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Sonja Beer in der Fuldaer Zeitung Gastbeitrag 8. Juli 2020

Russland im Corona-Stress

Die Corona-Krise hat Russland fest im Griff. Nach jüngsten Daten wurden bisher fast 690.000 Infizierte und mehr als 10.000 Todesfälle in Russland registriert. Nur die USA, Brasilien und Indien sehen sich noch höheren Infektionszahlen ausgesetzt, schreibt IW-Ökonomin Sonja Beer in einem Gastbeitrag für die Fuldaer Zeitung.

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Nicht nur der Lockdown macht Russland zu schaffen, sondern auch die massive Abhängigkeit vom Rohöl. In den 2000er Jahren sorgte das schwarze Gold für einen wirtschaftlichen Aufschwung. In der Corona-Krise wird der geringe Ölpreis jedoch zum Problemfall. Durch Corona ist die weltweite Nachfrage nach Öl stark eingebrochen, was wiederum einen Verfall der Ölpreise ausgelöst hat. Obwohl der Preis für die russische Erdölsorte Urals Anfang des Jahres bei 61,7 US-Dollar/Barrel gehandelt wurde, erreichte Urals-Öl Ende Juni lediglich 41,4 US-Dollar/Barrel. Diese Entwicklungen hatten auch negative Konsequenzen auf die russische Landeswährung und damit auf die stark importabhängige Wirtschaft. Der Rubel ist seit Anfang des Jahres um 12 Prozent zurückgegangen.

Die negativen Effekte der Corona-Krise werden neben Sanktionen und ausgeprägter Korruption sowie Bürokratie und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit, das Wirtschaftswachstum Russlands weiter beeinträchtigen. Der IMF prognostiziert einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 6,6 Prozent im Jahr 2020. Die russische Industrieproduktion ging im April bereits um 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Vor allem die Gewinnung von Öl und Gas, Metallerzen sowie Kohle trug zum verlangsamten Wachstum der Industrieproduktion bei. Ebenso stieg die Arbeitslosenquote auf 5,8 Prozent an (von 4,7 Prozent im März) und der Einzelhandelsumsatz reduzierte sich um 23,4 Prozent. Wie indirekte Konjunkturindikatoren signalisieren, wird sich die schwache Wirtschaftstätigkeit fortsetzen.

Die Handelsbeziehungen Russlands mit Deutschland sind nicht nur durch Corona, sondern bereits seit der Einführung der gegenseitigen Wirtschaftssanktionen im Jahr 2014 spürbar belastet. Dennoch ist Deutschland stets einer der wichtigsten Handelspartner Russlands. Deutschland war im Jahr 2019 das zweitwichtigste Lieferland und das drittwichtigste Abnehmerland Russlands. Deutschland exportierte vor allem Maschinen, sonstige Fahrzeuge, pharmazeutische Erzeugnisse sowie elektronische Geräte nach Russland. Obgleich Russland aus deutscher Sicht nicht zu einem der wichtigsten Handelspartner zählt, hat Russland den Platz als einer der wichtigsten Energielieferanten für Deutschland inne. 36 Prozent der gesamten Kohleimporte Deutschlands kommen aus Russland. Beim Rohöl liegt der Importanteil Deutschlands bei rund 33 Prozent. Die umstrittene Nord Stream-2-Pipeline soll auch zukünftig die Erdgasimporte Deutschlands aus Russland erhöhen.

Als Antwort auf die Krise hat die Bank of Russia im Juni den Leitzins um 100 Basispunkte auf 4,5 Prozent pro Jahr gesenkt und die Regierung Finanzhilfen angekündigt. Ferner versucht Russland als Reaktion auf die Sanktionen bereits seit Jahren den Staatshaushalt mit Sparmaßnahmen zu stärken sowie Reserven aufzubauen um damit resistenter gegenüber der Krise zu werden. Ob diese Maßnahmen ausreichen werden um die Wirtschaft anzukurbeln, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch gewiss: Sowohl die Wirtschaft als auch die Handelsbeziehungen werden in den nächsten Monaten auf die Probe gestellt.

 

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