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IW-Kurzbericht Nr. 70 13. Oktober 2026 Stefanie Seele KI-Nähe des Berufs bisher kein Nachteil auf dem Arbeitsmarkt

Die KI-nahe Beschäftigung gewinnt in Deutschland an Bedeutung. Dies liegt auch daran, dass der Beschäftigungsanteil von Fachkräften sinkt und jener von Experten und Spezialisten zunimmt.

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IW-Kurzbericht 70/2026
IW-Kurzbericht Nr. 70 13. Oktober 2026 Stefanie Seele

KI-Nähe des Berufs bisher kein Nachteil auf dem Arbeitsmarkt

Stefanie Seele Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die KI-nahe Beschäftigung gewinnt in Deutschland an Bedeutung. Dies liegt auch daran, dass der Beschäftigungsanteil von Fachkräften sinkt und jener von Experten und Spezialisten zunimmt.

KI-nahe Beschäftigte weisen keine auffälligen Arbeitsplatzrisiken auf. Sie sind ähnlich häufig arbeitslos wie KI-ferne Beschäftigte, wechseln jedoch häufiger den Betrieb.

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag mit 35,0 Millionen Personen im Dezember 2025 rund 3,7 Prozent höher als im Dezember 2019. Davon wiesen 34,3 Millionen Arbeitgebermeldungen eine berufliche Tätigkeit der Beschäftigten aus; wovon knapp 12,4 Millionen sogenannte KI-nahe Tätigkeiten ausübten. Der Begriff KI-Nähe drückt aus, in welchem Grad die berufliche Tätigkeit in Berührung mit künstlicher Intelligenz kommen könnte, jedoch nicht, ob sie tatsächlich eingesetzt wird. Der Indikator der KI-Nähe beruht auf dem Technologiestand des Jahres 2021 von zehn unterschiedlichen KI-Anwendungen (Seele, 2024).

Die KI-Nähe steigt mit dem beruflichen Anforderungsniveau. Zuletzt übten nur 5 Prozent der Helfer KI-nahe Tätigkeiten aus. Unter den Fachkräften galt dies für ein Viertel. Dagegen kann das Aufgabenspektrum von jedem zweiten Spezialisten und 88 Prozent der Experten als KI-nah bezeichnet werden.

Seit Dezember 2019 ist die KI-nahe Beschäftigung um 8,3 Prozent gewachsen, was einem kumulativen Beschäftigungsplus von 944.860 entspricht. Die Abbildung zeigt, welche Faktoren im Beobachtungszeitraum von Dezember 2019 bis Dezember 2025 welchen Wachstumsbeitrag für die Entwicklung der KI-nahen Beschäftigung aufweisen (siehe Methodik der Shift-Share-Analyse, Kasten Seite 3).

Den größten Anteil mit einem Plus von 427.553 KI-nahen Beschäftigten hatte das allgemeine Beschäftigungswachstum (Niveaueffekt) auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Hinzukommt der Trend zur Akademisierung der Beschäftigung – also die Verschiebung weg von Fachkräften hin zu mehr Spezialisten und Experten. Die Akademisierung bewirkte ebenfalls einen großen Anteil am Beschäftigungsplus in Höhe von 420.493.

Auch innerhalb der Anforderungsniveaus können KI-nahe Tätigkeiten und Berufe an Bedeutung gewinnen während KI-ferne verlieren. In Summe spielt dieser Effekt aber eine deutlich kleinere Rolle mit einem Plus von 117.725 KI-nahen Beschäftigten. Dies liegt vor allem daran, dass innerhalb der Fachkräfte die KI-nahe Beschäftigung um 238.031 zunahm, aber bei den Spezialisten die KI-nahe Beschäftigung um 134.558 abnahm, womit sich der Gesamteffekt deutlich kleiner darstellte. Einem kleinen Rückgang KI-naher Beschäftigung innerhalb der Helfertätigkeiten (-13.357) steht ein etwas größerer, gleichwohl moderater Zuwachs innerhalb der Experten (+27.609) gegenüber. 

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Den kleinsten Beitrag hat mit einem Minus von 20.910 KI-nahen Beschäftigten der sogenannte Interaktionseffekt, welcher sich als Restgröße aus der Summe der drei erst genannten zum Gesamteffekt ergibt. Er ist negativ, wenn der Struktureffekt und die Verschiebung innerhalb des Anforderungsniveaus wie beispielsweise bei den Fachkräften gegenläufig sind. Bei den Fachkräften übersteigt der negative Struktureffekt die positive Verschiebung innerhalb der Fachkräfte hin zu KI-nahen Berufen um -129.317, weshalb sich ein negativer Interaktionseffekt als Restwert ergibt.

Selbst wenn der kürzere Zeitraum vom Dezember 2024 bis Dezember 2025 betrachtet wird, in dem die Gesamtbeschäftigung in Deutschland rückläufig war, wächst das Niveau der KI-nahen Beschäftigung leicht. Zwar ändern sich die Vorzeichen für den kürzeren Zeitraum vom Niveaueffekt sowie vom Effekt innerhalb der Anforderungsniveaus zum Negativen im Vergleich mit der Abbildung, aber der Struktureffekt dominiert mit +42.835 KI-nahen Beschäftigten als größter Effekt die Wachstumsbeiträge.

In Summe für den Zeitraum 2019 bis 2025 stieg das Gewicht der KI-nahen Beschäftigung über alle Anforderungsniveaus im deutschen Arbeitsmarkt von 2019 bis 2025 um 1,5 Prozentpunkte deutlich. Aus den Beschäftigtendaten der Bundesagentur für Arbeit ist demnach kein Arbeitsplatzabbau KI-naher Beschäftigung zu erkennen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn individuelle Erwerbsverläufe betrachtet werden. So zeigt eine aktuelle IW-Auswertung der SIAB-Daten (siehe Kasten auf Seite 3), dass Beschäftigte mit KI-nahen Tätigkeiten bis zum Jahr 2023 vergleichbar selten von Arbeitslosigkeitsperioden bis zu einer Dauer von einem Jahr betroffen waren wie KI-ferne Beschäftigte (vergleiche Online-Anhang). Dennoch wechselten KI-nahe Beschäftigte etwas häufiger den Betrieb. Das kann darauf hindeuten, dass ihre Qualifikationen auch in anderen Betrieben gefragt sind, was ein Zeichen für Knappheiten von KI-nahem Arbeitsangebot sein könnte.

Bisherige Implikationen

Weder auf aggregierter Beschäftigungsebene noch in der Individualbetrachtung zeigen sich KI-nahe Beschäftigungsverluste. Eine Entwarnung lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. KI-Nähe beschreibt, wie stark eine Tätigkeit mit KI in Berührung kommen könnte. Ob KI dort tatsächlich eingesetzt wird, misst sie jedoch nicht. Außerdem beruht der Indikator auf dem Stand der Technik von 2021, und die individuelle Mobilitätsanalyse deckt den Zeitraum nur bis 2023 ab. Die schnelle Verbreitung generativer KI seit Ende 2022 ist daher nur ansatzweise enthalten. In einem Robustheitscheck für den Zeitraum Dezember 2024 bis Dezember 2025 wächst trotz negativem allgemeinen Beschäftigungstrend die KI-nahe Beschäftigung geringfügig weiter.

Technologischer Wandel wirkt sich meist mit Verzögerung auf Beschäftigung aus. Denn Betriebe passen zuerst Prozesse, Tätigkeitsprofile und Neueinstellungen an. Entlassungen oder weniger Zugänge in bestimmte Berufe folgen häufig erst später. Deshalb sollte weiter beobachtet werden, wie sich KI-nahe Beschäftigung, Übergänge in Arbeitslosigkeit und Einstiegschancen von Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern entwickeln.

IW-Analyse der SIAB-Daten

Die Mobilitätsanalyse auf Individualebene der Stichprobe der Integrierten Arbeitsmarktbiografien (SIAB – Version 7523 V2 vom IAB, Graf et al., 2025) beschränkt sich auf Personen, die zum 30. Juni 2012 sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, und deren Beschäftigungsstatus ebenfalls jeweils zum Stichtag 30. Juni in den Folgejahren bis einschließlich 2023 beobachtet werden kann. Beschäftigte, die zum Beispiel ab 2013 auf den Arbeitsmarkt kamen oder vor 2023 in den Ruhestand wechselten, sind in der Analyse nicht enthalten.

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DOI: 10.67087/19.21641

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