Der Kostenvorteil des Euroraums gegenüber Deutschland belief sich 2017 auf 3 Prozent. Zwar ist auch die Produktivität hierzulande überdurchschnittlich hoch. Dies reicht jedoch nicht aus, um den Nachteil der hohen Arbeitskosten zu kompensieren. Auch bei der Entwicklung der Lohnstückkosten sticht Deutschland nicht heraus. Gegenüber der gesamten Ländergruppe hat sich die Lohnstückkostenposition seit der Euro-Einführung trotz der damaligen Wettbewerbsschwäche Deutschlands nur um 5 Prozent verbessert. Günstiger schneidet Deutschland im Vergleich zum Euroraum mit einer Verbesserung von knapp 10 Prozent im Zeitraum 1999 bis 2017 ab. Dies liegt jedoch allein an der günstigen Entwicklung bis zum Vorkrisenjahr 2007. Seit dem Jahr 2013 ist die deutsche Lohnstückkostenposition gegenüber dem Euroraum nach zuvor starker Volatilität annähernd konstant und unterscheidet sich nicht stark vom langfristigen Durchschnitt. Da auch die deutschen Überschüsse im Warenhandel mit dem Euroraum in Relation zum Handelsvolumen kaum größer sind als Ende der 1990er Jahre und inzwischen fast alle Euroländer Leistungsbilanzüberschüsse erzielen, lässt sich ein Anpassungsbedarf der deutschen Lohnstückkostenposition nach oben empirisch nicht belegen.