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Felix Adam / Jürgen Matthes IW-Report Nr. 7 28. Februar 2018 Zur Belastbarkeit von Forderungen nach expansiver Fiskalpolitik an der Nullzinsgrenze

In der jüngeren Vergangenheit wurde immer wieder eine expansive Fiskalpolitik zur Wachstumsförderung auf Basis von neukeynesianischen Modellen gefordert. Dieser Modelltyp hat sich wirtschaftshistorisch aus einer Synthese von neoklassischen und keynesianischen Elementen entwickelt und spielt in der modernen Makroökonomie und damit in der Politikberatung eine wichtige Rolle.

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Zur Belastbarkeit von Forderungen nach expansiver Fiskalpolitik an der Nullzinsgrenze
Felix Adam / Jürgen Matthes IW-Report Nr. 7 28. Februar 2018

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In der jüngeren Vergangenheit wurde immer wieder eine expansive Fiskalpolitik zur Wachstumsförderung auf Basis von neukeynesianischen Modellen gefordert. Dieser Modelltyp hat sich wirtschaftshistorisch aus einer Synthese von neoklassischen und keynesianischen Elementen entwickelt und spielt in der modernen Makroökonomie und damit in der Politikberatung eine wichtige Rolle.

Zunächst werden die Grundstrukturen eines Standardmodells dargelegt. Danach werden mehrere einschlägige Studien vorgestellt. Darin kommt es an der Nullzinsgrenze zu einer tiefen Wirtschaftskrise, weil die Geldpolitik, die im Modell nur mit dem Zinsinstrument agieren kann, in ihrer Handlungsfähigkeit beschränkt ist. In dieser Situation erweist sich eine expansive Fiskalpolitik, die oberhalb der Nullzinsgrenze im Modell weitgehend wirkungslos ist, über große Fiskalmultiplikatoren als sehr effektiv zur Krisenbekämpfung.

Diese Modellergebnisse – vor allem bezüglich vermeintlich hoher Fiskalmultiplikatoren – werden aus verschiedenen Perspektiven kritisch hinterfragt:

  • Die Resultate erweisen sich als sensitiv bezüglich zentraler Annahmen, zum Beispiel zum gewählten Preissetzungsmechanismus, zur Wahl der mittelfristigen gleichgewichtigen Inflationsrate (von Null) sowie mit Blick auf die häufige Linearisierung der Modelle durch Logarithmierung und die damit auftretenden Verzerrungen.
  • Wichtige Modellergebnisse halten einer empirischen Prüfung nicht Stand. Dies wird am Beispiel der japanischen Wirtschaft gezeigt. Zudem mangelt es an einer eindeutigen empirischen Identifikation der Modelle. Auch wenn sie die reale Wirtschaftsentwicklung ex post scheinbar gut nachbilden, können sie auf falschen Grundzusammenhängen beruhen.
  • Neukeynesianische Modelle werden von renommierten Ökonomen auch grundsätzlich hinterfragt. Kritisiert wird vor allem die neoklassische Annahme, dass die Wirtschaftsakteure rational, vorausschauend und effizient auf Schocks reagieren. Auch die zentrale Rolle von Zins und Inflationserwartungen für die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage wird bemängelt.
  • In der Tat ermitteln empirische Studien und Befragungen zu den Determinanten von Ersparnis, Konsum und Investitionen nur einen eng begrenzten Zinseinfluss.
  • Zudem ist die Geldpolitik nicht so eingeschränkt wie in den Modellen angenommen. Die unkonventionellen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank, wie Staatsanleihekäufe und Negativzinsen, haben nachweislich positiv auf die Wirtschaftsaktivität gewirkt. Damit ist die Notwendigkeit einer expansiven Fiskalpolitik weniger begründbar.
  • Fiskalische Konjunkturpolitik birgt grundsätzliche Probleme (u. a. Prozyklik).

Insgesamt erscheinen neukeynesianische Modelle nicht belastbar genug, um klare Politikempfehlungen daraus abzuleiten. Das gilt auch für die Größe von Fiskalmultiplikatoren und damit für die Forderungen nach einer expansiven Fiskalpolitik.

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