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IW-Report Nr. 25 18. Mai 2026 Samina Sultan / Daniel Gros* / Niccolò Rotondi* US-Zölle: Ein Deal ist ein Deal?

Dieser Report gibt einen Überblick über die effektiven US-Importzollsätze gegenüber ihren wichtigsten Handelspartnern im Jahr 2025 und in den ersten Monaten des Jahres 2026.

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An empirical analysis of the effective US import tariff rates on the EU, China and others
IW-Report Nr. 25 18. Mai 2026 Samina Sultan / Daniel Gros* / Niccolò Rotondi*

US-Zölle: Ein Deal ist ein Deal?

Eine empirische Analyse der effektiven US-Zollsätze auf Importe aus der EU, China und anderen Ländern

Samina Sultan / Daniel Gros* / Niccolò Rotondi* Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Dieser Report gibt einen Überblick über die effektiven US-Importzollsätze gegenüber ihren wichtigsten Handelspartnern im Jahr 2025 und in den ersten Monaten des Jahres 2026.

Unsere Analyse zeigt, dass der durchschnittliche effektive bilaterale US-Zollsatz auf Importe aus der Europäischen Union (EU) vom sogenannten „Liberation Day“ im April 2025 bis Februar 2026 lediglich bei 7,8 Prozent lag. Dies ist deutlich niedriger als die damals angekündigten Zollsätze. Für einige EU-Mitgliedstaaten lagen die effektiven Zollsätze etwas höher, insbesondere dort, wo das verarbeitende Gewerbe einen größeren Anteil an der Wirtschaft ausmacht, wie etwa in Deutschland (10,6 Prozent) oder Italien (9,6 Prozent). Im selben Zeitraum war China hingegen mit einem deutlich höheren effektiven US-Zollsatz von nahezu 37 Prozent konfrontiert, während dieser für Japan bei 14 Prozent und für das Vereinigte Königreich bei 6,3 Prozent lag. Im Kontrast dazu wurden US-Importe aus Kanada und Mexiko effektiv lediglich mit 3,8 Prozent verzollt.

Auf den ersten Blick scheinen die Unterschiede in den durchschnittlichen effektiven Zollsätzen bislang nur begrenzte Auswirkungen auf die Handelsströme gehabt zu haben, da sich die Anteile der US-Importe aus der EU und anderen Industrieländern nur moderat verändert haben. Im Gegensatz dazu halbierte sich der Anteil Chinas an den US-Importen zwischen 2024 und 2026 nahezu, was auf eine erhebliche Handelsumlenkung zulasten Chinas hindeutet.

Der Schwerpunkt dieses Reports liegt auf einer vertieften Analyse der Auswirkungen des US-EU Deals, des sogenannten Turnberry Deals, der von September 2025 bis Februar 2026 bereits in Kraft war. Die folgenden Ergebnisse beziehen sich auf die gesamten US-Importe aus der EU:

  • Von September 2025 bis Februar 2026, also während der bisherigen Geltungsdauer des Deals, erhoben die USA im Durchschnitt einen effektiven Zoll von 8,2 Prozent auf Importe aus der EU, was deutlich unter dem angekündigten Satz von 15 Prozent liegt. Zwar bedeutete dies einen leichten Rückgang gegenüber dem Höchstwert kurz vor Inkrafttreten des Deals im August (9,4 Prozent), allerdings wurde der Durchschnittswert durch einen einmaligen Rückgang im September 2025 verzerrt.
  • Unmittelbar nach Inkrafttreten des Deals im September 2025 sank der effektive bilaterale Zollsatz für die EU auf 7 Prozent. Dies war jedoch auf die Zusammensetzung der Importe zurückzuführen, insbesondere auf einen Anstieg zollbefreiter pharmazeutischer Produkte – vor allem aus Irland – und nicht auf eine tatsächliche Senkung der Zollsätze für exportrelevante Produktgruppen. Bereits im Oktober 2025 kehrte der effektive Zollsatz wieder auf ein Niveau zurück, das in etwa jenem im Zeitraum vor dem US-EU Deal entsprach.
  • Der US-EU Deal scheint somit zwar den Anstieg des effektiven Zollsatzes auf Importe aus der EU gestoppt zu haben, führte jedoch nicht zu einem signifikanten Rückgang.
  • Auf Ebene einzelner EU-Mitgliedstaaten zeigt sich ein differenzierteres Bild: Deutschland, das vor dem Deal mit bis zu 13 Prozent den höchsten effektiven Zollsatz hatte, näherte sich nach Inkrafttreten dem EU-Durchschnitt an. Die Differenz zwischen dem deutschen und dem durchschnittlichen EU-Zollsatz verringerte sich. Der Deal scheint somit die relative Situation Deutschlands verbessert zu haben.
  • Im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern auf dem US-Markt lag die EU nach dem Deal im Mittelfeld: günstiger als Japan oder Südkorea, etwas ungünstiger als das Vereinigte Königreich und weniger günstig als Kanada und Mexiko. Daraus ergab sich ein relativer Vorteil für die EU durch den Turnberry Deal.

Die sektorale Analyse zeigt, dass der US-EU Deal die effektiven Zollsätze in vielen wichtigen Exportsektoren der EU nicht gesenkt hat:

  • Deutsche und italienische Exporte von Maschinen und mechanischen Geräten wurden beispielsweise von September 2025 bis Februar 2026 mit einem effektiven Zollsatz von rund 14,5 Prozent belegt. Das entspricht einem Anstieg um 1 bis 2 Prozentpunkte gegenüber August 2025. Ähnlich stieg auch der durchschnittliche effektive Zollsatz für elektrische Maschinen nach Inkrafttreten des Deals weiter an und erreichte in diesem Zeitraum 11,5 Prozent. Eine Erklärung hierfür ist die Ausweitung der Liste von Gütern, die unter den 50-prozentigen Stahl- und Aluminiumzoll gemäß Section 232 des Trade Expansion Act von 1962 fallen, wobei im August viele Maschinen als abgeleitete Stahlprodukte einbezogen wurden.
  • In beiden Sektoren lagen die effektiven Zollsätze für die EU deutlich über denen südostasiatischer Wettbewerber wie Taiwan, Vietnam oder Südkorea. Dies erklärt sich vor allem durch die unterschiedliche Zusammensetzung der Exporte in die USA. So besteht ein großer und wachsender Anteil der taiwanesischen Exporte aus Datenverarbeitungsmaschinen und verschiedenen Halbleitern. Der Anteil dieser Produkte an den US-Importen aus der EU ist hingegen relativ gering. Diese Güter unterlagen sehr niedrigen Zöllen oder waren sogar zollfrei und sind aufgrund des KI-Booms stark nachgefragt. Dies verdeutlicht die mangelnde Spezialisierung der EU auf wachstumsstarke Produktkategorien, die derzeit kaum von US-Zöllen betroffen sind.
  • Eine bemerkenswerte Ausnahme bilden Pkw: Hier sank der effektive Zollsatz für die EU im Durchschnitt sowie für einzelne Mitgliedstaaten von etwa 27 Prozent auf rund 15 Prozent. Dennoch war die EU selbst in diesem Bereich nach dem Deal kaum bessergestellt als wichtige Wettbewerber wie Japan (15,4 Prozent).

Nach dem Urteil des US Supreme Court zu Notfallzöllen im Februar 2026 ersetzte die US-Regierung die gegenseitigen Zölle weltweit durch einen zusätzlichen temporären Zoll von 10 Prozent auf einer anderen rechtlichen Grundlage. Hauptnutznießer dieser neuen Struktur waren China und Indien sowie Südkorea und Vietnam, da ihre effektiven Zollsätze erheblich sanken. So verringerte sich der effektive Zollsatz für China zwischen Februar und März 2026 um fast 9 Prozentpunkte auf 23,1 Prozent. Für Indien war der Rückgang mit 12,3 Prozentpunkten noch größer und führte zu einem effektiven Zollsatz von nur 8,3 Prozent im März 2026. Der effektive Zollsatz für die EU sank hingegen nur leicht um einen Prozentpunkt auf 8,1 Prozent. Da die Rückgänge bei den wichtigsten Wettbewerbern in Südostasien jedoch größer waren, verringerte sich der relative Vorteil der EU entsprechend.

Mit Blick nach vorn hängt der wirtschaftliche Nutzen des Turnberry Deals für die EU – unter der Annahme, dass die US-Regierung daran festhält – vor allem von der Höhe der künftigen US-Zölle nach Abschluss laufender Untersuchungen sowie den Reaktionen anderer Handelspartner ab. Sollte die US-Regierung im Wesentlichen zur Zollstruktur vor dem Urteil des Supreme Court zurückkehren, wäre das Abkommen positiv zu bewerten. Erfolgt jedoch keine relative Besserstellung der EU, müsste diese die Balance des US-EU Deals überdenken, da ihre eigenen Zugeständnisse auf dieser Annahme basierten.

Der wichtigste Vorteil des Turnberry Deals könnte für die EU dennoch in einem gewissen Maß an Vorhersehbarkeit der Handelsbeziehungen liegen, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass die derzeitige US-Regierung auf Zölle verzichtet – was durch die laufenden Untersuchungen im Rahmen von Section 232 und Section 301 untermauert wird. In diesem Sinne wäre eine flexibel formulierte Suspensionsklausel, die es erlaubt, Zollpräferenzen auszusetzen (z. B. bei Überschreitung der vereinbarten Obergrenze von 15 Prozent), sinnvoll, um diplomatischen Spielraum zu schaffen.

Zudem zeigt die sektorale Analyse, dass Maschinen und Elektrotechnikexporte der EU in die USA etwa aufgrund zusätzlicher Stahl- und Aluminiumzölle auf weiterverarbeitete Produkte überdurchschnittlich stark belastet sind. Dies widerspricht klar dem Geist des Deals und sollte dringend adressiert werden. Insgesamt ist der Turnberry Deal somit eine bitter-süße Pille für die EU – aber immer noch besser als anhaltende Disruption im Handel.

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