1. Home
  2. Presse
  3. "Jeder trägt einen Teil der Last"
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Hagen Lesch in der Welt Interview 18. Februar 2010

"Jeder trägt einen Teil der Last"

Hagen Lesch, Tarifexperte im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, bewertet im Interview mit der Welt den Tarifabschluss in der Metall- und Elektro-Industrie.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Herr Lesch, wer ist der Gewinner bei diesem Abschluss?

Beide. Die Arbeitnehmer bekommen eine Lohnerhöhung, die ist allerdings ziemlich moderat. Die Einmalzahlung von 320 Euro für dieses Jahr ist, berechnet auf das Durchschnittstarifgehalt eines Metallarbeiters von 42 900 Euro, weniger als ein Prozent. Und im kommenden Jahr gibt es zwar im April die Erhöhung um 2,7 Prozent, die ersten drei Monate gibt es aber erst einmal gar nichts. Die Belastung für die Arbeitgeber hält sich dadurch in Grenzen. Vor allem die lange Laufzeit über zwei Jahre ist für sie ein Vorteil, sie können so gut planen.

Also siegen doch die Arbeitgeber?

Die Kurzarbeit kostet die Arbeitgeber ja auch Geld. Sie müssen auch bei Kurzarbeitern die vollen sechs Wochen Urlaub zahlen. Und die Arbeitnehmer bekommen Jobsicherheit.

Das gilt zunächst nur für die Kurzarbeiter.

Das stimmt. Unternehmen, die das wollen, haben weiterhin die Flexibilität, zu entlassen, zumindest diejenigen, die nicht in Kurzarbeit sind.

Die Parteien haben sich in einer Woche geeinigt. Wie war das möglich?

Die schnelle, vorgezogene Einigung war taktisch sehr klug. Denn so setzen die Tarifpartner die Politik unter Zugzwang. Sie hatten also ein großes Interesse daran.

Weil der Abschluss unter dem Vorbehalt steht, dass Kurzarbeit bis Mitte 2012 gefördert wird.

Genau. Jetzt steht die Politik quasi unter moralischer Verpflichtung, dem zuzustimmen. Sonst platzt ja der ganze Deal wieder. Und der Schuldige steht dann fest.

Ist die Beteiligung des Staates nicht problematisch?

Man kann das ein informelles Bündnis für Arbeit nennen, es ist die Fortführung dessen, was 2008 begonnen wurdeDie Krise wurde gemeinsam von Gewerkschaften, Arbeitgebern und der Politik gemanagt. Ich habe kein Problem damit, weil die Unternehmen durch Kurzarbeit finanziell belastet werden und die Arbeitnehmer einen Verdienstausfall haben. Jeder trägt einen Teil der Last.

Nun muss noch die Konjunktur anspringen.

Je länger die Kurzarbeit staatlich gefördert wird, desto größer ist die Gefahr, dass sie sich strukturkonservierend auswirkt, obwohl die Strukturen sich eigentlich anpassen müssten. Aber der Deal ist ja bis Mitte 2012 befristet.

Artikel im Original | PDF

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Eine Kritik am Richtlinienentwurf der EU-Kommission über angemessene Mindestlöhne
Christoph Schröder IW-Policy Paper Nr. 25 8. Oktober 2021

Brauchen wir einen europäischen Mindestlohn?

In vielen Ländern deutet sich in der Mindestlohnpolitik ein Paradigmenwechsel an oder ist bereits vollzogen. Anstatt als untere Auffanglinie die Beschäftigten vor Ausbeutung zu schützen, soll der Mindestlohn – möglichst ohne staatliches Zutun – einen ...

IW

Artikel lesen
Michael Hüther im Handelsblatt Interview 22. September 2021

Streitgespräch: Welche Folgen hat ein höherer Mindestlohn?

Zwölf statt 9,60 Euro Mindestlohn seien gut für Produktivität und Wachstum, sagt IMK-Chefökonom Sebastien Dullien. IW-Direktor Michael Hüther hält dagegen. Einig sind sich beide, wenn es um die Schwächen der Bundesregierung geht.

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880