Das Studium und die Ausbildung sind entscheidende Lebensabschnitte, in denen junge Menschen die Grundlagen für ihre berufliche Zukunft legen.
Wohnraumversorgung und Wohnraumbedarfe von Studierenden und Auszubildenden
Gutachten im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Das Studium und die Ausbildung sind entscheidende Lebensabschnitte, in denen junge Menschen die Grundlagen für ihre berufliche Zukunft legen.
Erkenntnisinteresse und Forschungsdesign
Während dieser Zeit verlassen viele den Haushalt ihrer Eltern und ziehen an den Ausbildungsstandort in eine andere Region oder innerhalb ihres bisherigen Wohnortes um. Neben der akademischen oder praktischen Ausbildungsmöglichkeit spielt die Wohnsituation eine zentrale Rolle für den Alltag, den sozialen Anschluss und die finanzielle Belastung der Auszubildenden und Studierenden.
Vor dem Hintergrund, dass bisherige Studien entweder nur Auszubildende oder nur Studierende als Zielgruppe analysiert haben oder nur auf ausgewählte Wohnformen fokussiert waren, ist die Gewinnung eines ganzheitlichen Überblicks über die Wohnraumversorgung und die Wohnraumsituation von Auszubildenden und Studierenden das zentrale Ziel der vorliegenden Studie. Die Bearbeitung erfolgte auf Basis von Auswertungen der existierenden Literatur, eigener Auswertungen von verfügbaren Datenquellen, fünf Expertenworkshops, einer Befragung unter 2.386 Auszubildenden und Studierenden und einer Befragung unter 286 Anbietern und Trägern von Wohnheimen. Das den Analysen zu Grunde liegende Forschungsdesign unterscheidet dabei zwei Dimensionen: die verschiedenen Zielgruppen und die Wohnformen.
Vier Wohnformen beschreiben die Wohnsituation von Auszubildenden und Studierenden
Dabei wird die Wohnsituation von Auszubildenden und Studierenden durch vier verschiedene Wohnformen beschrieben: das Wohnen bei den Eltern, institutionelles, gemeinschaftliches und individuelles Wohnen. Bei Auszubildenden und Studierenden beschreibt institutionelles Wohnen das Wohnen in einem (staatlichen, gemeinnützig getragenen oder privatwirtschaftlich organisierten) Wohnheim. In der Regel sind staatliche oder gemeinnützig getragene Wohnheime die günstigste Wohnform außerhalb des Elternhauses. Allerdings haben Studierende diesbezüglich, insbesondere durch die Angebote der Studierendenwerke, zahlreichere und vielfältigere Wohnmöglichkeiten als Auszubildende. Bei einer individuellen Wohnform leben Auszubildende und Studierende in den eigenen vier Wänden entweder allein, mit einer verpartnerten Person oder mit der eigenen Kernfamilie auf dem freien Wohnungsmarkt.
Die Wohngemeinschaft (WG) ist eine gemeinschaftliche Wohnform. Sie beschreibt das Zusammenleben mehrerer Haushalte (meist Einpersonenhaushalte), die nicht familiär oder partnerschaftlich verbunden sind, in einer gemeinsam genutzten Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt.
Auszubildende wohnen meist bei den Eltern, die Wohnsituation von Studierenden ist heterogen
Über alle vorliegenden empirischen Befunde hinweg zeigt sich bei der Verteilung der betrachteten Wohnformen, dass Auszubildende überwiegend bei ihren Eltern wohnen und noch keinen eigenen Haushalt führen. Obwohl ein größerer Anteil der Auszubildenden, insbesondere der schulischen, noch minderjährig ist und die Ausbildung häufiger am Wohnort stattfindet, zeigen die Ergebnisse der durchgeführten Befragung, dass das Wohnen bei den Eltern nicht zwangsläufig die bevorzugte Wohnform für Auszubildende ist. Die Mehrheit der bereits ausgezogenen Auszubildenden wohnt individuell in einer eigenen Wohnung. Hinsichtlich der Wohnraumversorgung über Wohnheimplätze haben Auszubildende hingegen weniger Optionen als Studierende, die insbesondere durch die Angebote der Studierendenwerke quantitativ deutlich mehr Auswahl haben. Zwar gibt es im Rahmen des Jugendwohnens Wohnheimplätze mit sozialpädagogischer Betreuung, allerdings entspricht das Versorgungsniveau nicht annähernd dem Bedarf. Das gemeinschaftliche Wohnen in einer Wohngemeinschaft bildet eine weitere Alternative bei der Wahl der Wohnform.
Bei Studierenden sind die empirischen Erkenntnisse über die Verteilung der Wohnformen weniger eindeutig als bei den Auszubildenden. Dies hat verschiedene Gründe. So sind Studierende eine heterogenere Gruppe, die durch die erforderliche Hochschulreife das Studium später aufnimmt als Auszubildende, die eine berufliche Ausbildung beginnen. Denn diese ist bereits ab dem Ende der Schulpflicht möglich. Die aggregierte Betrachtung über die heterogene Gruppe der Studierenden hinweg zeigt daher nur ein eingeschränkt aus sagekräftiges Bild. Über die vorliegenden Erkenntnisse gemittelt wohnen Studierende etwa zu einem Drittel individuell und zu einem Drittel bei den Eltern. Das restliche Drittel verteilt sich auf gemeinschaftliche (WG) und institutionelle Wohnformen (Wohnheim).
Viele wünschen sich eine eigene Wohnung, zu kleine und zu teure Wohnungen sind gleichzeitig der Hauptgrund für Unzufriedenheit
Die Mehrheit der Auszubildenden und Studierenden scheint grundsätzlich zufrieden mit ihrer Wohnsituation. In der durchgeführten Befragung unter Auszubildenden und Studierenden geben dies etwa 72 % der Teilnehmenden an, unzufrieden mit ihrer Wohnsituation waren dagegen nur 11 %. Dabei zeigen sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen Auszubildenden und Studierenden. Hauptgründe der Unzufriedenheit sind zu kleine Wohnflächen und zu teure Mieten. Die Wohnkostenbelastung von Studierenden (52 %) und Auszubildenden (42 %) lag im Jahr 2023 deutlich über der durchschnittlichen Wohnkostenbelastung der Gesamtbevölkerung (25 %) (Statistisches Bundesamt 2024). Die Analyse der Mietentwicklung in den für Auszubildende und Studierende typischen Wohnsegmenten kleiner Wohnungen (individuelle Wohnform) und WG-Zimmern (gemeinschaftliche Wohnform) in den Groß- und Universitätsstädten verdeutlicht, dass die Medianmiete im Jahr 2024 an 33 von 70 Standorten über der maximalen BAföG-Wohnkostenpauschale in Höhe von 380 € liegt. Für Auszubildende wurde als eine alternative Vergleichsgröße 30 % des mittleren Erwerbseinkommens herangezogen, was nach der eigenen Erhebung (vgl. Kapitel 7.2.2) bei etwa 800 € monatlich liegt und somit einem Betrag von 240 € entspricht. In 69 von 70 Standorten liegt die Medianmiete über diesem Betrag.
Der tatsächlichen Wohnsituation steht der vielfache Wunsch nach der eigenen Wohnung gegenüber. Etwa zwei Drittel der an der Befragung teilnehmenden Auszubildenden und Studierenden präferieren eine eigene Wohnung. Dieser Wunsch ist bei Auszubildenden etwas schwächer ausgeprägt. Gerade jüngere (teilweise minderjährige) Auszubildende sind mit ihrer Wohnsituation bei den Eltern überwiegend zufrieden. Die Vorteile einer Unterbringung in einem Wohnheim werden möglicherweise von Auszubildenden und Studierenden mangels Informationen und eigener Erfahrungen nicht richtig eingeschätzt, denn diese Wohnform wird am wenigsten präferiert. In den Expertenworkshops wurde aber der Wert des Zusammenlebens (insbesondere von kirchlichen Trägern) betont. Sozialer Anschluss fällt leichter, während Abbrecherquoten gesenkt würden.
Wichtige Präferenzen junger Menschen für die Wohnsituation sind ein eigenes Bad, eine eigene Küche, Bezahlbarkeit und kurze Wege zur Hochschule oder zum Ausbildungsplatz. Andere Merkmale wie Nähe zum Zentrum, Balkon oder vorhandene Möblierung scheinen weniger wichtig für Auszubildende und Studierende zu sein. Bei begrenztem Budget ist eine gemeinsam genutzte Küche akzeptabel, ein geteiltes Zimmer und geteilte Sanitärräume sind dagegen selbst bei begrenztem Budget nicht akzeptabel.
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