US-Präsident Donald Trump hat bei den Zwischenwahlen eine Niederlage kassiert und beide Kammern des Kongresses verloren. Für die deutsche Wirtschaft ändert das wenig: Ein Ende der Zollpolitik und des Iran-Kriegs ist nicht in Sicht, kommentiert IW-Direktor Michael Hüther.
IW-Direktor Hüther zu den US-Midterms: „Deutsche Wirtschaft leidet weiter unter Trump-Zöllen“
Trump ist mit seiner Wirtschaftspolitik gescheitert – und hat dafür von der US-Bevölkerung die Quittung bekommen („crisis of affordability“). Ein Grund zur Erleichterung ist das für die deutsche Wirtschaft aber nicht. Denn auf die Zollpolitik und den Iran-Krieg hat das Wahlergebnis keinen Einfluss. Sie belasten die deutsche Wirtschaft weiterhin. Die Zölle verhängt Trump nicht per Gesetz, sondern per Dekret am Kongress vorbei. Beim Iran-Krieg nutzt er seine Rolle als Oberbefehlshaber und umgeht die Abgeordneten ebenso. Für die deutsche Wirtschaft ist aus Amerika deshalb mindestens bis zur Präsidentschaftswahl in zwei Jahren keine Besserung zu erwarten.
Fragile US-Wirtschaft
Trump hatte drei zentrale wirtschaftspolitische Ziele: den Haushalt sanieren, die Handelspolitik neu ausrichten und die USA reindustrialisieren. In allen drei Punkten ist er gescheitert. Die Staatsschulden liegen erstmals über 40 Billionen Dollar, das Warenhandelsdefizit ist gestiegen und die Industrieinvestitionen sind zurückgegangen.
Noch kann Trump von einem robusten Wachstum leben. Doch die Konjunktur der größten Volkswirtschaft der Welt steht auf tönernen Füßen. Das Wachstum speist sich fast ausschließlich aus dem KI-Sektor und dem krisentrotzenden Konsum der oberen Einkommensschichten. Dem stehen Reallohnverluste in weiten Teilen der Bevölkerung, eine hohe Inflation infolge des Iran-Kriegs, eine stagnierende Beschäftigung sowie hohe Staatsschulden mit enormer Zinslast gegenüber.
Innenpolitische Unsicherheit belastet auch Deutschland
Innenpolitisch stehen den USA unruhige Zeiten bevor. Spätestens bei den Haushaltsverhandlungen droht eine Hängepartie – samt kurzzeitiger Zahlungsunfähigkeit der USA. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2028, bei der Trump nicht mehr antreten darf, verschärfen sich nach dieser Wahlniederlage die Machtkämpfe in der Republikanischen Partei. Politische Unsicherheit beim wichtigsten Handelspartner Deutschlands wird den transatlantischen Handel belasten.
Wirtschaftliches Wachstum im demografischen Wandel
Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird in Deutschland demografisch bedingt bis zum Jahr 2040 um 4,3 Millionen oder 7,7 Prozent sinken.
IW
Staatliche und private Konjunkturimpulse in Deutschland
Das konjunkturelle Umfeld der deutschen Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren durch vielfältige Schocks in Teilen drastisch verändert. In sektoraler Hinsicht haben sich bei den Investitionen und beim Konsum markante Divergenzen aufgebaut.
IW