Die Corona-Pandemie stellt eine große Herausforderung für das wirtschaftliche Leben dar. Viele Unternehmen stehen vor großen finanziellen oder sogar existenziellen Problemen. Gleichzeitig ist die Fachkräftesicherung auch in Krisenzeiten ein zentrales Thema. So geben in der aktuellen zehnten IW-Weiterbildungserhebung mehr als 80 Prozent der Unternehmen an, dass es für die Fachkräftesicherung sehr wichtig ist, qualifizierte Mitarbeiter auch in der Krise zu halten. Die Möglichkeit, Krisenzeiten für Weiterbildung zu nutzen, um mit passend qualifizierten Fachkräften gestärkt daraus hervorgehen zu können, wird von vielen Unternehmen genutzt.

In den letzten Jahren war von Unternehmensseite immer wieder zu hören, dass aufgrund der guten Auftragslage die Zeit für Weiterbildung fehlte. Fehlende Zeit wurde häufiger als Hemmnis für Weiterbildung genannt als fehlendes Geld (Seyda/Placke, 2017). Durch die Corona-bedingten Einschränkungen hatten viele Unternehmen und Beschäftigte im Frühjahr 2020 unerwartet Zeit zur Verfügung. Konnte diese Zeit für Weiterbildung genutzt werden? Mit Daten der IW-Weiterbildungserhebung 2020 lassen sich diese Fragen aus Sicht der Unternehmen beantworten.

Durch den wirtschaftlichen Einbruch bedingt haben 47 Prozent der Unternehmen zum Befragungszeitpunkt angegeben, dass sie seit dem Beginn der Krise Kurzarbeit genutzt haben. Ob die Unternehmen Kurzarbeitergeld von der Bundesagentur für Arbeit (BA) erhalten haben, wurde nicht erhoben. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ermittelte in einer Befragung im August 2020 einen Anteil von 45 Prozent der Betriebe, die seit Beginn der Krise Kurzarbeit bei der BA angezeigt haben. 35 Prozent der Betriebe haben Kurzarbeitergeld tatsächlich beantragt. Die Differenz erklärt sich daraus, dass manche Unternehmen vorsorglich Kurzarbeit anmelden und dann doch nicht benötigen sowie daraus, dass manche Betriebe die Fördervoraussetzung nicht erfüllen, weil nicht mindestens 10 Prozent der Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen sind (Bellmann et al., 2020).

Von den Unternehmen, deren Mitarbeiter in Kurzarbeit waren, hat knapp jedes fünfte Unternehmen seine Mitarbeiter weitergebildet. Damit zeigt die IW-Weiterbildungserhebung ähnlich wie das IW-Covid-19-Panel, dass ein nennenswerter Teil der Unternehmen Kurzarbeit für Weiterbildung nutzt (Flake et al., 2020a). In der Panel-Befragung im Mai 2020 gaben 15,7 Prozent der Unternehmen an, Kurzarbeit für Weiterbildung genutzt zu haben, weitere 13,5 Prozent hatten dies konkret geplant. Die Unterschiede in den Prozentangaben stammen auch daher, dass das IW-Covid-19-Panel die damalige Stimmung der Unternehmen zeitnah einfangen wollte und daher im Gegensatz zur IW-Weiterbildungserhebung keine repräsentative Befragung darstellt.