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IW-Kurzbericht Nr. 29 13. April 2026 Philipp Deschermeier Die Zeichen stehen wieder auf Schrumpfung

Die Bevölkerung Deutschlands ist seit Beginn der 2010er Jahre meist stetig gewachsen. Doch 2025 folgte ein leichter Rückgang.

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IW-Kurzbericht 29/2026
IW-Kurzbericht Nr. 29 13. April 2026 Philipp Deschermeier

Die Zeichen stehen wieder auf Schrumpfung

Philipp Deschermeier Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die Bevölkerung Deutschlands ist seit Beginn der 2010er Jahre meist stetig gewachsen. Doch 2025 folgte ein leichter Rückgang.

Eine Entwicklung, die sich zukünftig als Trend fortsetzen wird, wie Ergebnisse der aktualisierten IW-Bevölkerungsprognose zeigen. Bis 2045 ist ein Rückgang um 2,9 Prozent auf etwa 81,1 Millionen Personen zu erwarten.

Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung bilden eine zentrale quantitative Grundlage, um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu gestalten. Da Aussagen über die zukünftige Entwicklung jedoch mit Unsicherheit behaftet sind und es außerdem zu strukturellen Veränderungen der Rahmenbedingungen kommen kann, müssen bestehende Zahlenwerke regelmäßig aktualisiert werden. Gegenwärtig entwickelt sich die Nettozuwanderung anders, als es noch vor zwei Jahren erwartet wurde.

Zurück zur Schrumpfung

Über den demografischen Wandel schien lange Jahre bereits alles gesagt und geschrieben. Die allgemeine Erwartung in den 2000er Jahren war, dass die Bevölkerung altert und schrumpft. Die Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU im Jahr 2011, die Flüchtlingsmigration der Jahre 2015 und 2016 sowie der wirtschaftliche Aufschwung der 2010er Jahre bewirkten einen demografischen Paradigmenwechsel (BMI, 2017).

Aktuell wandelt sich dieser Ausblick erneut. So überstieg die Anzahl der Sterbefälle im Jahr 2025 die Anzahl der Geburten um etwa 350.000. Die Nettozuwanderung reichte im Vergleich zu den Vorjahren nicht mehr aus, diesen negativen Saldo auszugleichen. Entsprechend sank der Bevölkerungsstand um 100.000 Personen auf 83,5 Millionen. Klammert man das erste Jahr der Pandemie aus, war es der erste Rückgang seit 2010.

Vor dem Hintergrund der Maßnahmen der Bundesregierung im Rahmen der Migrationswende von 2025 (Bundesregierung, 2025) sind zukünftig geringere Wanderungsgewinne zu erwarten. Bevölkerungsvorausberechnungen werden jedoch auf Grundlage der vorliegenden Informationen erstellt. Sie können und sollen derartige strukturelle Änderungen der Rahmenbedingungen nicht ex ante abbilden. Deshalb müssen bestehende Zahlenwerke bei veränderten Rahmenbedingungen aktualisiert werden. Da die IW-Bevölkerungsprognose aus dem Jahr 2024 (Deschermeier, 2024) die abweichende Entwicklung noch nicht abbilden konnte, wurde die Prognose nun aktualisiert.
 

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Leichter Bevölkerungsrückgang bis 2045

Die Aktualisierung beruht auf dem amtlichen Bevölkerungsstand zum 31.12.2024. Über den Prognosehorizont sinkt der Bevölkerungsstand Deutschlands stetig. Für das Jahr 2030 werden 82,7 Millionen Personen (–0,9 Prozent) und für 2040 dann 81,6 Millionen (–2,3 Prozent) erwartet. Bis zum Zieljahr der Prognose 2045 sinkt die Bevölkerung Deutschlands um 2,9 Prozent auf etwa 81,1 Millionen Personen.

Die IW-Bevölkerungsprognose ist eine stochastische Prognose. Der Vorteil ist, dass sie im Ergebnis die wahrscheinlichste Entwicklung aufzeigt und Planern aber die wertvolle Zusatzinformation über die Unsicherheit liefert. Im Gegensatz zu klassischen (deterministischen) Vorausberechnungen, die eine einzige feste Entwicklung annehmen, leitet die stochastische Methode durch Simulationen Ergebnisse mit Eintrittswahrscheinlichkeiten ab. Der interessierte Leser findet bei Deschermeier (2016) eine ausführliche Darstellung der Methodik.

Die Obergrenze der erwarteten Entwicklung liegt danach bei 84,8 Millionen und die Untergrenze bei 77,6 Millionen. Diese Spannweite verdeutlicht die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung.

Weniger Zuwanderung als erwartet

Die Bevölkerung nimmt über den Prognosehorizont stetig ab, da die Nettozuwanderung nicht ausreicht, um den negativen Saldo aus Geburten und Sterbefällen auszugleichen. Bereits im Jahr 2025 betrug der natürliche Bevölkerungssaldo –350.000 Personen. Für eine konstante Bevölkerung wären daher Wanderungsgewinne in gleicher Höhe erforderlich.

Zukünftig wird sich der negative Saldo durch die Alterung der Gesellschaft und die damit einhergehenden höheren Sterbezahlen noch vergrößern. Nach der Rekordzuwanderung des Jahres 2022 aufgrund der Flüchtlingsmigration durch den Krieg in der Ukraine mit einem Wanderungssaldo von 1,4 Millionen Personen ging die Zuwanderung in den Folgejahren deutlich zurück. Für 2025 wird ein Wanderungssaldo von unter 250.000 Personen erwartet.

In der Vorgängerstudie wurden für die Jahre bis 2030 deutlich höhere Wanderungssalden ermittelt. Die neue Prognose der Nettomigration basiert auf einem Zeitreihenmodell der alters- und geschlechtsdifferenzierten Wanderungssalden. Bis 2045 erhöht sich die prognostizierte Nettomigration vom gegenwärtigen Niveau bis 2045 auf etwa 290.000 Personen. Über den kompletten Prognosehorizont reicht die jährliche Zuwanderung somit nicht aus, das Geburtendefizit auszugleichen.

Der demografische Druck auf den Arbeitsmarkt steigt

Der demografische Druck auf den Arbeitsmarkt wird bis 2045 spürbar zunehmen. So sinkt das Erwerbspersonenpotential (Anzahl der Personen zwischen 15 und unter 67 Jahren) von 55 Millionen im Jahr 2025 um 8,3 Prozent auf 50,4 Millionen im Jahr 2045. Der demografische Druck hat aber bereits in der Vergangenheit spürbar zugenommen. Deutschland steht nicht erst seit heute vor einem demografischen Wandel, denn bereits seit 2019 erreichen die Babyboomer-Jahrgänge das gesetzliche Renteneintrittsalter.

Die Anzahl der aus dem Arbeitsmarkt ausscheidenden Personen kann nicht mehr durch junge Menschen, die in den Arbeitsmarkt eintreten, kompensiert werden. Denn die Anzahl der Personen zwischen 15 und unter 35 Jahren, also in der Lebensphase, in der typischerweise eine Ausbildung oder ein Studium absolviert wird, nimmt über den Prognosehorizont ab. So sinkt die Anzahl der Personen in diesem Alter von etwa 19,5 Millionen im Jahr 2025 um 5 Prozent auf 18,5 Millionen im Jahr 2045.

Der demografische Druck lässt sich dabei durch den Gesamtquotienten beschreiben. Die Kennzahl drückt aus, wie viele jüngere (unter 15 Jahren) und ältere Menschen (mindestens 67 Jahre) rechnerisch auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter entfallen. Da einige Jahrgänge der Babyboomer das gesetzliche Renteneintrittsalter schon erreicht haben, ist die Kennzahl in den vergangenen Jahren bereits angestiegen. Im Jahr 2025 entfielen etwa 51,8 jüngere und ältere Personen auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. Bis 2045 wird sich die Anzahl auf 60,7 Personen erhöhen. Dies entspricht einer Zunahme von 17,2 Prozent.

Deutschland altert

Die zentrale demografische Entwicklung bildet die Alterung der Gesellschaft. Die Anzahl der Senioren nimmt über den Prognosehorizont bis 2045 deutlich zu. Waren es 2025 noch 17 Millionen Personen, die mindestens 67 Jahre alt waren, erhöht sich die Anzahl bis 2045 auf 20,4 Millionen Senioren. Dies entspricht einem Anstieg um 3,4 Millionen Personen beziehungsweise von 20 Prozent.

Noch deutlicher als in absoluten Größen fällt das Ausmaß der Alterung in Relation zu anderen Altersgruppen aus. So steigt der Altenquotient – als Anzahl der Senioren, die rechnerisch auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen – von 30,8 im Jahr 2025 um 30,9 Prozent auf 40,4 Personen im Jahr 2045.

Fazit

Da sich der demografische Ausblick entgegen den bisherigen Erwartungen doch wieder in Richtung Schrumpfung verschoben hat, ist der Handlungsdruck hoch. Insbesondere der Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften kommt eine hohe Bedeutung zu. Darüber hinaus stellt die Alterung der Gesellschaft das Renten- und Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen. Hinzu kommt ein Mangel an altersgerechtem Wohnraum. So fehlen beispielsweise über 2,5 Millionen altersgerechte Wohnungen in Deutschland (Deschermeier, 2023).

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IW-Kurzbericht 29/2026
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