auf alles durch. Zumal die Gesellschaft im Augenblick sehr nach Sicherheit und Stabilität sucht. Dabei definiert die außenpolitisch fragile Situation auch den ökonomischen Spielraum. Wir sehen sehr deutlich, dass politische Unsicherheit die Schwäche der Investitionen recht gut erklärt. Deutschland muss sich dazu positionieren. Wenn wir Europa anschauen, haben wir so viele Zentrifugalkräfte, dass die eigentlich nur von der Mitte her gehalten werden können. Kurz gesagt: Deutschland wird die nie gern gewollte, aber doch faktisch immer deutlicher definierte Führungsrolle übernehmen müssen. So wie es schon in der Ukraine-Krise der Fall war, in der Euro-Krise - und teilweise in der Flüchtlingskrise. Deutschland kommt hier zwangsläufig die Führungsrolle in Europa zu.

Welcher große Trend wird - nach Digitalisierung, Globalisierung, Spaltung vieler Gesellschaften - in den kommenden fünf Jahren besonders wichtig?

Bei der Digitalisierung wird weiter viel passieren. Aber ich glaube nicht, dass es umstürzend wird, wie viele meinen. Es wird in Deutschland Industrie-getragen funktionieren. Der große Trend ist, dass wir uns der schwächer gewordenen gesellschaftlichen Bindungswirkung stellen müssen. Also ein politischer. Wir haben einen Vorteil: Wir sind ökonomisch, was die Einkommensverteilung angeht, nicht so zerklüftet wie die USA. Wir haben auch nicht so enorme regionale Ungleichheiten. Trotzdem: Wir dürfen nicht zulassen, dass die Gesellschaft die gemeinsame Sprachebene verliert. Das wäre das Schlimmste. Manche, die sich am rechten Rand breitmachen, setzen genau darauf. Wir müssen angesichts der äußeren Risiken die innere Bindung erhalten und klug damit umgehen.

Welches Produkt oder welche Entwicklung wird das Alltagsleben der Menschen hierzulande in den nächsten Jahren besonders stark verändern?

Da gibt es ein paar große, vor allem digitale Trends: Einer davon ist Künstliche Intelligenz. Das heißt, dass die Dinge Leistungen erbringen, die wir nie abgefragt haben, wie jetzt schon auf unseren Smartphones. Software wird selbsterkennende Lernprozesse in technischen Geräten in Gang setzen. Zum Beispiel bei Fotos, die wir gemacht haben. Da schlägt das Gerät dann fünf Köpfe vor, die oft auf bestimmten Bildern sind, fragt nach Namen und sucht alle anderen Fotos dazu raus. Wenn wir selbst Daten – wie Fotos – in die Systeme einspeisen, werden selbstlernende System uns noch mit manchem überraschen.

Wovor sollten sich die Deutschen 2017 besonders hüten?

Die Menschen sollen sich vor dem hüten, was in Deutschland immer mal gern gemacht wurde: Vermeintlichen Trends einfach hinterherzulaufen. Es gibt keinen globalen Trend des Populismus. Man kann aus der Reihung Brexit in Großbritannien, Trump-Wahl in den USA und Stärkung Le Pens in Frankreich solche Geschichten zwar formulieren. Wenn man genauer reinschaut, stellt man aber fest: Jedes Land hat seine eigene Geschichte. Brexit, also die Absage an die EU, ist ein totales Eliten-Versagen in England. Zu den USA: Wenn ich die Wählerzahlen sehe, hatte Trump weniger mobilisiert als der Demokrat John McCain - nur dass Hillary Clinton am Ende als Kandidatin noch weniger aus ihrem Potenzial mobilisiert hat. Was ich sagen will: Die Gesellschaft sollte sich nicht auf scheinbare Nachweise einlassen. Wir in Deutschland müssen das ernst nehmen, was bei uns an der Tagesordnung ist.

In Ihrem Themenbereich, wo sehen Sie 2017 die größten Chancen, wo die größten Risiken für Deutschland?

Ökonomisch und vor allem bezogen auf die Erwerbstätigkeit stehen wir hervorragend da. Nach unseren aktuellen Umfragen werden wir 2017 weiterhin Beschäftigungsaufbau erleben. Wir werden noch mal weitergehen Richtung 44 Millionen Erwerbstätige. Es waren 2006 noch weniger als 40 Millionen. Die Menschen sind zugleich besser in den Arbeitsmarkt integriert, es entstehen sehr viel mehr Chancen. Das sollten wir nicht gefährden. Ein großes Risiko ist, dass die Weltmärkte durch die außenpolitische Strategieoffenheit, die wir im Augenblick erleben, in Unsicherheit und Abschottung geraten. Das wäre das Schlimmste. Insofern sollte gerade Deutschland darauf setzen, dass am Freihandelsabkommen Ceta mit Kanada kein Zweifel mehr ist. Das wäre ein wichtiges Signal für Freihandel, von wir besonders profitieren.

Zum Interview auf rnz.de

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