Die Unternehmen in Deutschland sind stark von der Corona-Krise betroffen. Dies belegt auch eine aktuelle Untersuchung auf Basis des IW-Covid-19-Panels. In knapp drei Viertel der Unternehmen befindet sich zumindest ein Teil der Mitarbeiter aktuell in Kurzarbeit, ist Kurzarbeit bereits beendet oder geplant. Mit diesem Instrument wollen die Unternehmen ihre Fachkräfte in der Krise halten. Dafür besteht eine hohe Motivation, waren die letzten Jahre doch von zunehmendem Fachkräftemangel in vielen Berufen geprägt. Um nach der Krise wieder durchstarten zu können, sind passend qualifizierte Fachkräfte gefragt. Daher würde es sich anbieten, die nun zur Verfügung stehende Zeit für Weiterbildung zu nutzen.

Die Wirkungen einer Wirtschaftskrise auf die Weiterbildungsaktivitäten von Unternehmen sind jedoch theoretisch nicht eindeutig zu bestimmen. Einerseits wird auf Weiterbildung verzichtet, wenn Unternehmen in einer Krisensituation sparen müssen. Es werden zunächst alle Budgets durchforstet, bevor Mitarbeiter entlassen oder Insolvenz angemeldet werden muss. Zudem sind die Erträge von Weiterbildungsinvestitionen mit Unsicherheit verbunden, da nicht klar ist, wann diese sich rechnen. Andererseits ist die Gefahr einer Abwanderung von weitergebildeten Mitarbeitern in Krisenzeiten geringer. Zudem fällt es Unternehmen in der Krise leichter, Mitarbeiter für Weiterbildung zeitlich freizustellen, auch können sie dafür die Kurzarbeit nutzen. Gleichzeitig sendet der Arbeitgeber mit einer Investition in Weiterbildung das positive Signal, dass er die Mitarbeiter trotz der Krise weiterbeschäftigen will. Studien zur Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 haben gezeigt, dass sich die Krise unterm Strich eher negativ auf das Weiterbildungsengagement der Unternehmen ausgewirkt hat (Bellmann et al., 2014).

Gleichzeitig zeigen die Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit (BA), dass die Förderung der Weiterbildung in den Jahren 2008/2009 sehr stark gestiegen ist (Seyda, 2019). Neben der Weiterbildungsförderung von Arbeitslosen fällt hierunter auch die Qualifizierung Beschäftigter, die in der damaligen Krise umfangreicher gefördert wurde als in anderen Jahren. Möglicherweise wurden Weiterbildungsaktivitäten, die in normalen Zeiten Unternehmen selber finanzieren, nun staatlich ko-finanziert. Oder die Individuen hatten einen stärkeren eigenen Antrieb, an Weiterbildung teilzunehmen, um die Krise zur beruflichen Weiterentwicklung zu nutzen.

Unternehmen können auf vielfältige Weise dabei unterstützt werden, um die Krisenzeiten für Weiterbildung zu nutzen.

Knapp die Hälfte der Unternehmen wünscht sich eine Ausweitung der finanziellen Förderung. Dazu gehören beispielsweise eine Erhöhung der Fördersumme oder eine Ausweitung des Personenkreises, der profitiert.

Von ähnlich großer Bedeutung ist aus Sicht der Unternehmen die Förderung der technischen Ausstattung der Mitarbeiter mit Endgeräten oder Software. Auch hier geben mehr als 43 Prozent der Unternehmen an, dass sie sich eine stärkere Unterstützung wünschen, denn digitales Lernen kann ohne technische Voraussetzungen nicht stattfinden. Hier spielt sicherlich die derzeitige deutlich intensivere Nutzung des Homeoffice eine Rolle, die mit einem sprunghaften Anstieg des Bedarfs an Hard- und Software einhergeht.