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IW-Kurzbericht Nr. 85 30. September 2025 Wido Geis-Thöne Internationale Studierende sind auf Wohnheimplätze angewiesen

Insbesondere bei einer Einreise kurz vor Studienbeginn ist es für internationale Studierende sehr schwer, am freien Wohnungsmarkt passenden studiengerechten Wohnraum zu finden. So lebten im Jahr 2021 rund 46,2 Prozent von ihnen, aber nur 13,1 Prozent der anderen Studierenden, in Wohnheimen.

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Internationale Studierende sind auf Wohnheimplätze angewiesen
IW-Kurzbericht Nr. 85 30. September 2025 Wido Geis-Thöne

Internationale Studierende sind auf Wohnheimplätze angewiesen

Wido Geis-Thöne Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Insbesondere bei einer Einreise kurz vor Studienbeginn ist es für internationale Studierende sehr schwer, am freien Wohnungsmarkt passenden studiengerechten Wohnraum zu finden. So lebten im Jahr 2021 rund 46,2 Prozent von ihnen, aber nur 13,1 Prozent der anderen Studierenden, in Wohnheimen.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist Deutschland in zunehmenden Maße auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen, um Wachstum und Wohlstand zu sichern. Dabei ist der Kreis der Personen, die über entsprechende Qualifikationen verfügen und potenziell für eine Zuwanderung gewonnen werden können, weltweit beschränkt. Jedoch lässt er sich erweitern, indem junge Menschen gezielt auch bereits zur (hochschulischen) Ausbildung ins Land geholt werden. Dies hat auch den Vorteil, dass ihre hier erworbenen Kompetenzen passgenauer den Anforderungen des deutschen Arbeitsmarkts entsprechen. Die Zuwanderung internationaler Studierender rechnet sich bereits bei beschränkten Verbleibquoten nicht nur gesamtwirtschaftlich, sondern auch fiskalisch, wie aktuelle Berechnungen von Geis-Thöne et al. (2025) zeigen. 

In diesem Kontext ist nicht entscheidend, welche finanziellen Mittel die Studierenden aus dem Ausland mitbringen, sondern, dass sie über ein günstiges qualifikatorisches Ausgangsniveau verfügen, möglichst Engpassfächer wählen und eine hohe Neigung haben, über den Abschluss hinaus langfristig im Land zu bleiben. So sollte der Zugang an die Hochschulen auch Personen mit beschränkten Budgets möglichst leicht gemacht werden. Ein zentraler Punkt ist hierbei das Thema Wohnraum, der bei einem weitgehenden Verzicht auf Studiengebühren, wie in Deutschland, in der Regel den mit weitem Abstand größten Ausgabenposten der Studierenden darstellt.

Allerdings haben die internationalen Studierenden insbesondere bei Studienbeginn große, strukturelle Nachteile am freien Wohnungsmarkt. Können sich Studierende aus dem Inland gegebenenfalls bereits frühzeitig am Hochschulstandort um Wohnraum bemühen, ist für Studierende aus Drittstaaten die Anreise dorthin häufig bereits aus aufenthaltsrechtlicher Sicht erst kurzfristig vor Studienbeginn möglich. Dann sind attraktive studiengerechte und preisgünstige Wohnraumangebote jedoch zumeist bereits vergeben. Zwar ist es auch möglich, aus dem Ausland einen Mietvertrag zu schließen, jedoch möchten sich die meisten der vorwiegend privaten Eigentümer von den Interessenten ein persönliches Bild machen. Hinzu kommt, dass die Vermietung an internationale Studierende für sie ein gewisses Risiko darstellt, da sie nach einer Rückkehr gegebenenfalls noch bestehende Ansprüche aus einem Mietverhältnis kaum mehr durchsetzen können. So haben internationale Studierende, unabhängig von ihren Budgets, häufig Schwierigkeiten, am privaten Markt überhaupt eine geeignete Wohnung zu finden. 

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Über die Wohnformen der internationalen Studierenden liefert die vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) durchgeführte Studierendenbefragung Aufschluss. Sie ist repräsentativ und mit insgesamt 187.935 beobachteten Fällen im Jahr 2021 auch für kleinere Studierendengruppen sehr aussagekräftig (Becker et al., 2024a). Allerdings arbeiteten die Hochschulen im hier betrachteten Jahr 2021 vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie nicht im Regelbetrieb, sondern sehr stark im digitalen Raum, was sich teilweise auch auf die Wohnortwahl der Studierenden ausgewirkt haben kann. Abweichend vom eigentlichen Ansatz der Studierendenbefragung werden im Folgenden Personen, die in Deutschland geboren sind und über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügen, grundsätzlich nicht den internationalen Studierenden zugerechnet. Ansonsten wird, wie dort, die ausländische Hochschulzugangsberechtigung als Abgrenzungskriterium verwendet. Insgesamt ergeben sich so 11.794 Fälle (Becker et al., 2024a; eigene Berechnungen).

Mit 46,2 Prozent lebte im Jahr 2021 fast die Hälfte der internationalen Studierenden in einem Wohnheim, wohingegen dies mit 13,1 Prozent auf weniger als ein Siebtel der anderen Studierenden zutraf. Dabei war der Anteil, wie vor dem Hintergrund der unterschiedlichen aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen zu erwarten, bei den Studierenden aus dem außereuropäischen Bereich mit 52,5 Prozent wesentlich höher als bei Studierenden aus Europa mit 34,4 Prozent. Auch lebten internationale Studierende mit Einnahmen von weniger als 900 Euro im Monat mit einem Anteil von 52,5 Prozent wesentlich häufiger im Wohnheim als internationale Studierende mit höherem Budget mit einem Anteil von 34,6 Prozent. Zudem war der Anteil bei den männlichen internationalen Studierenden mit 49,2 Prozent deutlich höher als bei den weiblichen mit 42,4 Prozent (Becker et al., 2024b; eigene Berechnungen). 

Differenziert man nach der Art des Studiengangs, lebten internationale Studierende im Masterstudium mit einem Anteil von 49,5 Prozent wesentlich häufiger in einem Wohnheim als internationale Studierende in einem Bachelorstudium mit nur 37,7 Prozent, wobei viele internationale Studierende erst zum Masterstudium nach Deutschland kommen. Bei anderen angestrebten Abschlüssen lag der Anteil bei 42,2 Prozent. Zudem lebten die internationalen Studierenden in MINT-Fächern mit 51,6 Prozent weit häufiger in Wohnheimen als die internationalen Studierenden in anderen Fächern mit 40,5 Prozent. Dies kann den Geschlechterunterschied weder (vollständig) erklären noch wird er durch ihn erklärt, da die Unterschiede auch bei entsprechender Differenzierung bestehen bleiben (Becker et al., 2024b; eigene Berechnungen). 

Hingegen war der Unterschied zwischen den internationalen Studierenden an Universitäten, pädagogischen, theologischen und Kunsthochschulen mit einem Wohnheimanteil von 44,9 Prozent und internationalen Studierenden an Fachhochschulen und weiteren Hochschulen mit 49,1 Prozent relativ überschaubar und wird noch kleiner, wenn man nach Art der Fächer differenziert. So lebten 50,6 Prozent der MINT-Studierenden an den Universitäten und weiteren oben genannten Hochschulen und 53,4 Prozent der MINT-Studierenden an den Fachhochschulen und verbleibenden Hochschulen in Wohnheimen, wohingegen dies nur auf 39,8 Prozent der anderen internationalen Studierenden an den Universitäten usw. und 42,6 Prozent der anderen internationalen Studierenden an den Fachhochschulen usw. zutraf. Vergleichsweise klein war auch der Unterschied zwischen den internationalen Studierenden in den ersten vier Hochschulsemestern mit 48,9 Prozent und in weiteren Abschnitten des Studiums mit 42,4 Prozent, was  sich mit während des Studiums fortbestehenden Nachteilen am privaten Wohnungsmarkt erklären lässt(Becker et al., 2024b; eigene Berechnungen). 

Dabei können sowohl nachfrage- als auch angebotsseitige Effekte einen Einfluss darauf haben, wie viele internationale Studierende in Wohnheimen leben. So war die Zahl der inländischen Studierenden in den MINT-Fächern, anders als in anderen Studienbereichen, in den letzten Jahren rückläufig (Geis-Thöne, 2024), womit sich auch der Wohnungsmarkt im Umfeld der technischen Hochschulen entspannt haben und in den dortigen Wohnheimen Kapazitäten freigeworden sein dürften. Im Hinblick auf die Integration kann es sehr vorteilhaft sein, wenn internationale Studierende zumindest in der ersten Phase nach ihrer Einreise in Wohnheimen wohnen und dort Kontaktpunkte zu Studierenden aus dem Inland erhalten. In der Regel ist dies auch sichergestellt, da die internationalen Studierenden im Jahr 2021 unter den Bewohnern der Wohnheime mit 35,1 Prozent in der Minderheit waren (Becker et al., 2024b; eigene Berechnungen). Gerade im Umfeld von Hochschulen mit einem hohen Anteil internationaler Studierender sollte bei der (sprachlichen) Integration darauf geachtet werden, dass Wohngruppen nicht überwiegend aus zugewanderten Personen zusammengesetzt sind.

Um den Verbleib der internationalen Studierenden im Land zu fördern, sollte ihnen – insbesondere in den höheren Semestern – auch eine gezielte Unterstützung bei der Suche nach passendem Wohnraum außerhalb der Wohnheime angeboten werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie nach Studienende ihre Berechtigung zur Nutzung der Wohnheime verlieren und nicht unmittelbar eine andere für sie finanzierbare Wohnung finden, was einen weiteren Aufenthalt und damit auch die Aufnahme einer qualifikationsadäquaten Beschäftigung in Deutschland nahezu unmöglich machen kann. Prinzipiell können hier auch entsprechende Kulanzregeln in den Wohnheimen Abhilfe schaffen. Jedoch sind diese nicht unkritisch zu sehen, wenn die Nachfrage nach den Wohnheimplätzen das Angebot deutlich übersteigt. In solchen Fällen sollten die internationalen Studierenden auch bei der Platzvergabe nicht zu stark bevorzugt werden, um Akzeptanzprobleme bei den Studierenden aus dem Inland zu vermeiden.  

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