Der IW-Wohnindex zeigt die Auswirkungen der jüngsten Zinsentwicklung auf den Wohnungsmarkt in Deutschland. Aufgrund der höheren Finanzierungskosten sinkt die Nachfrage nach Kaufobjekten, weshalb die Preise im Wesentlichen stagnieren.
IW-Wohnindex Q3/2026: Zinsentwicklung bremst den Wohnungsmarkt erneut aus
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Der IW-Wohnindex zeigt die Auswirkungen der jüngsten Zinsentwicklung auf den Wohnungsmarkt in Deutschland. Aufgrund der höheren Finanzierungskosten sinkt die Nachfrage nach Kaufobjekten, weshalb die Preise im Wesentlichen stagnieren.
Die Mietdynamik legt dagegen wieder zu, da mehr Haushalte in diesen Markt ausweichen.
- Die Kaufpreise stagnieren. Eigentumswohnungen verteuern sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,3 Prozent, Ein- und Zweifamilienhäuser um 0,4 Prozent. Seit 2023 bewegen sich die Kaufpreise damit weitgehend seitwärts, gegenüber dem Höchststand von 2022 liegen sie gut 10 Prozent niedriger.
- Die Angebotsmieten steigen dagegen deutlich: um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
- Regional nimmt die Differenzierung zu: Bei Eigentumswohnungen sinken die Preise in den Top-7-Städten um 0,8 Prozent, während sie in den übrigen Großstädten um 1,2 Prozent steigen. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern fällt der Rückgang in den Top-7-Städten mit 2,3 Prozent am stärksten aus.
- Die Mieten steigen in allen Regionstypen: Den höchsten Zuwachs verzeichnet das Umland der Top-7 mit 5,2 Prozent, in den übrigen Großstädten sind es 4,4 Prozent.
- Große Unterschiede in den zehn größten Städten: Bei den Kaufpreisen reicht die Spanne auf Jahressicht von plus 3,5 Prozent in Essen bis minus 3,9 Prozent in Stuttgart. Auch in Berlin (minus 2,0 Prozent), Köln (minus 1,3 Prozent), Leipzig (minus 1,0 Prozent) und München (minus 0,7 Prozent) sinken die Preise.
- Mietentwicklung in Hamburg besonders dynamisch: Bei den Mieten verzeichnet Hamburg mit 6,8 Prozent den stärksten Anstieg, gefolgt von Köln mit 5,3 Prozent und Essen mit 4,9 Prozent. Seit 2022 sind die Mieten in Berlin mit 29,5 Prozent am stärksten gestiegen, in Stuttgart mit 16,7 Prozent am schwächsten.
Die Zinsentwicklung prägt die Lage am Wohnungsmarkt maßgeblich. Seit Anfang 2026 sind die Renditen von Pfandbriefen bei zehnjähriger Zinsbindung um fast 70 Basispunkte gestiegen, bei kurzen Laufzeiten um mehr als 100 Basispunkte. Ausschlaggebend sind gestiegene Inflationserwartungen, aber auch zunehmende Zweifel an der Tragfähigkeit staatlicher Schulden, vor allem in den USA und Frankreich. Im Neubau dürften die Fertigstellungen weiter sinken, weil die Nachfrage fällt und die Baukosten wegen des hohen Energieeinsatzes steigen. Zinsen und Baukosten steigen damit zugleich, was die Wohnungsbaukrise verschärft. Eine Stabilisierung des Wohnungsmarktes etwa durch Garantieinstrumente wäre daher geboten.
DOI: 10.67087/12.21682
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