Handelsstreit: Entspannung in Sicht?

Der US-Präsident Donald Trump hat vor Kurzem eine Teileinigung mit China verkündet – der Streit dürfte sich fürs Erste entschärfen. Ob die jetzige Teilvereinbarung in den kommenden Monaten tatsächlich in ein dauerhaftes Handelsabkommen hineinfließen wird, bleibt abzuwarten. Die Skepsis ist groß, obwohl dies ein Schritt in die richtige Richtung ist. Die USA und China liefern sich seit über einem Jahr einen Handelskrieg – sowohl das Weiterdrehen der Strafzoll-Spirale als auch die Vorwürfe der Währungsmanipulation tragen hierzu bei. Durch die Entscheidung der Zentralbank Chinas, die Währung auf den niedrigsten Stand seit der großen Rezession fallen zu lassen, wurde China seitens der US-Regierung offiziell als Währungsmanipulator gebrandmarkt, was China entschieden zurückwies. Das hatte den Handelsstreit zusätzlich verschärft, ebenso wie die von der amerikanischen Regierung veröffentlichten schwarzen Listen für weitere chinesische Unternehmen sowie die Einreiseverbote für die chinesischen Funktionäre.

Handelsbeeinträchtigung vs. Handelsumlenkung

Eine protektionistische Handelspolitik beeinträchtigt den Handel. So wird das Importvolumen des betroffenen Handelspartners zugunsten weniger wettbewerbsfähiger einheimischer Erzeugnisse verringert. Das geht zulasten der inländischen Verbraucher, die unter höheren Preisen leiden.

Eine protektionistische Handelspolitik gegenüber einem einzelnen Handelspartner kann potenziell zu einer Handelsumlenkung zugunsten der anderen Handels­partner führen. Ein Indiz dafür wären aus Sicht des protektionistischen Landes rückläufige Importanteile des betroffenen Handelspartners und steigende Importanteile der Drittländer. Diverse Analysten spekulieren über mögliche positive Effekte besonders für Vietnam, Kambodscha und Mexiko, aber auch für die Europäische Union (EU) und Deutschland.

Von einem Handelskrieg zwischen zwei großen Welthandelspartnern profitiert langfristig jedoch niemand. So beeinträchtigen die Folgen des Handelskriegs zwischen den USA und China das globale Wirtschaftswachstum. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat zum dritten Mal in diesem Jahr seine Prognose für das Weltwirtschaftswachstum nach unten korrigiert. Als Begründung wurde vor allem der andauernde Handelskrieg genannt, aber auch der Brexit und die angespannte Situation in der Golf-Region. Diese Spannungen erhöhen die Unsicherheit und dämpfen die Konjunkturperspektiven.

Importe Chinas aus den USA rückläufig

Die Tabelle illustriert die Entwicklung der Importe Chi­nas aus ausgewählten Ländern im Zeitraum zwischen Anfang 2018 (Durchschnitt: Januar bis März 2018) und Frühjahr 2019 (Durchschnitt: April bis Juni 2019). Insgesamt stiegen die chinesischen Importe in diesem Zeitraum von circa 165,7 Milliarden US-Dollar auf 171,2 Milliarden US-Dollar. Die chinesischen Importe aus den USA sanken dagegen kontinuierlich von circa 14 Milliarden US-Dollar Anfang 2018 auf 10,3 Milliarden US-Dollar im Frühjahr 2019. Dieser Rückgang um mehr als ein Viertel ist ein klares Anzeichen für eine beeinträchtigte Handelsbeziehung zwischen China und den USA. In der Folge ging der Anteil der Einfuhren aus den USA an allen chinesischen Importen im genannten Zeitraum von 8,4 Prozent auf rund 6 Prozent zurück.