Höhere öffentliche Ausgaben können einen Beitrag zur wirtschaftlichen Dynamik in Deutschland leisten. Öffentliche Investitionen erweitern die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten, sodass sie langfristig reale Einkommenssteigerungen mit sich bringen. In vielen Bereichen, etwa beim Ausbau des Glasfasernetzes, der Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur oder im Bildungssystem, besteht ein Investitionsdefizit, das die Entwicklung des Wachstumspotenzials in Deutschland bremst. Eine Ausweitung der Investitionstätigkeit des Staates ist aus strukturellen Gründen daher sinnvoll.

Angesichts der bereits relativ hohen Kapazitätsauslastung würde ein sehr kräftiger Anstieg der staatlichen Investitionsausgaben allerdings mittelfristig zu wesentlich höheren Preisen führen und daher einen Teil der realen Wirkung auf die Wirtschaftskraft verfehlen. Ein Nebeneffekt steigender Preise wäre der Verlust der preislichen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Die unerwünschten Effekte treten umso mehr ein, je stärker die Steigerung der Staatsausgaben durch eine Anhebung der Transferzahlungen oder des staatlichen Konsums statt durch ein Plus an Investitionen erfolgt. Dies ist das Ergebnis von Simulationsrechnungen anhand des Oxford Global Economic Model.

Hieraus kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass öffentliche Investitionen zwar verstärkt, aber eben auch gezielt eingesetzt werden müssen, um die Attraktivität Deutschlands als Produktionsstandort und den Wohlstand des Landes zu sichern. Aufgrund der unmittelbaren Konkurrenz bei der Verwendung von Haushaltsmitteln ist abzuwägen, inwieweit diese in der aktuellen Situation eher für einen Abbau der Staatsverschuldung oder eine systematische Steuerreform genutzt werden sollten.