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Gutachten 25. Mai 2026 Matthias Diermeier / Konrad Doliesen / Melinda Fremerey / Hendrik Böhmer / Jan Engler / Jan Wendt Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge

Das vorliegende Gutachten analysiert die politischen Implikationen ungleicher Daseinsvorsorge in Deutschland.

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Empirische Bestandsaufnahme und politische Implikationen
Gutachten 25. Mai 2026 Matthias Diermeier / Konrad Doliesen / Melinda Fremerey / Hendrik Böhmer / Jan Engler / Jan Wendt

Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge

Gutachten im Auftrag der Philip Morris GmbH

Matthias Diermeier / Konrad Doliesen / Melinda Fremerey / Hendrik Böhmer / Jan Engler / Jan Wendt Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Das vorliegende Gutachten analysiert die politischen Implikationen ungleicher Daseinsvorsorge in Deutschland.

Erstmals verknüpft eine solche Untersuchung eine aktuelle, kleinräumige und umfassende Datenbasis zu den Versorgungslagen auf Ebene von über 10.941 Gemeinden mit einer geokodierten Personenbefragung. Auf Basis von 17 teilweise mit Webscraping erhobenen Indikatoren aus den Bereichen Digitales, Gesundheit, Mobilität, Freizeit und Bildung lässt sich der Mechanismus zwischen (Unzufriedenheit mit) der lokalen Daseinsvorsorge und der voranschreitenden politischen Entfremdung genauer untersuchen. Konkret wird analysiert, inwiefern objektive Mängel in der lokalen Daseinsvorsorge subjektiv wahrgenommen und als Ausdruck von Staatsversagen interpretiert werden, wodurch sie zur politischen Entfremdung beitragen.

Die Mehrheit der Menschen (53,2 Prozent) in Deutschland ist mit der Daseinsvorsorge im eigenen Umfeld zufrieden. Obwohl die Bewertung in urbanen Umfeldern (55,2 Prozent Zufriedene) positiver ausfällt als im ländlichen Raum (45,1 Prozent Zufriedene), sind diese Unterschiede letztlich überschaubar. Deutlicher zeigen sich parteipolitische Disparitäten in der Bewertung. Allein in der AfD-Anhängerschaft überwiegt der Anteil, der die Daseinsvorsorge negativ einschätzt, die Zufriedenen. Die enorme Diskrepanz zu den Einschätzungen der in der politischen Mitte verorteten Wählerschaften bleibt auch dann bestehen, wenn für die unterschiedlichen Lebensumfelder sowie sozio-demographische Charakteristika kontrolliert wird. 

Der Vergleich der objektiven Versorgungslagen zeigt zudem ein mosaikartiges Bild. Eine besonders gute Versorgung ist nicht nur den Agglomerationsgebieten vorenthalten. Auch periphere Gemeinden mit guter Anbindung an größere Metropolen bieten sehr gute Versorgungsniveaus. Sichtbar sind dennoch große Stadt-Land Disparitäten: Unter den zehn bestversorgten Gemeinden befindet sich mit Fahrenkrug lediglich eine Landgemeinde und mit Radebeul und Friedrichsroda nur zwei ostdeutsche Gemeinden. Das sonst häufig sichtbare Ost-West-Gefälle trägt hinsichtlich der Daseinsvorsoge nur bedingt: Zwar ist der Osten aufgrund seiner starken ländlichen Prägung vielerorts schlechter versorgt (bspw. in den Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte, Uckermark oder Havelland), der Vergleich städtischer Räume zeigt jedoch bessere Versorgungslagen ostdeutscher Städte.

Die Verknüpfung von Personenbefragung und objektiven Versorgungslagen zeigt, dass eine objektiv bessere Versorgungslage mit einer erhöhten Daseinsvorsorgezufriedenheit einhergeht. Menschen sind demnach mit einer intensiveren Daseinsvorsorge grundsätzlich zufriedener. Hinsichtlich der politischen Entfremdung in Deutschland dominiert hingegen die subjektive Bewertung und nicht die objektive Versorgung. Sowohl für die wahrgenommene Leistungsfähigkeit der Politik, die Demokratiezufriedenheit, die Unterstützung der AfD sowie das Gefühl des regionalen Abgehängtseins spielen tatsächliche Daseinsvorsorgeangebote eine untergeordnete Rolle. 

Politisch gewendet bedeutet dies: Soll die lokale Daseinsvorsorge gegen die voranschreitende politische Entfremdung in Stellung gebracht werden, reicht eine Ausweitung oder Verbesserung der Angebote allein womöglich nicht aus; vielmehr kommt es entscheidend darauf an, wie Leistungen wahrgenommen, kommuniziert und in bestehende Deutungsmuster eingeordnet werden. Politische Unzufriedenheit speist sich nicht allein aus messbaren Defiziten, sondern maßgeblich aus deren Interpretation und öffentlicher Deutung.

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