Nicht mehr die Größe allein zählt, sondern zunehmend die Fokussierung auf Kerngeschäftsfelder. Dabei stellt sich die Frage, ob die damit verbundenen Risiken derzeit ausgeblendet werden, denn die Aufstellung von Unternehmen in mehreren Geschäftsfeldern kann eine Versicherung gegen branchenspezifische Krisen bilden. Vielmehr steht derzeit zur Diskussion, ob die Größen- und Diversifizierungsvorteile überbewertet wurden und die Fokussierung der stärker spezialisierten Einheiten höhere Vorteile bietet. Der Kapitalmarkt gibt jedenfalls entsprechende Hinweise, denn oft werden abgespaltene Unternehmensbereiche als eigenständig gelistete Aktiengesellschaften höher bewertet als zuvor innerhalb eines Konzerns. Empirische Untersuchungen weisen signifikant geringere Bewertungen für Multispartenunternehmen im Vergleich zu fokussierten Unternehmen mit vergleichbarer Größe in den gleichen Teilmärkten aus. Mit dem S&P US Spin-off-Index steht seit 2006 ein spezialisierter Aktienindex zur Verfügung, der die Bewertung abgespaltener börsennotierter Unternehmen in den USA aufzeigt. Dieser Spin-off-Index ist seitdem erheblich stärker angestiegen als der marktbreite S&P 500. Aufspaltungen werden oft von aktivistischen Investoren wie Hedgefonds vorangetrieben. Doch es gibt aktuelle Beispiele, bei denen die Initiative von der Unternehmensführung selbst ausging. Die Attraktivität von Spin-offs durch einen Börsengang dürfte aber auch immer vom Marktumfeld abhängen, sodass der aktuelle Trend zu Aufspaltungen eventuell mit einem kräftigen Rückgang der Bewertungen an den Börsen wieder abflauen kann.