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(© Foto: shaunl/iStock)
Interview 1. November 2016 Galina Kolev auf Orange by Handelsblatt

Freihandel mit Kanada: Strategie oder Fortschritt?

Das Handelsabkommen Ceta ist umstritten. Ablehnung gibt es vor allem deswegen, weil die Auswirkungen noch nicht zu hundert Prozent abgesehen werden können. IW-Handelsökonomin Galina Kolev erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt-Jugendportal Orange, welche wirtschaftliche Bedeutung Ceta hat, und welche Hintergedanken die EU haben dürfte.

Frau Kolev, es gab viel Hin und Her um das Freihandelsabkommen Ceta. Mittlerweile wurde es am vergangenen Freitag unterschrieben. Ist das gut oder schlecht?

Grundsätzlich ist Ceta positiv zu bewerten, weil allein durch die Abschaffung von Importzöllen etwa 600 Millionen Euro gespart werden sollen – das sind Steuern auf den Import aus Kanada, die am Ende von dem Endverbraucher zu tragen sind. So können dann niedrigere Preise für die Verbraucher entstehen und die Unternehmen können mehr investieren. Das führt im Endeffekt zu mehr Wirtschaftswachstum und höheren Einkommen. Kanada ist zwar nicht so bedeutend als Handelspartner wie etwa die USA, so dass ich mir kaum große wirtschaftliche Effekte hier in Deutschland vorstelle. Doch Ceta ist von strategischer Bedeutung – denn damit setzen wir die künftigen Standards der internationalen Handelspolitik.

Warum kämpfen so viele Menschen gegen Ceta?

Viele Menschen glauben, Ceta habe schlechte Auswirkungen auf deren Alltag. Umweltschützer zum Beispiel sind gegen genmodifizierte Produkte. Dafür sind die Regeln in anderen Ländern manchmal nicht so streng wie in der EU. Die meisten beschweren sich aber auch darüber, dass man so wenig von dem Verhandlungsprozess mitbekommen hat. Sie fühlen sich übergangen. Bei der vorläufigen Unterzeichnung geht es aber gar nicht um diese Alltagsfragen. Es geht zum Beispiel um Zölle. Und an den Zulassungsverfahren etwa von genmodifizierten Produkten wird Ceta nichts ändern.

Wenn zum Beispiel eine Firma eine Maschine aus Kanada kauft, müsste sie mit Ceta keine Extra-Kosten an der Grenze bezahlen.

Was heißt das für den einzelnen Verbraucher und vor allem für junge Leute?

Der Zollabbau gilt zu nahezu hundert Prozent. Das heißt konkret: Wenn zum Beispiel eine Firma eine Maschine aus Kanada kauft, müsste sie mit Ceta keine Extra-Kosten an der Grenze bezahlen.

Die Gegner reden davon, dass Gesundheit, Bildung, Energieversorgung und sogar Kultur und Freizeit davon betroffen sein werden. Welche Auswirkungen wird das Abkommen haben?

Ich glaube nicht, dass es Auswirkungen in diesen Bereichen geben wird. In dem Vertrag gibt es explizit Passagen beispielsweise zu Wasserversorgung und Bildung. Auf kommunaler Ebene haben die Betroffenen selbst bestätigt, dass der Text aus ihrer Sicht unproblematisch ist.

Aber das Abkommen würde doch in jedem Falle etwas verändern? Sonst wären doch auch nicht die Politiker so hinter her, es zu unterschreiben, oder?

Für mich ist entscheidend, dass der Schritt eine strategische Bedeutung hat. Es geht bei Ceta nicht nur um wirtschaftliche Vorteile und Kostenreduktion. Es geht darum, die Globalisierung – unsere sich verändernde, immer größer werdende, vernetzte Welt – mitzugestalten.

Zum Interview auf orange.handelsblatt.com

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