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Wido Geis-Thöne IW-Report Nr. 6 2. Februar 2022 Wanderungsbewegungen im Lebenslauf und regionale Bevölkerungsentwicklung

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist Deutschland in zunehmendem Maße auf Zuwanderung angewiesen, um Wachstum und Wohlstand zu sichern. Dabei müssen auch die Akteure auf kommunaler Ebene aktiv werden und eine eigene regionale Migrations- und Demografiepolitik gestalten.

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Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist Deutschland in zunehmendem Maße auf Zuwanderung angewiesen, um Wachstum und Wohlstand zu sichern. Dabei müssen auch die Akteure auf kommunaler Ebene aktiv werden und eine eigene regionale Migrations- und Demografiepolitik gestalten.

Insbesondere gilt das in den von starker Abwanderung betroffen Regionen, wo zunächst darauf hingewirkt werden sollte, die dort aufgewachsenen jungen Menschen zu halten oder nach dem Studium zurückzugewinnen. Hierfür sind gute Lebensbedingungen für Jugendliche und junge Heranwachsende sehr wichtig, da sie die Einstellung zur Region sehr stark prägen können. Auch können Rückkehrinitiativen und eine gezielte Vermarktung der Region als attraktiver Wohn- und Arbeitsort hilfreich sein.

Ein großes Problem ist an dieser Stelle, dass sich der tatsächliche Problemdruck nur schwer fassen lässt, da die Wanderungsbewegungen im Lebenslauf sehr unterschiedlichen regionalen Mustern folgen. So ist mit Erreichen der Volljährigkeit zunächst eine starke Bewegung in die Kreise mit großen akademischen Einrichtungen zu verzeichnen, die sich in der Mitte der dritten Lebensdekade teilweise umkehrt. Nun verlieren die ländlicheren Hochschulstandorte wieder Bevölkerung, wohingegen die großen Metropolen auch weiterhin einen starken Zuzug erleben. In der vierten Lebensdekade ändert sich das erneut und es ist vorwiegend eine Bewegung aus den größeren Städten ins Umland zu beobachten. Ein Indikator, der all diese Wanderungsbewegungen gleichermaßen in den Blick nimmt, lässt sich mittels einer Verknüpfung der Bevölkerungsveränderungen in den verschiedenen Geburtsjahrkohorten während der letzten fünf Jahre bilden. Betrachtet man die sich ergebenden Veränderungen der Bevölkerungsgrößen zwischen einem Alter von 10 bis 14 Jahren und einem Alter von 45 bis 49 Jahren, kommt man für die meisten Kreise auf Werte im zweistelligen Bereich, die für die demografische Entwicklung insgesamt hochrelevant sind. Auf der einen Seite stehen der Saale-Holzland-Kreis mit -37,7 Prozent und der Landkreis Lüchow-Dannenberg mit -36,9 Prozent und auf der anderen die kreisfreien Städte Leipzig mit +221,4 Prozent und Potsdam mit +197,1 Prozent. Zuwanderungsschwerpunkte bilden auch die anderen großen Metropolen, wohingegen der ländliche Raum in Ostdeutschland stark an Bevölkerung verliert. Ähnliche regionale Muster und Größenordnungen finden sich auch, wenn man die Entwicklung der Geburtsjahrgänge 1981 bis 1985 zwischen den Jahren 2000 und 2020 betrachtet. Allerdings ist das Gesamtbild deutlich negativer, da die historisch außergewöhnlich starke Zuwanderung der letzten Jahre hier weniger zum Tragen kommt.

Rechnet man die Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren in den Jahren 2020 bis 2030 auf Basis der Veränderungen der letzten fünf Jahre hoch, findet sich ein starkes Stadt-Land- und West-Ost-Gefälle. Die positivsten Werte ergeben sich für die kreisfreien Städte Leipzig mit +18,3 Prozent und Potsdam mit +17,6 Prozent und die negativsten für die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt mit -26,4 Prozent und Spree-Neiße mit -26,2 Prozent. Dabei ist im Blick zu behalten, dass in dem, aktuellen Fünfjahreszeitraum, der den Berechnungen zugrunde liegt, eine sehr starke Zuwanderung aus dem Ausland erfolgt ist. Nimmt man nur die Inländer in den Blick, ergibt sich sowohl bei der Gesamtzuwanderung im Lebenslauf als auch bei der Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in den meisten Regionen ein deutlich negativeres Bild. Allerdings kann und sollte auch die regionale Demografie- und Migrationspolitik die Zuwanderung aus dem Ausland in den Blick adressieren. Gerade für kleinere Städte und Gemeinden kann es hier sinnvoll sein, den Schwerpunkt nur auf eine Herkunftsregion zu richten und so die Entstehung einer starken ethnischen Gemeinschaft zu ermöglichen, die sich auf die weitere Zuwanderung und den Verbleib der Zuwanderer in der Region sehr förderlich auswirken kann.

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