Bei Stablecoins handelt es sich um Finanzinstrumente, die ähnlich wie Geldmarktfonds funktionieren und in US-Staatsanleihen investieren. Jedoch werden bei Stablecoins keine Fondsanteile, sondern Kryptowerte erworben.
Stablecoins und US-Staatsverschuldung: Droht eine neue Finanzmarktkrise?
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Bei Stablecoins handelt es sich um Finanzinstrumente, die ähnlich wie Geldmarktfonds funktionieren und in US-Staatsanleihen investieren. Jedoch werden bei Stablecoins keine Fondsanteile, sondern Kryptowerte erworben.
Wie bei den Eurodollars in den 1960er und 1970er Jahren handelt es sich um finanzielle Verbindlichkeiten, die außerhalb des US-Bankensystems geschaffen wurden. Mit dem GENIUS-Gesetz (Guiding and Establishing National Innovation for U.S. Stablecoins of 2025) zielen die USA auf die Förderung des Marktes für Stablecoins ab. Die Auswirkungen einer verstärkten Vernetzung von Stablecoins mit dem weltweit größten und liquidesten Markt für Staatsanleihen ist für die globale Finanzmarktstabilität jedoch bedeutsam.
Die Staatsverschuldung der USA beläuft sich aktuell auf rund 122 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Sie ist auch deshalb gestiegen, weil sich die Lebenserwartung der Bevölkerung von 70 Jahren im Jahr 1966 auf 78 Jahre im Jahr 2024 verlängert hat. Dies hat dazu geführt, dass die Ausgaben für Medicare und Medicaid von jeweils 0,2 Prozent des BIP auf 3,6 und 3,1 Prozent des BIP und die Ausgaben der Rentenversicherung im gleichen Zeitraum von 2,4 Prozent auf 4,8 Prozent gestiegen sind. Für die wachsende Staatsverschuldung der USA ist auch verantwortlich, dass sich zwischen Staatsausgaben und Steuereinnahmen im Zeitablauf eine Schere aufgetan hat. Zudem werden rund 13 Prozent der Steuerschuld nicht eingetrieben.
Trotz der hohen Ausgaben im Vergleich zu den Einnahmen finanzieren ausländische Anleger diese Verschuldung, da die USA über den bedeutendsten sicheren Hafen für Investoren verfügen und der US-Dollar die bedeutendste Reserve- und Transaktionswährung darstellt. US-Staatsanleihen gelten dabei als das sicherste Finanzinstrument. Aufgrund der global hohen Nachfrage nach diesem Safe Asset, verfügen die USA über sehr günstige Finanzierungsbedingungen.
Grund zur Sorge bereitet aber eine Entdollarisierung, d.h. eine Verringerung der Verwendung des Dollars im Welthandel und bei Finanztransaktionen. Eine Förderung des Marktes für Stablecoins soll der Entdollarisierung entgegenwirken. Ähnlich wie die Geldmarktfonds können sie die Liquiditätshaltung von Haushalten und Unternehmen mit der Staatsfinanzierung verbinden.
Die Vernetzung von US-Staatsverschuldung und Stablecoins könnte Gefahren für die globale Finanzstabilität mit sich bringen. Denn wenn der Markt für US-Staatsanleihen unter Druck geraten würde, dann sind Stablecoins für ihre Anleger nicht länger ein sicherer Vermögenswert. Ähnlich wie bei Geldmarktfonds besteht bei Stablecoins ein Run-Risiko. In Panik geratene Kunden können ihr Geld sofort abziehen, was einen sofortigen Verkaufsdruck auslöst und Notfallverkäufe auf der Aktivseite des Stablecoins nach sich ziehen kann, welche zu einem Preisverfall bei US-Staatsanleihen führen können. Aufgrund der hohen globalen Bedeutung des US-Kapitalmarkts als sicherer Hafen könnte sich daraus eine globale Finanzmarktkrise entwickeln.
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