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Lebenszufriedenheit Wirtschaft und Ethik 10. Dezember 2015 Schenken macht glücklich

Schenken und Spenden können nicht nur den Empfänger glücklich machen, sondern auch den Absender. Allerdings darf der Akt der Nächstenliebe nicht zur lästigen Pflicht werden.

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Schenken und Spenden können nicht nur den Empfänger glücklich machen, sondern auch den Absender. Allerdings darf der Akt der Nächstenliebe nicht zur lästigen Pflicht werden.

Schenken ist seit Jahrhunderten in unserer Gesellschaft weitverbreitet. Aber warum schenken wir anderen etwas, ohne zu wissen, ob wir auch etwas zurückbekommen? Welche Wirkung hat das Geschenk auf das Wohlbefinden des Schenkenden? Dieser Frage ging die französische Psychologin Nicole Aknin (2013) zusammen mit weiteren Wissenschaftlern nach. Dafür werteten sie Daten der weltweiten Befragung Gallup World Poll aus, für die in bereits 160 Ländern jeweils rund 1.000 Einwohner ab 15 Jahren befragt werden. Unter anderem wird erhoben, ob die Befragten im vergangenen Monat Geld gespendet hatten. Zwei weitere Fragen geben Aufschluss darüber, wie zufrieden die jeweilige Person mit ihrem Leben ist. Die Analyse der Daten zeigt einen positiven Zusammenhang in 120 von 136 Ländern: Menschen, die Geld gespendet hatten, waren zufriedener mit ihrem Leben. Der Effekt war im Durchschnitt sogar so stark wie eine Verdopplung des Einkommens und wurde sowohl in reichen als auch in armen Ländern beobachtet.

In einem Experiment mit 276 Studenten in Kanada und Südafrika konnten dieselben Wissenschaftler ihre Befunde bestätigen. Zu Beginn des Experiments sollten die Teilnehmer unter anderem ihr aktuelles Wohlbefinden und ihre allgemeine Lebenszufriedenheit auf einer Skala bewerten. Anschließend erhielten sie einen Geldbetrag als Aufwandsentschädigung für die Teilnahme an der Studie. Das Geld konnten die Studenten behalten oder eine Tüte mit Geschenken von höherem Wert für sich oder für ein Kind aus einem nahegelegenen Krankenhaus kaufen. Danach mussten sie erneut ihre Stimmung und Lebenszufriedenheit angeben. Eine Auswertung der Antworten zeigte: Die Studenten, die das Geld für ein krankes Kind gespendet hatten, waren danach in deutlich besserer Stimmung als die anderen Teilnehmer. Der Effekt wurde sowohl im reichen Kanada als auch im ärmeren Südafrika gefunden. Andere zu beschenken macht also glücklich, unabhängig davon, wieviel man selber hat.

Die Psychologen um Nicole Aknin konnten auch zeigen, dass dies schon bei Kleinstkindern gilt. Das Alter ist besonders interessant, da in dieser Phase die Reaktionen noch spontaner und unbeeinflusster sind als bei Erwachsenen. Jedem der Kinder wurde zunächst eine Puppe vorgestellt. Danach wurden den Kindern Süßigkeiten geschenkt, von denen sie in der dritten Stufe einen Teil der ihnen gegenübersitzenden Puppe abgeben sollten. In allen Stufen wurde erfasst, wie glücklich die Kinder waren. Auch hier zeigte sich: Die Kinder freuten sich in dem Moment, in dem sie ihren Besitz teilen konnten, stärker, als in der zweiten Stufe des Experiments, in der sie selbst die Süßigkeiten geschenkt bekamen (siehe Abbildung).

Ein zentraler Grund für den Zusammenhang von positiven Gefühlen und Schenken ist die Rolle sozialer Beziehungen. Diese sind ein menschliches Grundbedürfnis und lassen sich getreu dem Motto „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“ stärken – aber nur, wenn dies freiwillig geschieht. Zwei weitere Experimente, bei denen die Reaktionen durch Aufzeichnungen der Gehirnaktivitäten erfasst wurden, zeigten: Bei freiwilligen Spenden wird das Belohnungssystem im Gehirn sehr viel stärker aktiviert als bei erzwungenen. Wird Schenken zur Weihnachtszeit also zur lästigen Pflicht, sollte man andere Formen finden, um seine Nächstenliebe zu zeigen.

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